Remigen
Vertrag unterzeichnet: Eichenwald-Reservat ist im grünen Bereich

Am Waldumgang in Remigen, der dem Thema Naturschutz im Wald gewidmet war, ist auch der Vertrag für ein rund 43 Hektaren grosses Eichenwald-Reservat unterzeichnet worden.

Louis Probst
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Eichenwald-Reservat in Remingen: Vertrag unterzeichnet
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Förster Oliver Frey bei seinen Ausführungen vor einer Eichen-Neuanpflanzung
Förster Oliver Frey informiert im Waldnaturschutzgebiet Chameren
Lichter Föhrenwald dank Beweidung
Naturwaldreservat Chameren

Eichenwald-Reservat in Remingen: Vertrag unterzeichnet

Louis Probst

Wüsste man es nicht besser, man könnte sich irgendwo südlich der Alpen wähnen: Die von Büschen durchsetzte Blockschutthalde im Gebiet Chameren am Geissberg ist schon sehr speziell. Sie ist denn auch zentraler Teil eines Naturwaldreservates. Diesem Reservat gilt am Waldumgang der erste Halt.

Zum Waldumgang, der streckenweise eine Waldfahrt ist, begrüsst Vizeammann Hanspeter Süss neben einem guten halben Hundert Remigerinnen und Remigern sowie Vertretern der Nachbargemeinden auch Alain Morier, Leiter der Abteilung Wald des Kantons, Kreisförster Christoph Märki und Stefanie Burger, Biologin und Mitarbeiterin der Abteilung Wald.

Im Mittelpunkt steht das Thema Naturschutz im Wald. Insbesondere das Naturschutzprogramm Wald des Kantons, das, so Förster Oliver Frey, 20 Jahre alt wird und das sich als Erfolgsgeschichte erweist. «Wir sind beim Naturschutzprogramm Wald gut auf Kurs», stellt jedenfalls Stefanie Burger fest. «Drei Viertel der Ziele sind erreicht. Remigen gehört zu den Spitzenreitern.» Immerhin haben auf rund einem Drittel der 246 Hektaren umfassenden Remiger Waldfläche Ziele des Programmes Vorrang.

Vielfalt auf kleinem Raum

«Das Naturwaldreservat Chameren besteht seit 15 Jahren», erklärt Oliver Frey. «Es umfasst 31 Hektaren und weist einen Reptilienstandort von nationaler Bedeutung auf. Für die Verbesserung des Lebensraums für Reptilien dürfen gewisse Eingriffe vorgenommen werden.» Wie Stefanie Burger sagt, zeigen diese Aufwertungsmassnahmen Erfolg. «Die neueste Untersuchung hat ergeben, dass nicht nur die Zahl der Eidechsen, sondern auch die der Schlingnattern wieder zugenommen hat.»

Nur wenige hundert Meter weiter, im Gebiet Sparberg, bietet sich ein ganz anderes Bild. Der lichte Föhrenwald vermittelt einen geradezu parkähnlichen Eindruck. Es ist dies das Resultat der periodischen Beweidung, mit der vor allem die Orchideenbestände erhalten und gefördert werden.

Eichenstock als Unterlage

Nochmals ein ganz anderer Anblick eröffnet sich den Waldumgängerinnen und -umgängern südwestlich der Bürersteig-Passhöhe am Bützberg, gewissermassen dem Remiger Hausberg. «Das sieht ja aus wie ein Kriegerfriedhof», meint jemand. Tatsächlich leuchten am Hang unzählige helle Plastik-Rohre, welche junge Eichen vor dem Verbiss durch das Wild schützen.

Am Bützberg ist ein knapp 43 Hektaren grosses Gebiet als Eichenwald-Reservat ausgeschieden worden. Ziel ist es, hier die Eiche – «ökologisch einer der wertvollsten Bäume», wie Oliver Frey betont – zu erhalten und zu fördern. Auf einem 150-jährigen Eichenstock unterzeichnen Gemeindeammann Cordula Soland und Alain Morier den Reservats-Vertrag zwischen der Ortsbürgergemeinde Remigen und dem Kanton. «Damit ist das Reservat jetzt im grünen Bereich», freut sich Oliver Frey. Die Unterzeichnung ist aber auch, so Kreisförster Christoph Märki, «ein historischer Moment». Denn mit dem Reservat am Bützberg ist das Ziel des Naturschutzprogrammes Wald, insgesamt 3500 Hektaren Eichenwaldreservate zu schaffen, praktisch erreicht.

Vor der Rückfahrt nach Remigen wagt Alain Morier einen Blick in die Glaskugel. Er kommt dabei zur doch beruhigenden Feststellung, dass es den Aargauer Wald auch in 50 Jahren noch geben wird. «Der Wald könnte die einzige grosse, zusammenhängende Grünfläche sein», meint er aufgrund von Megatrends wie Bevölkerungswachstum und Klimaveränderung. «Wir werden vermutlich auch einen Wald haben, der anders aussieht als heute. Der Wald wird zudem als Natur- und Erholungsraum zusehend an Bedeutung gewinnen. Dabei wird sich die Frage stellen, wer denn den Unterhalt des Waldes bezahlt.«

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