Prix Courage

Vierfacher «Prix Courage» für Angehörige von Demenzkranken

Anita Vogt, Pia Bruno und Verena Kummer. Sandra Moser (links) vertritt ihren Vater Josef Fischer.  MS

Anita Vogt, Pia Bruno und Verena Kummer. Sandra Moser (links) vertritt ihren Vater Josef Fischer. MS

Zu viert stehen sie auf der Bühne des Salzhauses in Brugg. Sie sind weniger ans Rampenlicht und an öffentliche Aufmerksamkeit gewöhnt, als vielmehr an aufwendige Pflege und Betreuung von demenzkranken Angehörigen.

Aber Letzteres hat dazu geführt, dass ihnen dieses Jahr der Fokus-Preis verliehen wurde. Dies vor allem für die Bereitschaft und den Mut, über das oft noch tabuisierte Thema zu reden. Sie haben vorderhand im Radio, am Fernsehen und an Podiumsgesprächen ihre persönlichen Erfahrungen öffentlich preisgegeben.

Zeichen gegen falsches Klischee

Verena Kummer aus Oberentfelden, Pia Bruno aus Reiden, Anita Vogt aus Villnachern und Josef Fischer aus Jonen sind die Geehrten. Mit der Übergabe des Preises, die alljährlich am Welt-Alzheimertag stattfindet, setzt die Alzheimervereinigung Aargau ein Zeichen gegen die falschen Vorstellungen über die Krankheit und gegen die Tatsache, dass Demenz viel zu oft als abwertender Begriff dargestellt wird.

Die Präsidentin Verena Hirt attestierte den Menschen mit Demenz eine reiche Gefühlswelt, schöpferische Fähigkeiten, aber auch Freude, in Gesellschaft zu sein und am Leben teilzuhaben. «Unsere Gesellschaft ist aufgerufen, Orte zu schaffen, wo Menschen mit Demenz oder Alzheimer diese Fähigkeiten leben dürfen. Sie sollte auch Entlastungsangebote finanzieren, damit solche Leute so lange wie möglich zu Hause bleiben können.»

Demenz als zusätzliche Tragik

Diesen Appell unterstrich die Präsidentin mit der Orientierung über ein neues Angebot: Die Alzheimervereinigung will ab Januar 2012 Erkrankten und Angehörigen eine kontinuierliche Betreuung und Beratung während der ganzen Dauer der Krankheit anbieten. Zur Zeit ist man im Vorstand mit der Finanzierung dieses ehrgeizigen Pilotprojektes beschäftigt.

Dieses Jahr gab es einen aussergewöhnlichen Beitrag an der Veranstaltung: Das Publikum erhielt durch eine szenische Lesung Zugang zur Erfahrungswelt einer an Demenz erkrankten Person. In seinem neuen, noch nicht erschienenen Roman mit dem Titel «Jugendfest» schildert der Brugger Schriftsteller Urs Augstburger eine zutiefst berührende Liebes- und Lebensgeschichte, welche durch die Thematik der Demenz eine zusätzliche Tragik erhält. Die Lesung mit dem Autor und Monika Schärer wurde begleitet von einem Live-Trio sowie filmischen Reminiszenzen vom Brugger Jugendfest.

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