Urteil
Versuchte Erpressung: Zwei einstige Kifferkollegen treffen sich vor Gericht wieder

Das Bezirksgericht Brugg hat einen jungen Schweizer wegen Handels mit Betäubungsmitteln sowie versuchter Erpressung zu einer teilbedingten Geldstrafe verurteilt. Die Geschichte fing mit dem Überfahren eines Rotlichts an.

Louis Probst
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Früher kifften sie zusammen, heute standen zwei Männer vor dem Bezirksgericht Brugg. (Symbolbild)

Früher kifften sie zusammen, heute standen zwei Männer vor dem Bezirksgericht Brugg. (Symbolbild)

Keystone

«Das steht alles im Protokoll – das steht im Protokoll», entgegnete der junge Mann als Auskunftsperson stereotyp auf die Fragen von Gerichtspräsidentin Gabriela Kerkhoven. Mit dem Überfahren eines Rotlichts hatte er das Verfahren ausgelöst.

Die Polizei hatte ihn angehalten und in seinem Wagen rund zwei Kilo Marihuana gefunden. Bei der Einvernahme hatte er angegeben, den Stoff von einem Bekannten gekauft zu haben.

Bei der Hausdurchsuchung bei diesem Bekannten kamen neben einer Indoor-Hanfanlage und diversen Drogenutensilien auch knapp 1,7 Kilo Marihuana zum Vorschein. Der Besitzer der Anlage und des Marihuanas wurde in Untersuchungshaft genommen.

Nach der Entlassung suchte er, zusammen mit einem Bekannten, den «Rotlichtfahrer» auf, um – nach Ansicht der Staatsanwaltschaft – eine noch offene Forderung von 7500 Franken aus dem Drogengeschäft einzutreiben. Durch die Intervention eines Onkels des «Rotlichtfahrers» erschien dann die Polizei auf dem Plan.

«Alles für den Eigenkonsum»

Und so nahm die Geschichte ihren Lauf, und die zwei einstigen Kifferkollegen – O-Ton des einen – trafen sich vor Gericht wieder. Der eine, der «Rotlichtfahrer» mit dem penetranten, gebetsmühlenartigen Verweis aufs Protokoll, als Privatkläger und Auskunftsperson.

Der andere, ein junger Schweizer, als Beschuldigter, dem Handel, Besitz und Konsum von Betäubungsmitteln sowie Erpressung und Drohung vorgeworfen wurden. Mit vor Gericht stand der Begleiter des Beschuldigten. Ihm wurden versuchte Erpressung, Drohung sowie Besitz und Konsum von Betäubungsmitteln vorgeworfen. Die 1,7 Kilo Marihuana, die man bei ihm gefunden hatte, habe er für sich gebraucht, sagte der Beschuldigte. Er sei damals schwer abhängig gewesen.

Zum Vorwurf, drei Kilo Marihuana verkauft zu haben, erklärte er: «Das stimmt nicht.» Zum Vorwurf der Drohung und Erpressung sagte er: «Ich wollte ihn nur zur Rede stellen, weshalb er mich dermassen beschuldigt. Das Ganze ist dann etwas laut geworden. Ich habe aber kein Geld gefordert.»

Die Staatsanwaltschaft forderte für den Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von einem Jahr sowie eine Busse von 300 Franken und für den Begleiter des Beschuldigten eine Freiheitsstrafe von 8 Monaten sowie ebenfalls eine Busse von 300 Franken.

Geld- statt Freiheitsstrafe

Der Verteidiger des Hauptbeschuldigten beantragte Freispruch seines Mandanten vom Vorwurf des Drogenhandels sowie der Erpressung und Drohung. Er wies auf die massive Drogenabhängigkeit seines Mandanten zu jenem Zeitpunkt hin, und er machte geltend, dass die Aussagen des «Rotlichtfahrers» nicht glaubhaft seien, weil der für sich eine möglichst geringe Strafe erreichen wolle.

Der Verteidiger des Mitbeschuldigten beantragte Freispruch und forderte eine Entschädigung von 10000 Franken für die Untersuchungshaft und den Erwerbsausfall seines Mandanten.

Das Gericht hielt jedoch die Aussagen des «Rotlichtfahrers» insgesamt für glaubhafter. Es sprach beide Angeklagten der versuchten Erpressung schuldig. Angesichts der relativ hohen Strafempfindlichkeit sah das Gericht aber von Freiheitsstrafen ab.

Der Hauptbeschuldigte, der auch des Drogenhandels schuldig gesprochen wurde, erhielt eine teilbedingte Geldstrafe von 240 Tagessätzen à 135 Franken und eine Busse von 300 Franken. Der Mittäter wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 180 Tagessätzen à 100 Franken sowie einer Busse von ebenfalls 300 Franken verurteilt.

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