Im Amtsblatt vom 26. Oktober publizierte das Bezirksgericht Brugg einen seiner Entscheide. Das an sich wäre keine Meldung wert, doch der Inhalt des Entscheids ist von aussergewöhnlicher Natur. Der Gegenstand desselben lautet: «Summarisches Verfahren betreffend Aufhebung Verschollenerklärung».

In der Publikation heisst es, Ruedi (Name geändert) sei vom Gerichtspräsidium Brugg im Sommer 2003 als verschollen erklärt worden. Das Gericht stellt fest, dass Ruedi Anfang dieses Sommers in einer Gemeinde im Bezirk verstorben ist. Auch der genaue Todeszeitpunkt ist im Entscheid vermerkt. Die Verschollenerklärung werde somit aufgehoben, heisst es weiter. Das Regionale Zivilstandsamt Brugg werde angewiesen, das Todesregister entsprechend zu berichtigen.

Ungewöhnlich ist in diesem Fall die Tatsache, dass Ruedi im Jahre 2003 durch das Bezirksgericht Brugg als verschollen erklärt wurde, 15 Jahre später aber praktisch am gleichen Ort, wo das Gericht seinen Sitz hat, im Alter von 89 Jahren stirbt. Wie kam es, dass so jemand als verschollen erklärt wurde?

Nur allgemeine Auskünfte möglich

Gerne hätte die AZ diesen Fall aufgeklärt, doch der Gesuchsteller, der die Aufhebung der Verschollenerklärung beim Gericht gefordert hatte, reagierte weder auf Telefonanrufe noch auf einen schriftlichen Kontaktaufnahmeversuch. Aus diesem Grund hat sich diese Zeitung an das Bezirksgericht Brugg gewandt, im Wissen, dass dieses an das Amtsgeheimnis gebunden ist.

Gerichtspräsidentin Chantale Imobersteg stellt auch gleich zu Beginn klar, dass sie nur allgemeine Auskünfte erteilen könne. «Die nachfolgenden Ausführungen beziehen sich somit nicht auf den erwähnten Fall, sondern schildern das Vorgehen im Zusammenhang mit Verschollenerklärungen im Allgemeinen», teilt Imobersteg mit.

Das Gericht könne eine Person auf Gesuch derer, die aus dem Tod dieser Person Rechte ableiten, als verschollen erklären, wenn der Tod einer Person nicht sicher, aber höchst wahrscheinlich sei, weil diese Person in hoher Todesgefahr verschwunden oder seit langem nachrichtenlos abwesend sei, führt Imobersteg aus. «Im ersten Fall kann das Begehren frühestens fünf Jahre seit der letzten Nachricht, im zweiten Fall ein Jahr seit dem Zeitpunkt des wahrscheinlichen Todeseintritts gestellt werden.» Nach Eingang des Gesuchs werde die Öffentlichkeit mittels Publikation aufgefordert, sich binnen einer Frist zu melden, sofern Informationen über die mutmasslich verschollene Person vorhanden seien. «Diese Frist beträgt mindestens ein Jahr. Erst nach erfolglosem Ablauf dieser Frist ist die Verschollenerklärung möglich», so Imobersteg. Sofern der Betroffene innert Frist aufgefunden werde, falle das Gesuch dahin. Werde eine Person für verschollen erklärt, so werde dies im Zivilstandsregister entsprechend eingetragen.

Werde nun eine verschollen erklärte Person nachträglich lebend oder tot aufgefunden, so sei die Verschollenerklärung umzustossen. Dies habe durch das Gericht zu erfolgen. «Damit der Eintrag im Zivilstandsregister nachgetragen werden kann, muss das Gericht also die Verschollenerklärung nachträglich wieder aufheben. Dadurch wird der Weg frei für die Nachbeurkundung weiterer Ereignisse der betroffenen Person, die seit der Verschollenerklärung eingetreten sind, wie Tod, Entstehung eines Kindesverhältnisses, Heirat et cetera», schliesst Gerichtspräsidentin Imobersteg ihre Ausführungen.