Brugg-Windisch

Verkehrskonzept Oase: Der Anschluss Industrie stösst auf Kritik

Das Verkehrskonzept Oase stösst im Raum Brugg-Windisch auf Kritik.

Das Verkehrskonzept Oase stösst im Raum Brugg-Windisch auf Kritik.

Die Fachleute des Kantons haben zum Regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau – kurz: Oase – in Hausen informiert.

Das Regionale Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase) beschäftigt und bewegt – und führt auch zu kritischen Fragen. Solche sind an einer Informationsveranstaltung am Montagabend in Hausen beantwortet worden von den Fachleuten des Kantons: Stephan Attiger, Regierungsrat; Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung; Frank Rüede, Projektleiter Oase.

Sie erklärten einer stattlichen Schar Interessierter in der Mehrzweckhalle, wie die Zentren Brugg/Windisch und Baden vom Verkehr entlastet, das untere Aaretal besser an das Nationalstrassennetz angebunden werden soll. Der Ostaargau, betonte Stephan Attiger, sei eine sehr dynamische, attraktive Region, die weiter wachse.

Bis 2040 wird die Zahl der Einwohner und Arbeitsplätze, so die Prognosen, um rund 30 Prozent steigen. «Das Zentrum von Brugg/Windisch kann diesen Verkehr nicht bewältigen, Staus und Beeinträchtigungen dauern immer länger», lautete sein Fazit. Schon heute, fügte er an, seien an gewissen Stellen – Stichwort Kreuzung Neumarkt – täglich gegen 30 000 Fahrzeuge unterwegs auf den Strassen.

Übersicht Varianten (mit aktueller Variante K2 für den Richtplaneintrag Festsetzung in blauer Farbe dargestellt).

Blau dargestellt ist die aktuelle Variante der Zentrumsentlastung für den Richtplaneintrag – samt Tunnel unter der Aare.

Übersicht Varianten (mit aktueller Variante K2 für den Richtplaneintrag Festsetzung in blauer Farbe dargestellt).

Die Zentrumsentlastung ist ein Kernelement

Die Verkehrsteilnehmer hätten den Anspruch, möglichst schnell von einem Ort zum anderen zu gelangen, stellte Carlo Degelo fest. Es müsse deshalb ein Verkehrssystem zur Verfügung gestellt werden, das funktioniere. Als Schlüsselmassnahmen bezeichnete er den Ausbau und die Förderung von Bahn und Bus sowie Veloverkehr.

Er sprach von einer Gesamtbetrachtung. Ein Kernelement sei weiter die Umfahrung Brugg/Windisch für den Durchgangsverkehr – eine neue Achse vom Kreisel Lauffohr an der Zurzacherstrasse durch das Aufeld bis zur künftigen Südwestumfahrung, samt einem rund 1600 Meter langen Tunnel, der die Aare unterquert.

Diese Zentrumsentlastung Brugg/ Windisch sei – trotz Untertunnelung – ein einschneidender Eingriff in die wertvollen Natur- und Naherholungsgebiete des Wasserschlosses, sagte Barbara Horlacher, Stadtammann in Brugg und Vizepräsidentin des Planungsverbands Brugg Regio. Aber die Umfahrung schaffe im Zentrum Raum für eine Aufwertung, für den Ausbau eines attraktiven öV- und Veloangebots.

Aus heutiger Sicht sei sie überzeugt, dass dieses Konzept ein richtiger und wichtiger Schritt sei, die kommenden Mobilitätsbedürfnisse im Ostaargau bewältigen zu können. Jeder Einzelne aber sei gefordert, merkte sie an, sich kritisch mit dem eigenen Mobilitätsverhalten auseinanderzusetzen.

Der Oase-Prozess – bei dem die Anliegen der Gemeinden gehört und in der Planung aufgenommen wurden – sei auf eine ganzheitliche Lösung ausgerichtet, fuhr sie fort. Berücksichtigt seien die verschiedenen Räume – Brugg, Baden, unteres Aaretal – sowie die verschiedenen Verkehrsträger.

Stark befahrene Strasse führt mitten durch Entwicklungsgebiet

Der Abschnitt Süd dieser Umfahrung stiess allerdings auf Ablehnung bei vielen Anwesenden. Denn ab dem Bereich der Kabelwerke Brugg, wo ein Betriebsanschluss Industrie vorgesehen ist, verläuft die Strasse oberirdisch. Mehrere Interessierte erkundigten sich danach, wie viel Sinn ein solcher Betriebsanschluss macht, warum der Tunnel nicht bis zum Anschluss an die Südwestumfahrung verlängert werden kann.

Eine stark befahrene Strasse werde erstellt an zentralster Lage mitten in einem Entwicklungsgebiet. «Ich begreife nicht, warum der Kanton die Strasse nicht unter den Boden legen will», konstatierte ein Anwesender aus dem Windischer Quartier Reutenen. Das Gebiet werde abgewertet, die Wohnqualität leide.

Die Vertreter des Kantons betonten, dass es sich derzeit – mit der nun laufenden öffentlichen Anhörung zur Richtplananpassung – erst um die grundlegende Linienführung handle, noch kein konkretes Vorprojekt vorliege. Regierungsrat Attiger versprach aber, die Situation rund um die Kabelwerke noch einmal anzuschauen und abzuklären, ob eine Verlängerung des Tunnels möglich wäre.

Zum Betriebsanschluss Industrie hätten Gespräche stattgefunden zwischen der Gemeinde, den Kabelwerken und dem Kanton, ergänzte die im Publikum anwesende Heidi Ammon, Gemeindepräsidentin in Windisch. «Die Verhandlungen laufen.» Sie sei guten Mutes, dass ein befriedigendes Resultat gefunden werden könne.

Weitere Fragen tauchten etwa auf zu den Auswirkungen der geplanten Umfahrung auf die Natur und das Grundwasser sowie zur Finanzierung. Alles in allem investiert werden in das Regionale Gesamtverkehrskonzept Ostaargau gegen 1 Milliarde Franken.

Die wesentlichen Elemente würden vom Kanton finanziert, führte Regierungsrat Attiger aus. Er ermunterte die Anwesenden, sich an der öffentlichen Anhörung zu beteiligen und bis 17. Januar 2020 die Gelegenheit zu nutzen, sich aktiv einzubringen.

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Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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