Das Ziel ist klar: Das Zentrum Brugg/Windisch soll vom Verkehr entlastet, der Fuss- und Radverkehr gefördert, der öffentliche Verkehr gestärkt werden. Mit dem Projekt «Ostaargauer Strassenentwicklung» – kurz «Oase» – zeigt der Kanton auf, wie die Regionen Baden, Brugg und Unteres Aaretal die Verkehrsprobleme in den Griff bekommen und wie den Engpässen begegnet werden kann.

«Wunschlösungen sind nicht immer Bestlösungen»: Daniel Moser, Präsident Planungsverband Brugg Regio, mit der Brugger Sicht auf das Verkehrsprojekt.

«Wunschlösungen sind nicht immer Bestlösungen»: Daniel Moser, Präsident Planungsverband Brugg Regio, mit der Brugger Sicht auf das Verkehrsprojekt.

Für Brugg stehen zwei sogenannte Bestvarianten zur Diskussion, die an einer Medienorientierung präsentiert worden sind (az vom 12. Dezember): die Nordumfahrung Windisch mit einer Spange Aufeld für schätzungsweise rund 152 Mio. Franken – vom Kreisel in Lauffohr bis an die Aarauerstrasse – sowie die Südostumfahrung Windisch mit einer neuen Aarequerung für voraussichtlich rund 351 Mio. Franken – von der Zurzacherstrasse bis zum Autobahnzubringer.

Mit beiden Lösungen könne eine Entlastung «am richtigen Ort» erreicht werden, ist der Kanton überzeugt. Die Nordumfahrung Windisch wird überdies – wegen der vergleichsweise tiefen Kosten – in der Kosten-Nutzen-Analyse als «unschlagbar» bezeichnet.

Möglichst wenig Schaden

Für die Region Brugg seien die Bestvarianten allerdings nicht unbedingt die Wunschvarianten, sagt Daniel Moser, Präsident des Planungsverbands Brugg Regio. «Unsere Wunschvariante wäre eine schnelle, zuverlässige und hauptsächlich unterirdische Verbindung zwischen Station-Siggenthal und Seebli-Knoten im Eigenamt, die den Schaden in der Landschaft möglichst minimiert», hält er fest.

«Raum schaffen für den Fuss- und Radverkehr»: Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung beim Kanton.

«Raum schaffen für den Fuss- und Radverkehr»: Carlo Degelo, Leiter Sektion Verkehrsplanung beim Kanton.

Zu Beginn des Prozesses habe ihm eine grosszügige Lösung vorgeschwebt – mit den entsprechen Kostenfolgen wohlverstanden. «Bei solchen Ideen kommt allerdings sofort Widerstand.» Die Planung, fährt Moser fort, sei ausgerichtet auf das Jahr 2040. «Deshalb muss etwas Sinnvolles realisiert werden, das den möglichst kleinsten Einfluss auf den Lebensraum hat, der heute schon beengt ist.»

In Anbetracht der vorhandenen Mittel seien die beiden vorliegenden Varianten nachvollziehbar, räumt der Planungsverbandspräsident ein. Als grosser Knackpunkt bezeichnet er die Querung Aufeld.

«Diese Situation muss man vertieft anschauen, damit dieser schöne und intensiv genutzte Lebensraum am wenigsten beeinträchtigt wird.» Die Schwierigkeit, macht er sich keine Illusionen, bestehe darin, dass die Möglichkeiten eingeschränkt sind: «Das Wasserschloss ist unantastbar. Entweder führen die Varianten links oder rechts daran vorbei.»

«Die Erreichbarkeit ist ein wichtiges Gut»: Regierungsrat Attiger über die Grundgedanken hinter dem Verkehrsprojekt «Oase».

«Die Erreichbarkeit ist ein wichtiges Gut»: Regierungsrat Attiger über die Grundgedanken hinter dem Verkehrsprojekt «Oase».

Ein weiterer Schnitt zwischen Windisch und Brugg – zusätzlich zur Bahnlinie – sei am Anfang unvorstellbar gewesen, fügt Moser an. «Es ergeben sich aber auch neue Chancen, beispielsweise bei der Erschliessung der Kabelwerke und des ganzen Gebiets.»

Flughöhe ist noch hoch

Als positiv bewertet Moser das bisherige «faire» Vorgehen mit dem frühen Einbezug der Planungsverbände, den regelmässigen Informationen und Workshops. Froh ist er darüber, dass die Spielregeln während des Prozesses nicht geändert wurden. «Die Betroffenheit, die Ausgangslage, die Erwartungshaltungen sind überall sehr unterschiedlich und es gibt viele individuelle Probleme.

Jeder Vorschlag hat wiederum Einfluss auf die anderen Regionen», führt er aus. «Die Eigeninteressen konnten aber beiseitegestellt werden und das Vorhaben wird miteinander getragen. Wir wissen, wo wir stehen, in welche Richtung es gehen kann und wie der Kostenrahmen aussieht.» Noch sei die Flughöhe sehr hoch, betont der Planungsverbandspräsident. «Noch geht es nicht um den eigenen Gartenhag.»

Aber mit der Definition des Gebiets seien gewisse Leute betroffen. «Darum ist es wichtig, zusammen mit dem Kanton die für die Region optimalste Lösung zu finden.» Optimal, fügt er an, wäre selbstverständlich, wenn der Verkehr nicht zunähme. «Aber die Probleme bestehen und es wird ein Bauwerk brauchen. Dieses muss den grössten Nutzen haben und tatsächlich eine Erleichterung bringen.»

In einer nächsten Etappe sollen die vorliegenden Varianten als Zwischenergebnis in den Richtplan aufgenommen werden. In einem zweiten Schritt, so ist vorgesehen, wird eine Variante pro Raum im Richtplan festgesetzt.