Brugg
Video mit Gänsehaut-Effekt: Morgendlicher Schwumm in der eiskalten Reuss

Der leidenschaftliche Reuss-Schwimmer Reto Peterhans geht jeden morgen unabhängig von der Jahreszeit in den Fluss. Sein Ritual macht er meistens alleine. Am Mittwoch jedoch nicht, denn er wird von einem az-Praktikanten begleitet.

Nik Dömer
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Die Reuss ist für uns im Windischer Unterdorf ein grosses Privileg. Egal, ob nach einem heissen Sommertag oder am Morgen vor der Arbeit, eine Abkühlung im Fluss gibt den ultimativen Erfrischungskick.

Heute habe ich mich um sechs Uhr früh mit Reto Peterhans zu einem Schwumm verabredet, der dies ähnlich sieht. Nur die Jahreszeit spielt ihm dabei keine Rolle. Egal ob Winter oder Sommer, im Schnitt geht der 49-jährige Reto drei bis fünf Mal pro Woche jeweils gegen sechs Uhr in den Fluss. So auch heute.

«Verflixt nochmal! Was habe ich mir da wieder eingebrockt», denke ich mir, als mein Wecker klingelt. Doch es bleibt kaum Zeit, um mich weiterhin aufzuregen. In knapp zehn Minuten werde ich in der acht Grad kalten Reuss schwimmen, das ist Fakt.

Kurz darauf treffe ich auf der Gebenstorfer-Seite beim «Reussbädli» auf Reto. Auch er ist gerade aufgestanden. Er erklärt mir ermutigend, dass dieses Ritual langsam wieder gemütlicher werde, immerhin sei die Lufttemperatur wieder über null Grad. Recht hat er, denn laut App haben wir immerhin komfortable vier Grad.

Alleine im Fluss

Der Boden ist über Nacht gefroren. Das spüre ich deutlich an den Zehenspitzen. Gut, was heisst hier spüren, von Gefühl kann nach wenigen Minuten aus meiner Sicht nicht mehr die Rede sein.

Das sieht Reto anders: «Beim kältesten Mal war die Reuss so knapp zwei Grad, da lag dann auch Schnee am Boden und die Lufttemperatur war im Minusbereich, da schmerzten die Füsse schon ein bisschen.»

Ich werde neugierig und frage nach, ob das überhaupt noch gesund sei. «Ich war schon lange nicht mehr richtig krank, daher habe ich das Gefühl, dass es mir gut tut.»

Er geniesse die Ruhe und das Gefühl, den Fluss für sich alleine zu haben, ausserdem sei der Kick am Morgen ein grosser Reiz. Es fühle sich so an, als ob man die Bettwärme die Reuss runterlasse, erwähnt Reto schmunzelnd.

Reto Peterhans (rechts) und az-Praktikant Nik Dömer nach der Schwimmrunde am Mittwoch in der Reuss bei acht Grad.

Reto Peterhans (rechts) und az-Praktikant Nik Dömer nach der Schwimmrunde am Mittwoch in der Reuss bei acht Grad.

Nik Dömer

Winter war kein Hindernis mehr

Nur einmal habe er nach seinem morgendlichen Kälte-Schwumm für eine Zeit zwei seiner Finger nicht mehr richtig gespürt, das habe ihn aber nicht davon abgehalten weiterzumachen.

Ursprünglich gehörte Reto zu einer Gruppe aus dem Unterdorf, die vor gut 15 Jahren beschloss, regelmässig am Morgen in die Reuss zu gehen. Man habe dann halt immer weiter gemacht, nach ein paar Jahren war der Winter auch kein Hindernis mehr. Aber je kälter es wurde, desto weniger erschienen zum täglichen Morgenritual.

Bei extremen Verhältnissen waren sie nur noch zu zweit. «Das ist auch heute noch so, nur gehen wir getrennt, da ich mittlerweile umgezogen bin und von der Gebenstorfer Seite einsteige. Ab und zu kommt es vor, dass ich meinen alten Schimmkollegen Toni auf der anderen Seite sehe», so Reto.

Ich habe genug gehört. Nun will ich meinen inneren Schweinehund überwinden. Wir laufen richtig Einstiegsplatz. Ich habe langsam das Gefühl, dass sich die acht Grad im Wasser wärmer anfühlen müssten, als die Aussentemperatur. Reto geht als Erster rein. Ich mache es ihm gleich. Kompromisslos und entschlossen.

Das grösste Problem ist es, die Atmung bei der Kälte ruhig zu halten. Reto macht tatsächlich einen Taucher, das hebe ich mir aber lieber für das nächste Mal auf. Rund drei Minuten später ist es geschafft.

Im Nachhinein kann ich bestätigen, dass die Morgenmüdigkeit tatsächlich dem Fluss runtergespült wird. Das würde man selbst mit zehn Tassen Kaffee nicht hinbekommen. Irgendwie verstehe ich nun Reto’s Leidenschaft. Vielleicht hat er ja mit mir einen neuen Schwimmpartner gefunden.