«Die Schweiz wird jeden Tag in unseren Herzen neu erfunden, solange wir daran glauben.» Diese Feststellung zog Oskar Freysinger als Fazit seines auf hochdeutsch gehaltenen Referates. Er und Anwalt Valentin Landmann waren die Hauptredner am Raclette-Abend der SVP Birr.

«Dies ist auf den Tag genau der 18. Raclette-Abend», begrüsste Ortsparteipräsidentin und Grossrätin Doris Iten die über 120 Gäste in der Werkhalle an der Lättenstrasse in Birr. Sie waren gekommen, um ihre Solidarität mit der Partei zu bekunden, nationale, kantonale und lokale Parteiprominenz zu treffen und die beiden Hauptredner des Abends zu hören. Für Iten ist der Erfolg der Raclette-Abende: «Ein Beweis für die Bodenständigkeit der SVP Ortspartei Birr.» Musikalisch umrahmt wurde der Anlass von Musiker Enzo aus Gretzenbach. Das politische Credo waren die Selbstbestimmungsinitiative und die Verträge mit der EU.

Direkte Demokratie in Gefahr

Als Erster trat Kantonalpräsident und Nationalrat Thomas Burgherr ans Rednerpult. Er kam direkt von der Session in Bern nach Birr: «Ich bin gerne gekommen, weil es hier liebe, gute und normale Leute hat.» Dann ging er auf die aktuelle eidgenössische Steuervorlage ein: «Die SVP lehnt sie grossmehrheitlich ab.» Zu den bevorstehenden Wahlen, so 2019 im Aargau, forderte Burgherr: «Es braucht mehr SVP.»

Mit den Worten «es gibt keinen besseren Anwalt», kündigte Doris Iten Valentin Landmann an. «In allem, was ich mache, setze ich mich für die Grundwerte ein», betonte dieser und ergänzte: «Die SVP ist die Partei, die Sie am besten vertritt.» Die rechtliche Sicht und die Folge von Vertrags- und Gerichtsentscheiden dominierten seinen Vortrag. Er sieht durch die anstehenden Verträge mit der EU die direkte Demokratie in Gefahr. Die Staatsverträge würden dabei noch mehr über die Schweizerische Verfassung gesetzt.

Eigenständigkeit bewahren

So warnte er vor der automatischen Übernahme von EU-Recht für die Schweiz. «Das machen nicht einmal EU-Länder. In Deutschland braucht es einen Parlamentsentscheid dafür.» Die EU setze Regeln für alle Länder, das ist, gemäss Landmann, nicht generell schlecht. Doch die Schweiz blühe nicht wegen Gleichmacherei, sondern dank ihrer massgeschneiderten Rechtsordnung. «Wir müssen wieder lernen, die Eigenständigkeit zu bewahren», sagte Landmann.

Um die Frage «Wer hat die Schweiz erfunden?» drehte sich das Referat von Oskar Freysinger, dem ehemaligen Nationalrat und Walliser Staatsrat. Er bot dafür verschiedene humoristische, sarkastische und zynische Antworten. Vor allem die Seitenhiebe gegenüber anderen Parteien oder die EU brachten ihm Lacher und Applaus der Zuhörer ein. Zum Essen des Abends warf er die unbeantwortete Frage auf: «Aargauer Raclette, was für ein Käse ist das?» Er lobte die Schweizer, die ein kleines Paradies aufgebaut hätten, das sich selber regele. Dieses sei jetzt in Gefahr, weil einigen Bürgern die Schweiz ein Dorn im Auge sei. Er sieht einen drohenden Kollaps Europas, deshalb, so Freysinger: «Wir müssen wieder zu uns selber finden und zu dem stehen, was unsere Gesellschaft aufgebaut hat.» Schliesslich gab er auch die Antwort auf seine Frage «Wer hat die Schweiz erfunden?»: Es sind, wie eingangs gesagt, die Schweizer. Dann ging Freysinger hinüber zum Büchertisch, wo er sein vor wenigen Tagen erschienenes Buch anbot, selbstverständlich mit persönlicher Widmung. Nach den Reden folgte das gemütliche Zusammensein.