Bezirksgericht Brugg

Verfahren sistiert: Stand der Angeklagte vor dem falschen Bezirksgericht?

Der Angeklagte übersah auf der Autobahn das Warnsignal eines zivilen Polizeiautos, das einen Töfffahrer verfolgte. (Symbolbild)

Der Angeklagte übersah auf der Autobahn das Warnsignal eines zivilen Polizeiautos, das einen Töfffahrer verfolgte. (Symbolbild)

Weil er einem Polizeifahrzeug auf der A3 nicht Platz gemacht hatte, stand ein Autofahrer vor dem Bezirksgericht – möglicherweise vor dem falschen. Da Hornussen nicht im Bezirk Brugg liegt, soll laut Bezirksgericht Brugg der Fall neu beurteilt werden.

«Ich habe Einsprache erhoben, weil ich der Meinung bin, dass ich nicht anders hätte handeln können», erklärte der Beschuldigte vor Bezirksgericht. «Ich kann diese Anklage nicht auf mir sitzen lassen.» Vorgeworfen wurde dem gut sechzig Jahre alten Religionslehrer aus Zürich «mangelnde Aufmerksamkeit im Strassenverkehr, Nichtfreigabe des Überholstreifens trotz sich ankündigendem Fahrzeug sowie Nichtfreigabe der Strasse gegenüber einem Fahrzeug mit besonderen Warnsignalen». Dafür war er mit einer Busse von 300 Franken belegt worden.

«Töff fiel negativ auf»

Zugrunde lag der Busse ein Vorfall, zu dem es auf der Autobahn A3, auf der Höhe von Hornussen, gekommen war. Der Beschuldigte war mit seinem «Büssli» auf der Überholspur Richtung Basel gefahren, hinter ihm ein Personenwagen und dahinter ein ziviles Polizeiauto mit eingeschaltetem Horn und blinkenden Warnlichtern.

In der Einzelrichterverhandlung vor Bezirksgerichtspräsidentin Franziska Roth erklärte die Kantonspolizistin, die das Streifenauto gelenkt hatte, als Zeugin, dass ein Motorrad kurz nach Effingen «negativ aufgefallen» sei. Der zweite Beamte aus dem Streifenfahrzeug sagte, dass der Töfffahrer zweimal rechts überholt habe. «Unmittelbar nach dem ersten Rechtsüberholen haben wir die Warnvorrichtungen eingeschaltet. Der erste Personenwagen machte Platz. Das zweite Auto (dasjenige des Angeklagten, Red.) gab den Überholstreifen nicht frei. Wir folgten, mit Blaulicht und Horn, diesem Wagen über rund 900 Meter, bis das Motorrad die Autobahn bei Frick verliess.»

«Hoch erschreckend»

«Ich habe den Töfffahrer wahrgenommen», erklärte der Beschuldigte. «Er ist bei einer Geschwindigkeit von 120 aufgestanden und hat gestikuliert. Ich dachte: Jetzt liegt er auf der Strasse. Jetzt muss ich parat sein. Ich habe meine ganze Konzentration aufs Ausweichen gerichtet. Da ging es ums Leben eines Menschen. Die Situation war hoch erschreckend. Alles spielte sich innerhalb von Sekunden ab. Ich musste den Töfffahrer im Auge behalten. Ich habe nicht nach hinten geschaut, weil ich meinen Blick nicht ablenken durfte. Als ich mich nicht mehr auf den Töff konzentrierte, habe ich die Warnsignale gehört.» Es sei seinem Mandanten darum gegangen, einen Unfall zu verhindern, betonte der Verteidiger. «Er befürchtete den Sturz des Töfffahrers, der in schockierender Weise fuhr. Weil sich mein Mandant auf den Töfffahrer konzentrierte, bemerkte er das Polizeifahrzeug hinter ihm nicht.»

Zuständigkeit wird neu beurteilt

Der Verteidiger verwies zudem auf das Video aus dem Polizeifahrzeug, aus dem hervorgehe, dass sein Mandant gar nicht hätte ausweichen können, weil die Normalspur belegt gewesen sei. «Mein Mandant fuhr nicht unbegründet auf der Überholspur», machte der Verteidiger geltend. «Er hätte ohne verkehrswidriges Verhalten die Spur nicht wechseln können.» Der Verteidiger beantragte Freispruch von Schuld und Strafe.

Ein Urteil wurde jedoch nicht gefällt. «Das Verfahren wird vorläufig sistiert», erklärte die Bezirksgerichtspräsidentin. «Hornussen liegt nicht im Bezirk Brugg. Die Staatsanwaltschaft muss die örtliche Zuständigkeit beurteilen.»

Meistgesehen

Artboard 1