Jura Ost
Villigens Vizeammann Olivier Moser geht zur Nagra

Die Mitarbeit bei der Regionalkonferenz hat Olivier Mosers Stellenwechsel begünstigt – ob er aber das Gremium verlässt, ist vorerst noch offen.

Claudia Meier
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Michael Hunziker

Seit Juni 2011 engagiert sich Vizeammann Olivier Moser als Gemeindevertreter von Villigen bei der Regionalkonferenz Jura Ost. Am 1. März wechselt er die Seite und tritt bei der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) eine neue Stelle als Projektleiter regionale Partizipation im Ressort Zusammenarbeit an.

Doch der Reihe nach: Wo der schwach-, mittel- und hochaktive Atommüll in den nächsten Jahrtausenden in der Schweiz gelagert wird, ist noch immer offen. Klar ist aber, dass das Standortgebiet Jura Ost (Bözberg) für den Bau eines geologischen Tiefenlagers nach wie vor für alle Atommüll-Arten im Rennen ist. Deshalb wurde 2011 die Regionalkonferenz Jura Ost mit fast 100 Mitgliedern gegründet. Die Regionalkonferenzen vertreten im vom Bund geleiteten «Sachplan geologisches Tiefenlager» (SGT) die Interessen der Regionen.

Olivier Moser engagiert sich da zusätzlich in der Fachgruppe Oberflächenanlagen. Diese befasste sich eingehend mit den von der Nagra erarbeiteten Vorschlägen zum Standort der notwendigen Oberflächenanlagen im Gebiet Jura Ost. Die Fachgruppe optimierte den Nagra-Vorschlag in Villigen und schlug als vorerst beste Variante die Ansiedelung gegenüber dem Paul-Scherrer-Institut am Waldrand vor (die az berichtete).

Seit Jahren an Nagra interessiert

Künftig wird Olivier Moser bei der Nagra Projekte im Rahmen der regionalen Partizipation SGT leiten sowie die Nagra in entsprechenden Partizipationsgremien und bei Behörden und Anspruchsgruppen vertreten. Bisher war der Elektroingenieur bei der ABB in Baden für ein Team von Inbetriebsetzern verantwortlich, das weltweit im Bereich von Schutz- und Steuerung von Hochspannungsschaltanlagen im Einsatz ist.

Warum wechselt er nun zur Nagra? Moser sagt: «Ganz aus eigener Motivation und Überzeugung. Einerseits suche ich nochmals eine neue Herausforderung. Andererseits interessiere ich mich seit mehreren Jahren stark für das ganze Aufgabengebiet der Nagra.» Zudem möchte er aktiv an der Lösung dieser für die Gesellschaft schwierigen Aufgabe mitarbeiten. Hat ihm der Einsitz bei Jura Ost zum neuen Job verholfen?

«Durch die aktive Mitarbeit in der Regionalkonferenz kann ich mir das neue Aufgabengebiet recht gut vorstellen», sagt Moser. «Ich bin also mit dem Thema schon etwas besser vertraut als der Durchschnitt.» Das habe den Schritt zur Bewerbung sicher beeinflusst. Bei diversen Veranstaltungen habe er zudem einen positiven und seriösen Eindruck der Nagra und ihrer Mitarbeitenden erhalten. Nagra-Mediensprecherin Jutta Lang ergänzt: «Herr Moser hat sich auf eine von zwei Anfang September 2015 öffentlich ausgeschriebene Stellen beworben und dabei den bei uns üblichen Bewerbungsprozess durchlaufen. Dass er Mitglied der Regionalkonferenz Jura Ost ist, war weder ein Auswahl- noch ein Ausschlusskriterium.» Ausschlaggebend sei ein stimmiges Gesamtbild von fachlicher Qualifikation und Persönlichkeit gewesen.

Ob er nun aus der Regionalkonferenz austreten wird, stehe noch nicht fest, so Moser weiter. Die nächste Konferenz finde erst im Juni statt. Da bleibe noch etwas Zeit für den definitiven Entscheid, der durch den Gemeinderat Villigen gefällt werden muss. «Ich gehe heute davon aus, dass ich in der Regionalkonferenz nicht mehr der offizielle Vertreter seitens der Gemeinde Villigen sein werde. Auch ein Austritt steht für mich zur Diskussion», so Moser. Für Ueli Müller, Co-Präsident der Regionalkonferenz Jura Ost, ist der Fall klar: «Wir haben das im Leitungsteam besprochen. Ich persönlich bin der Meinung, dass Moser austreten muss, weil er für die Nagra Partei ergreift.»

Will Gemeinderat treu bleiben

Olivier Moser ist überzeugt, dass die Region Brugg von seinem neuen Engagement bei der Nagra profitieren wird, weil er die diversen Akteure in diesem Prozess kenne und mit den regionalen Verhältnissen vertraut sei. Das sei sicher auch für die Nagra von Interesse. «Meine neue Aufgabe beinhaltet unter anderem das aktive Einbringen der Anliegen der betroffenen Regionen», so der 47-Jährige weiter.

Vizeammann Moser will der Exekutive in der Gemeinde Villigen, der er seit 10 Jahren angehört, trotz Stellenwechsel treu bleiben: «Mit der Sanierung der Ortsdurchfahrt, der Erschliessung des Parks innovAARE und der Planung eines neuen Reservoirs habe ich noch einige wichtige Projekte in Arbeit.»

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