Nik Përgjokaj kennt keine Berührungsängste, lässt in seinen Werken die unterschiedlichsten Einflüsse und Techniken aufeinanderprallen – und daraus frische, farbige Bilderwelten entstehen.

Aufmerksam und zuvorkommend, unkompliziert und aufgestellt empfängt der vielseitige Künstler den Besuch in seinem lichtdurchfluteten Atelier in Villigen an diesem Morgen. An den Wänden stehen die grossformatigen Werke – oft Acryl auf Leinwand –, auf der Staffelei befindet sich ein fast fertiges Bild, das einen Koi-Fisch zeigt.

Die Welt der Farben habe ihn schon als Kind fasziniert, seit seiner Jugend beschäftige er sich mit der Kunstmalerei, sagt Përgjokaj. Diese Leidenschaft habe ihn nie losgelassen. «Ich wollte früh wie die alten Meister malen können», fährt der 40-Jährige mit einem sympathischen Lachen fort. Danach habe er entdeckt, dass die moderne Malerei genauso reizvoll sei.

«So experimentierte ich neben Lehren und Beruf immer weiter.» Er habe Verschiedenes ausprobiert: Expressiv, Abstrakt, Realismus, aber auch Street Art und Urban Art.
Mit seinem Talent fiel er auf, konnte regelmässig an Ausstellungen teilnehmen.

Mittlerweile habe er das Spiel mit Pinsel und Farbe gut im Griff, schätzt er, sei seine Kunst ausgereift. «Ich bin bisher immer meiner Neugierde nachgegangen und habe versucht, Kunst, Illustration und Grafik ineinanderfliessen zu lassen», fasst Përgjokaj zusammen, der als Grafiker und Illustrator mit einem Teilzeitpensum für die Stadt Zürich arbeitet.

Der Alltag liefert ihm Ideen

Es sei, antwortet er auf die Frage nach seinem Stil, zeitgenössische Kunst, also Contemporary Art. Eine Definition sei allerdings nicht ganz einfach, da – obwohl es sich in erster Linie um Kunstmalerei handle – ganz Verschiedenes zusammenkomme.

Inspiration findet er beim Spaziergang, wenn er mit seinen Kindern am Teich seines Nachbars vorbeikommt, genauso wie am Strand, wenn er seinem Sohn – «in völliger Zufriedenheit» – beim Spielen zuschaut.

Oder aber wenn er die Vögel beobachtet im Frühling oder die Gorillas im Zoo. «Meine Bilder entstehen aus dem Alltag und aus bestimmten Lebenssituationen, manchmal auch aus meiner Fantasie oder aus purem Zufall, haben also oft mit Intuition zu tun.»

Von den Fähigkeiten des Brugger Künstlers überzeugen können sich die Besucher ab Freitag, 6. April, in der Rehaklinik aarReha in Schinznach-Bad, wo seine Werke bis Ende September zu sehen sein werden. «Die Illusion des Seins», lautet der Titel. Die Ausstellung, erklärt der Künstler, widme sich der freien Gedankenwelt und – vor allem – auch der Halbtraumwelt während der Malerei.

Es gehe um die tiefen Einblicke ins Unterbewusstsein, um eine Welt, wie sie jeder für sich aufbauen und individuell gestalten könne. «So wie der Künstler ein Bild nach seinen Vorstellungen malt», führt Nik Përgjokaj aus. «Es könnte nämlich auch alles ganz anders sein.» Vieles sei ironisch zu verstehen, ergänzt er mit einem spitzbübischen Lachen. «Und doch beinhalten die Bilder eine symbolische Botschaft.»

25 bis 30 Werke wird er ausstellen. Etwa die Hälfte habe er neu gemalt, die anderen seien in den letzten Jahren entstanden. Manchmal arbeitet er spät in der Nacht, manchmal früh am Morgen, manchmal ist ein Werk nach wenigen Stunden fertig – «und man fragt sich später, wie das passiert ist» – , manchmal feilt er tagelang an den Details.

Aktuell gehe seine Malerei wieder mehr ins Gegenständliche, er sei immer weiter weggekommen von der Abstraktion, fügt er an. «Die letzten Jahre zieht es mich zu meinen Anfängen zurück.»

Er will weiter experimentieren

Përgjokaj freut sich auf die Reaktionen der Ausstellungsbesucher, auf den Austausch, darauf, dass der befreundete Schriftsteller Jannis Zinniker an der Vernissage ein paar Worte an die Gäste richten wird. Selbstverständlich hofft der Künstler, dass möglichst viele ihre Freude haben an seinen Bildern, dass es zwischen Betrachter und Kunstwerk funkt, eine Magie entsteht.

Und ebenfalls ist er – natürlich – zuversichtlich, dass das eine oder andere Werk seinen Käufer finden wird. Schliesslich investiere er nicht nur viel Zeit, sondern verwende auch teures Material, gibt er zu bedenken. 10 Prozent des Erlöses gehen übrigens an einen wohltätigen Zweck, konkret: an die Caritas. In seinem Geburtsland Kosovo habe er das Engagement dieses Hilfswerks kennen und schätzen gelernt, erzählt er.

«Es wird wertvolle Arbeit geleistet.»

Die Vorfreude vor der Vernissage jedenfalls ist gross. Das meiste sei bereit, sagt Nik Përgjokaj. «Es fehlt nicht mehr viel.» Und was kommt in Zukunft?

Er möchte weiterhin viele Bilder malen, antwortet er. Ebenfalls hofft er, für kommende Ausstellungen Kontakte knüpfen zu können zu grösseren Galerien.

Fest stehe, versichert er, dass er nicht aufhören werde, die Kunstmalerei mit Pinsel und Farbe weiterhin auszuführen. «Manchmal aber beherrschen Pinsel und Farbe mich», stellt er fest. «Diese besonderen Momente sind für mich magisch.»

Vernissage «Die Illusion des Seins» Freitag, 6. April, 18.30 Uhr, aarReha, Schinznach-Bad; Ausstellung bis 30. September.