Brugg

Viele Premieren: Rutenzug und Morgenfeier bei traumhaften Bedingungen

Nach der abgebrochenen Morgenfeier im letzten Jahr haben der Rutenzug und die Morgenfeier bei traumhaften Bedingungen stattgefunden. Trotz viel Tradition gab es dieses Jahr mehrere Premieren – sichtbare und unsichtbare.

Die Stadt Brugg zeigt sich an keinem anderen Tag im Jahr so schön herausgeputzt wie am Jugendfest. Mit dem Velo fahre ich morgens um halb acht über die alte Aarebrücke, am Schwarzen Turm vorbei und habe die sorgfältig geschmückte Altstadt fast für mich alleine – aber nur für einen kurzen Moment. Denn schon bald kommt Leben in die Gassen und ich darf zum ersten Mal – weiss gekleidet und mit Blumenstrauss – am Rutenzug hinter den Brugger Behörden im sogenannten Leid mitlaufen.

Dass dabei nichts dem Zufall überlassen wird, habe ich schon im Vorfeld gemerkt. Einige Teilnehmer sprechen sich früh ab, wer neben wem gehen wird. Ob dann die linke, rechte oder Mitte-Position in einem Wahljahr politisch interpretiert wird, sei mal dahingestellt. Jedenfalls ist die Stimmung beim Warten und Einstehen locker. Es wird viel gelacht.

Hausen ist Gastgemeinde

Kurz nach 9 Uhr reihen sich die geladenen Gäste in den Umzug ein. Es gelingt mir aber nur selten, die mir bekannten Gesichter in den Zuschauerreihen zu erspähen. Dafür staune ich über die vielen Besucher am Strassenrand. Etliche halten den Umzug bei diesem Prachtwetter auf ihrem Handy fest. Eine Gruppe aus Bruggs deutscher Partnerstadt Rottweil macht mit dem Schild «Rottweil grüsst Brugg» auf sich aufmerksam. Um diesen Freudentag nicht zu verpassen, sind sie morgens um 6 Uhr in Deutschland losgefahren, wie ich später erfahre.

Gerne hätten sie auch Schulkinder mitgebracht, was sich aber nicht organisieren liess.
Die meisten Rollstuhlfahrer am Strassenrand halten eine Rose in der Hand. Diese bekamen sie von einem Brugger Einwohnerrat oder einer Einwohnerrätin geschenkt, so will es die Tradition. Von der Gastgemeinde Hausen laufen zwei Schulklassen und vier Gemeinderäte mit.

Böllerschuss weckt Brugger

Um 6 Uhr fiel auf dem Hexenplatz in Brugg der Startschuss für den «Ruetezug» des Jugendfests Brugg. Er gilt als Höhepunkt der «Büscheliwoche».

Glücklich ist – und ich gehöre dazu –, wer sich für die Morgenfeier im Simmengutpark einen Schattenplatz ergattern kann. Daniel Moser begrüsst alle zum letzten Mal in seiner Funktion als Stadtammann. Der Rutenzugchor stimmt nach der Festrede von Verena Rohrer das Lied «It’s a beautiful day» an. Kaum damit fertig, sagt ein Teilnehmer zu seinem Kollegen: «So etwas hätten wir vor vierzig niemals gesungen.» Mein Sitznachbar Ernst Rothenbach sitzt mittlerweile an der Sonne und legt seinen kürzlich erstandenen Touchet-Zylinderhut aus dem Jahr 1921 auf seine Knie.

Während die Jugendmusik das Stück «Gruss an Bern» spielt, ahnt von den Anwesenden kaum jemand, dass just an diesem Morgen der Gesamtbundesrat zu Besuch im Hightech Zentrum Aargau in Brugg ist. Und spätestens, als sich die Festgemeinde erhebt und das Bruggerlied singt, läuft es auch Nicht-Bruggern – Hitze hin oder her – kalt den Rücken hinunter.

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