Bauer des Jahres

Vier Fragen an die Brugger Kandidaten für «Aargauer Bauer des Jahres»

Im Aargau wird der «Bauer des Jahres» gesucht – vier von den zehn Nominierten sind in der Region Brugg tätig. Die AZ stellte ihnen vier Fragen, in denen es darum geht, warum sie zum Aargauer Bauer des Jahres gewählt werden sollen.

Nach dreijähriger Pause wird im Aargau wieder der/die «Bauer/Bäuerin des Jahres» gesucht. Ausgeschrieben wird der Unternehmerpreis von der Aargauischen Landwirtschaftlichen Kreditkasse (ALK), dem Landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg (LZL) sowie dem Bauernverband Aargau (BVA). Im Rennen stehen zehn Betriebsleiter und Betriebsleiterinnen, die sich durch innovatives und unternehmerisches Handeln auszeichnen. Gleich vier der Nominierten sind im Bezirk Brugg tätig. Und auch die einzige nominierte Frau kommt aus unserer Region: Kräuterfrau Maja Stürmer.

Insgesamt drei Preise werden vergeben: Der Jungunternehmer-Preis, der Preis «Bauer des Jahres» sowie der Publikumspreis. Am 25. November werden die Gewinner bekannt gegeben. Vergeben wird eine Preissumme von insgesamt 20 000 Franken. Jedes einzelne Projekt wurde von einer Jury vor Ort besucht und nach Kriterien wie Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Marktausrichtung beurteilt. Die Jury setzt sich aus Delegierten der drei Trägerorganisationen zusammen. Bis 31. Oktober kann online auf www.landwirtschaft.ag/Voting für den Publikumspreis abgestimmt werden.

Die vier Kandidaten aus Brugg sind:

Maja Stürmer, Kräuterfrau aus Mandach 

Maja Stürmer-Vogt – Aargauer Bauer 2018

Maja Stürmer im Video-Porträt

 

Kräuter sind ihre Leidenschaft. Maja Stürmer stellt verschiedene Kräuterprodukte her und vermarktet diese über ihr hofeigenes Chrüterstübli, im umfangreichen Online-Shop sowie an diversen Märkten. Inzwischen sind 18 ihrer Produkte auch bei Coop unter dem Label ‹Mini Region› erhältlich. An Kursen, Führungen oder Wanderungen gibt Maja Stürmer – die einzige nominierte Frau – ihr umfangreiches Wissen weiter. Sei es an Vereine, Privatpersonen oder Schulen.

Andreas Suter, Obstbauer, Loorhof, Lupfig

Andreas Suter – Aargauer Bauer 2018

Andreas Suter im Video-Porträt.

 

Zurzeit herrscht auf dem Loorhof in Lupfig Hochbetrieb. Noch bis Weihnachten werden die Äpfel vom Hof zu Most verarbeitet. Das Angebot von über 20 Apfel- und Birnensorten wird je nach Saison ergänzt mit Erdbeeren, Spargeln, Kürbissen, Most, Schnaps, Konfitüren und Dörrfrüchte aus eigener Produktion. Der Hofladen wurde auf diesen Herbst hin erneuert und erweitert. Daneben erfolgt die Vermarktung über Volg- und Landi-Läden, an Restaurants sowie in den Grosshandel.

Martin Spillmann Geflügelhof, Villnachern

Martin Spillmann – Aargauer Bauer

Martin Spillmann im Video-Porträt

 

Der Bauer hat vor vier Jahren den viehlosen Nebenerwerbsbetrieb mit bescheidenem Einkommen übernommen. Der ursprüngliche Landmaschinenmechaniker hatte das Ziel vor Augen, von der Landwirtschaft leben zu können. Er beobachtete die Märkte genau und entschied sich für den Einstieg in die Eierproduktion. Heute erwirtschaftet der Geflügelhof mit Freilandhaltung Einkommen für zwei Familien und Spillmann hegt bereits weitere Investitionspläne.

Daniel Vogt, Ackerbau,Scherz

Daniel Vogt — Aargauer Bauer 2018

Daniel Vogt im Video-Porträt.

 

Im Jahr 2005 trennte sich Landwirt Daniel Vogt von den Kühen und stellte den Betrieb ganz auf Ackerbau (vor allem Bohnen, Erbsen, Spinat, Dinkel, Raps und Zuckermais) um. Insgesamt sind 17 Prozent des von ihm bewirtschafteten Lands ökologische Ausgleichsflächen. Als Logistiker versorgt er den Bauernverband in Brugg und die Wohnsiedlung Fehlmannmatte in Windisch mit Holzschnitzeln aus dem Ortsbürgerwald Brugg. Bekannt ist auch sein Weihnachtsbaumverkauf im Dezember.

1. Frage: Warum sind Sie Bauer geworden und was bedeutet Ihnen dieses Leben?

Maja Stürmer: Als sich für mich die Möglichkeit ergab, den elterlichen Hof zu übernehmen, nutzte ich die Chance, meine schon vorher entdeckte Leidenschaft für die Kräuter und die Natur intensiv zu leben. Es bedeutet für mich, jeden Tag mit der Natur wieder kleine Wunder zu entdecken.

Andreas Suter: Ich wurde Bauer, weil es ein sehr vielfältiger Beruf ist. Jedes Jahr bringt wieder neue Herausforderungen, weil das Wetter anders ist oder der Markt wieder andere Ansprüche hat. Mir gefällt, dass ich in der Natur draussen sein und mit Maschinen arbeiten kann. Und ich bin mein eigener Chef, das ist auch schön. Es ist nicht immer einfach, aber ich mag die Herausforderung am Ganzen.

Martin Spillmann: Ich bin überzeugt, dass Bauer einer der schönsten und besten Berufe ist. Die Freiheit, Abwechslung, Selbstständigkeit und Verantwortung bedeuten mir sehr viel. Auch, dass ich direkt zu Hause arbeiten kann, schätze ich sehr.

Daniel Vogt: Ich bin Landwirt geworden, weil es der schönste Beruf ist. Es hat für jeden etwas dabei: für den Naturfreak, für den Maschinenfreak, für den Tierfreak.

2. Frage: Warum sollen gerade Sie Aargauer Bauer des Jahres werden?

Maja Stürmer: Weil ich bereit bin, in der Landwirtschaft neue Wege zu gehen, in dem ich den freiwilligen Gaben der Natur ihren Wert zurückgebe. Keine Pflanze ist unnütz, alles hat seinen Sinn.

Andreas Suter: Wir haben in den fünf Jahren, seit wir den Betrieb in Lupfig übernommen haben, viel aufgebaut, haben uns und unseren Betrieb gut vermarktet. Die Nomination zeigt uns, dass wir viel erreicht haben.

Martin Spillmann: Als ich vor vier Jahren als 26-Jähriger den Betrieb meines Vaters übernommen habe, war es ein Nebenerwerbsbetrieb ohne Tierhaltung. Gleich nach der Übernahme baute ich einen neuen und modernen Stall für 10 000 Freiland-Legehennen, die nach dem IP-Suisse Label gehalten werden. Meine Hennen produzieren 0,5% der Schweizer Konsumeier. Ich widerspiegle die zukunftsorientierte und moderne Landwirtschaft.

Daniel Vogt: Unser Betrieb ist einzigartig und breit aufgestellt mit der Energieproduktion. Das eigene Heim und ein paar weitere Wohnliegenschaften sowie den Volg, den Kindergarten und die ehemalige Gemeindeverwaltung werden mit unserer 300 Kilowatt Holzschnitzelheizung gewärmt. Hier wird Holz vom Ortsbürger- und vom eigenen Wald verbrennt.

3. Frage: Was hebt Sie von den anderen ab?

Maja Stürmer: In feinster Handarbeit verarbeiten wir alle unsere einzigartigen Kräuterprodukte. Wir machen uns das Unkraut nicht zum Feind, sondern zum Freund. Weil ich als Bäuerin/alleinige Betriebsleiterin beweise, dass Landwirtschaft auch anders funktionieren kann.

Andreas Suter: Bei uns ist speziell, dass wir vor fünf Jahren den Betrieb gewechselt haben. Wir haben unseren alten Betrieb verkauft und sind hierher gezogen. Wir haben mit einem kleinen Hoflädeli angefangen und konnten uns innerhalb kurzer Zeit viel aufbauen. Wir haben einen guten Drive, können uns gut vermarkten. Das war eine Herausforderung, weil ich das vorher nicht kannte.

Martin Spillmann: Als sehr junger Unternehmer ging ich ein grosses Risiko ein, das von mir alleine getragen wird. Mein Familienbetrieb, in dem mein Vater als Angestellter arbeitet, produziert täglich ca. 9000 Freilandeier für die Schweizer Bevölkerung. Neben der Tierhaltung wird Acker- und Futterbau betrieben, der sehr ökologisch auf den Betrieb abgestimmt ist.

Daniel Vogt: Energie aus dem Holz aus unseren Wäldern und der Umgebung ist sehr nachhaltig und CO2-neutral.

4. Frage: Was braucht es heutzutage aus Ihrer Sicht, um als Bauer überleben zu können?

Maja Stürmer: Es braucht die Motivation, sich der täglichen Herausforderung zu stellen, die eigene Existenz mit der Natur in Einklang zu bringen. Die Natur beschenkt uns jeden Tag, als wäre Weihnachten. Aus dieser dankbaren Freude heraus zu arbeiten, das wünsche ich mir für die Landwirtschaft. Das funktioniert nur, wenn auch die Zwischenhändler und die Endverbraucher dieser freudigen essenziellen Energie Sorge tragen.

Andreas Suter: Die Landwirtschaftsbetriebe sind so unterschiedlich, dass man das nicht pauschal sagen kann. Kleinere Betriebe mit wenig Land müssen sehr innovativ sein, je nach Lage auf die Direktvermarktung ab Hof setzen und die Nähe zum Kunden suchen. Andere Betriebe können traditionell weiterfahren, wenn sie die Grösse haben, um etwa Milch zu produzieren oder Ackerbau zu betreiben. Wichtig ist, dass es für den Bauern selber stimmt, dass man Freude hat an dem, was man macht.

Martin Spillmann: Ein privates Umfeld, das hinter einem steht und unterstützt, ist für den Erfolg sehr wichtig. Ein Bauer muss unternehmerisch, vielseitig, flexibel und innovativ sein. Die Arbeit im Büro, mit Tieren, Menschen, Maschinen und der Natur muss Spass machen. Damit man aber überleben kann, braucht es vor allem Produzentenpreise, welche die Kosten decken, und Konsumenten, welche die Schweizer Landwirtschaft unterstützen.

Daniel Vogt: Es braucht heute viel Feingefühl für den Markt und das Geschehen drumherum. Eine hohe Fachkompetenz und viele gute Ideen sind vonnöten, um Neues anzupacken. Und manchmal braucht es auch viel Mut, Bestehendes aufzugeben.

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