Brugg
«Verkauf halte ich für einen Fehler» – Unmut in Brugg nach Trennung von Brunnenmühle

Dass sich Brugg von der Brunnenmühle trennt und diese für zwei Millionen veräussert, hat für Unmut gesorgt – jetzt nehmen Käuferschaft und Petitionär Stellung.

Claudia Meier
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Käufer zahlten 2 Mio. Franken für Brunnenmühle.

Käufer zahlten 2 Mio. Franken für Brunnenmühle.

mhu (31. Mai 2019

Noch in der letzten Amtsperiode hatte der Stadtrat beschlossen, das sich im Finanzvermögen der Einwohnergemeinde Brugg befindende Brunnenmühle-Ensemble zu veräussern. «Mit der Familie Schwegler konnte eine geeignete Käuferschaft gefunden werden», teilte nun der Stadtrat vor wenigen Tagen mit (die AZ berichtete). Zum vorgesehenen Preis von 2 Millionen Franken wurde die Brunnenmühle nach Zustimmung der ­Finanzkommission verkauft.

Käuferin sieht in der Mühle Potenzial

Die neue Eigentümerschaft habe sich verpflichtet, das denkmalgeschützte Objekt langfristig zu unterhalten. «Der Erhalt, der Betrieb, der Unterhalt und die Erneuerung der Mühlräder sind langfristig mittels Grundlast und Personalservitut sichergestellt», teilte die Exekutive weiter mit. Der Stadt Brugg wurde im Falle eines Wiederverkaufs der Liegenschaft ein Vorkaufsrecht eingeräumt.

Die Zürcher Käuferschaft besteht aus drei Geschwistern und deren Mutter. «Wir sind begeistert von der wunderschönen Lage der geschichtsträchtigen Brunnenmühle direkt an der Aare», sagt Cäcilia Schwegler. Die 34-jährige Unternehmerin sieht in der Mühle durchaus Potenzial. Zusammen mit zwei Brüdern und der Mutter, die ebenfalls Unternehmerin ist, hat die Familie mehrere Visionen und Ideen entwickelt, wie man die Brunnenmühle und die benachbarte Scheune künftig nutzen könnte.

Der Handlungsbedarf bei der Scheune ist gross

Details kann Cäcilia Schwegler noch nicht verraten, weil zuerst mit der Denkmalpflege geklärt werden muss, was möglich ist. «Wir tragen eine grosse Verantwortung», hält die Zürcherin fest. Sie hat Verständnis dafür, dass die Brugger Bevölkerung wissen möchte, wie es mit der Brunnenmühle weitergeht.

Der Fokus liege jetzt auf dem Erhalt des denkmalgeschützten Ensembles. Besonders gross sei der Handlungsbedarf bei der Scheune. Von den sieben Wohnungen sind derzeit zwei unbewohnt, weil sie sanierungsbedürftig sind. Die fünf Mietverhältnisse sollen laut Cäcilia Schwegler bestehen bleiben. Sobald feststeht, welche Vision sich realisieren lässt, werden Schweglers über die geplanten Projekte informieren. Bezüge zur Region Brugg hat die Käuferschaft einerseits über Cäcilia Schweglers 26-jährigen Bruder, der an der Fachhochschule Brugg-Windisch studiert, und andererseits über eine Urgrossmutter aus Windisch sowie einen Urgrossvater, der in Brugg aufwuchs. Schweglers 32-jähriger Bruder ist Ökonom und Jurist. Er arbeitet als Lehrer.

Einwohnerrat erwartet vom Stadtrat mehr Informationen

Dass die Stadt die Brunnenmühle verkaufen wollte, erfuhren die meisten Lokalpolitiker im Frühjahr 2019 aus der Presse. SP-Einwohnerrat Reto Bertschi lancierte daraufhin eine Petition, was den Stadtrat aber nicht vom Verkaufsplan abbringen liess.

Auf Nachfrage sagt Bertschi nun: «Den Verkauf der Brunnenmühle halte ich immer noch für einen Fehler. Die Stadt sollte ihr Tafelsilber nicht unnötig veräussern.» Bis heute kenne man die Immobilienstrategie nicht. Am Finanzdruck könne es wohl nicht liegen. Das Nettovermögen der Einwohnergemeinde Brugg betrug Ende 2019 knapp 90 Mio. Franken. Vom Stadtrat erwartet Bertschi künftig eine offensive Informationspolitik.

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