Marode Fassaden, alte Gebäude: Äusserlich kann jeder sehen, dass die meisten Windischer Schulhäuser in einem schlechten Zustand sind. Bestes Beispiel dafür: das Schulhaus Dohlenzelg. Doch auch energetisch und pädagogisch stimmen die Bauten mit den heutigen Ansprüchen nicht mehr überein. Es fehlen Gruppenräume, Besprechungsräume, Lehrerarbeitsplätze, Nebenräume und Platz für Tagesstrukturen (wie Mittagstisch und Randstundenbetreuung).

Das zeigen erste Analysen der Begleitgruppe Schulraumplanung, bestehend aus Rosi Magon (Vizeammann, Vorsitz), Max Gasser (Gemeinderat Ressort Hochbau), Ursula Fehlmann (Vizepräsidentin Schulpflege), Martin De Boni (Gesamtschulleiter), Thomas Fritschy (Abteilung Planung und Bau), Roland Schneider (Leiter Abteilung Planung und Bau).

Kreditentscheid steht bevor

Ein Jahr lang lief die Bestandesaufnahme aller Schulgebäude. Jedes einzelne Gebäude wurde nach verschiedenen Kriterien dokumentiert. Der Gemeinderat hat sich nun, gestützt auf die Empfehlungen der Begleitgruppe, entschieden, die drei Schulstandorte Rütenen, Chapf-Dohlenzelg und Dorf beizubehalten und zu stärken. An allen Standorten soll mindestens das Angebot Primarschule, Kindergarten und Tagesstrukturen bereitgestellt werden.

Erste Priorität bezüglich Neugestaltung geniesst das Schulareal Chapf-Dohlenzelg, zweite Priorität das Schulhaus Dorf und dritte das Schulhaus Rütenen. In einem ersten Schritt haben sich die Verantwortlichen auf das Raumplanerische konzentriert. Erst jetzt soll die Finanzierung in einem zweiten Schritt genauer angeschaut werden. Rund 46 Millionen Franken +/-35 Prozent braucht es für die angedachte Realisierung der Schulraumplanung. Hier dürfte auch die städtebauliche Entwicklungsstudie zum Areal Chapf-Dohlenzelg Klarheit bringen. Der Verpflichtungskredit über 120 000 Franken kommt an der Einwohnerratssitzung vom 15. oder 22. Juni zur Abstimmung.

Schülerzahl steigt nur geringfügig

Zurück zur Analyse der Begleitgruppe. Das Ziel der Gruppe war, den zukünftigen Raumbedarf zu ermitteln, eine Gesamtübersicht zum baulichen Zustand und den Raum- und Nutzungsansprüchen bevor Sanierungen und Erweiterungen ausgelöst werden zu erstellen sowie die Standorte und deren Sanierung/Ersatz/Erweiterung der bestehenden Anlagen zu prüfen.

Die Schulraumplanung hat ergeben, dass die Schülerzahl nur geringfügig steigen wird. Das Problem: Die Schulanlagen weisen zwar genug Klassenzimmer auf, jedoch nicht immer am gewünschten Schulstandort. Zudem fehlen, wie eingangs erwähnt, gewisse Räume. «Wie die Pädagogik in der Zukunft genau aussieht, können wir nicht sagen», erklärt Gesamtschulleiter Martin De Boni. «Aber wir wissen, dass sie vielseitiger sein wird als früher und heute.» Darum brauche es Räume, die flexibel und multifunktional sind. Er ergänzt: «Das Schulhaus ist ein Arbeitsplatz, in erster Linie für Kinder.» Das Schulhaus Dohlenzelg entspreche den heutigen pädagogischen Ansprüchen nicht mehr. «Das Schulhaus hat den Charakter eines Kaninchenstalls.» Zudem dürfe man nicht vergessen, dass der Schulraum vermehrt auch als Lebensraum genutzt werde und die Betreuung, also die Tagesstrukturen, einen höheren Stellenwert hat.

Gemeindeammann Heidi Ammon will sich nicht weiter zur Finanzierung äussern. «Es ist klar, dass dies noch ein Thema werden wird», sagt sie. Aber: «Wir möchten in unserer Gemeinde familiengerechtes Wohnen ermöglichen. Ein wichtiger Teil davon ist die Schulraumplanung. Und Lebensqualität hat nun mal ihren Preis.» Wie die Neugestaltung der Schulräume mit den knappen Ressourcen der Gemeinde Windisch finanziert werden kann, wird in den nächsten Monaten in Workshops mit den Parteispitzen und Finanzkommissionen beraten werden. Die Realisierung der Schulraumplanung dürfte frühestens ab 2020 erfolgen.