Nils ist in allen Anklagepunkten schuldig. Er lässt das Urteil – zwölf Monate Strafkolonie 5078 – über sich ergehen. «Ausgerechnet Effingen», schreit Nils durch die ganze Turnhalle. Eigentlich heisst er Jörg Salm und schlüpft im Rahmen des Turnerabends in diese Rolle. Die dunklen Ängste des jungen Mannes werden mit der ersten turnerischen Einlage nicht erhellt: Die grosse Jugi zeigt, was sie kann – nur mit Schwarzlicht-Beleuchtung, welche die neon-farbenen Streifen auf den Turnern zum Leuchten bringt.

Alles ist verschwunden

Nils Ängste bewahrheiten sich bei seiner der Ankunft: «In dieser Kolonie gibt es ausser Häusern, ein paar Menschen und Tieren einfach nichts», sagt er. Weder kann er seinen Hunger stillen, weil es keinen Laden und kein Restaurant mehr gibt im Dorf, noch ein «Fresspäckli» per Post anfordern, weil auch diese wie die Bank verschwunden sind.

«Wir machen uns gerne über uns selbst lustig», sagt Rolf Schwarz, Mitglied des OK-Teams. «In den letzten Jahren ist sehr viel aus Effingen verschwunden, aber trotzdem ist es ein sehr schöner Ort.»

Zurück zu Nils, der sich jetzt im Dorf ein wenig umgesehen hat. Die Damenriege – ganz in schwarz-weiss – hat ihn auf seinem Weg begleitet. Hungrig meldet er sich im Gemeindehaus: Überraschend trifft er dort nach längerem Warten einen Beamten, der ihn in eine WG schickt. Der Turnverein baut zwar nicht die ganze WG nach, dafür aber riesige Pyramiden. Wie in einer Sträflings-WG nicht anders zu erwarten ist, haben Nils’ Mitbewohner nicht unbedingt den besten Einfluss auf ihn und schon bald verführen sie ihn zum Kiffen.

Gefährliche Drogen

Unter dem Einfluss der Droge hat der junge Verbrecher einen Traum, in dem sich zuerst Frauen an Stangen räkeln, aber schnell von leicht bekleideten Herren abgelöst werden. Bei dieser verstörenden Erfahrung alleine bleibt es nicht: Der Männerturnverein tanzt für einmal ganz klein auf der Bühne herum.

Trotz der Drogen ändert sich Nils langsam zum Besseren. So stolpert er in das Training der Damenriege und des Turnvereins. Er hat nicht nur sportliche Ambitionen: Er will einen Job und bekommt sogar ein Vorstellungsgespräch. Währenddem die Frauenriege und die kleine Jugi Sport treiben, bekifft sich Nils und kommt zu spät. Aber in Effingen passieren Wunder und nach grossen Abzügen beim Lohn bekommt er den Job. Aus lauter Freude verirrt er sich im Wald, wo ihm die mystische Damenriege und die grosse Mädchenriege erscheinen. Nur dank einer Joggerin findet er zurück ins Dorf, wo er vielleicht bis heute arbeitet – und kifft.