Gross war die Freude letzten Herbst beim Wirtepaar Nadja Schuler und Stephane Wirth, als das Restaurant zum Hirschen in Villigen im renommierten «Gault Millau»-Gourmetführer erstmals mit 14 Punkten (+1) erwähnt wurde. Der Landgasthof im beschaulichen Weindorf war der einzige Aufsteiger unter den 17 Lokalen aus dem Kanton Aargau. Im Februar 2013 hatten Schuler und Wirth den Betrieb in Villigen übernommen. Nach intensiver Aufbauarbeit und viel Engagement holten sie 2015 bei «Gault Millau» erstmals 13 Punkte.

Wer meint, das 32-jährige Wirtepaar könne sich nun zurücklehnen und den Erfolg geniessen, der irrt. Denn Schuler und Wirth bangen um ihre Zukunft im «Hirschen», weil die Erbengemeinschaft die Liegenschaft an der Hauptstrasse 42 mit den drei Wohnungen, neun Hotelzimmern und dem Restaurant verkaufen möchte. «Wir konnten unseren Fünfjahresvertrag um zwei Jahre verlängern – bis Januar 2020», sagt Nadja Schuler auf Nachfrage der AZ. «Wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht.»

Es sei für sie eine riesige Enttäuschung gewesen, als sie vom Verkauf der Liegenschaft erfuhren, da sie nun seit mehr als fünf Jahren Hotel und Restaurant erfolgreich führten. «Ein anderer Betrieb kommt für uns nicht infrage. Wir hoffen, dass wir bleiben können oder es für uns in naher Zukunft weitere interessante Lösungen gibt im ‹Hirschen› oder anderswo», fährt die Wirtin fort.

Schon einige Angebote erhalten

Als das junge Paar dieses Restaurant mit dem Hotel übernahm, rechnete es nicht damit, dass die Liegenschaft fünf Jahre später zum Verkauf stehen würde. «Sonst hätten wir in Villigen sicher nicht angefangen», sagt Schuler, die in der Region aufgewachsen und hier bestens vernetzt ist. Die aktuelle Ungewissheit stellt für die Eltern eines dreieinhalbjährigen Sohns eine Belastung dar. Es ist ihnen auch nicht möglich, zum momentanen Preis die Liegenschaft selbst zu kaufen. Und einfach einen anderen Gastrobetrieb zu übernehmen, ist ebenfalls keine Option, obwohl es schon einige Angebote gab.

Denn: Zu viel Energie und Herzblut hat die in Mandach lebende Familie in den Villiger Betrieb gesteckt. «Es ist leider keine Selbstverständlichkeit, wenn man in der Gastroszene alle laufenden Rechnungen bezahlen kann. Wir hatten bisher Glück, weil wir neben dem Restaurant noch Hotelzimmer anbieten», sagt Schuler. Dies gibt dem Betrieb Stabilität an Tagen, an denen das Restaurant nicht gut besucht ist. «Mit dem Hotel haben wir zwar mehr Arbeit, aber auch mehr Sicherheit. Deshalb würde für uns ein Betrieb ohne Hotel nicht infrage kommen», hält die Geschäftsführerin fest. Viel eher würden sich die Profis – sollte es mit dem «Hirschen» tatsächlich nicht mehr weitergehen – in einem innovativen Restaurant anstellen lassen. Bis spätestens im kommenden Februar will das Wirtepaar nun für sich entscheiden, welcher Weg für die Familie am sinnvollsten ist.