Brugg
Vier Tage stand die Brugger Altstadt unter Konfetti-Beschuss

Vier Tage lang stand die Stadt kopf: Kinderfasnacht, Monsterkonzerte und der grosse Umzug am Sonntagnachmittag – eine Collage der Brugger Fasnacht.

Katja Landolt
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Der Schuss sitzt. So schnell kann der Stubenhocker das Fenster gar nicht schliessen - die Ladung Konfetti, die der Waggis von der Strasse hinaufpfeffert, trifft voll ins Schwarze. Doch mal ehrlich: Wenn Fasnacht ist in Brugg, dann hat man in der Stube nichts verloren, dann gehört man auf die Strasse.

Da ziehen schränzend, tanzend und johlend 53 Gruppen durch die Stadt. Von überall her sind die Fasnächtler zusammengekommen, aus dem Fricktal, der Mutschellenregion, sogar aus dem Luzernischen. Sie alle wollen bei einem der späten und letzten Fasnachtsmomente dabei sein; mitten im Getümmel stecken, wenn sich Königin Fasnacht ein letztes Mal aufbäumt.

Murmeli, Parkgeier und Promis

Unter Sujets wie «Rauchverbot», «Zauber zwischen den Welten», «Es isch zum schiisse!!!» oder «De Papst ond sini Kardinäl» marschieren die Cliquen durch die Stadt, in aufwändig gestalteten Kostümen und Wagen. Da purzeln Murmeli die Strasse hinunter («Übernäbelgucker» aus Bellikon), schleichen Parkgeier heran («Malöörchen» aus Brugg) und rocken Gnome und Waldgeister unter einem riesigen Fliegenpilz («Wagenbande» aus Staretschwil), da gibt es live einen «Hoselupf» zu sehen («Hotzewälder» aus Dintikon) - und sogar Prominenz hat es nach Brugg verschlagen: Ogi und Leuenberger traben grinsend hinter Gotthardbohrmaschine «Sissi» her («Heubode-Chnuschti's» aus Mellingen», Papst Benedikt XVI. verteilt Kondome («Amphi-Flitzer» aus Windisch) und Ueli Maurer schwingt die Peitsche («Fasnachtsgesellschaft Variété» aus Sarmenstorf).

Die «Aarefääger» aus Brugg haben wegen Plagiatsverdacht Professor «Dr. Kon und zu Fetti» in Haft genommen, und bei den «Wagewörger» aus Schongau werden die Raucher ins vergitterte Fumoir gesteckt. Dann, nach fast zwei Stunden, ist der Umzug auch schon wieder vorbei - oder wie es die heimischen Altstadt-Rueche-Waggis mit ihrem Motto treffend ausdrücken: «Alles hat ein Ende.» Oder doch nicht? Nein, so schnell lassen sie sich ihre schönste Jahreszeit nicht nehmen. Die Guggen schränzen und die Zuschauer schunkeln weiter - allesamt geniessen sie die Fasnacht bis zur letzten Minute.