Caritas

Untendurch in Brugg: Neue Führung zeigt die Armut in der Stadt

Die Caritas sensibilisiert der Bevölkerung auf speziellen Rundgängen in sieben Aargauer Städten und Dörfern für das Thema Armut. Eindrücke von der ersten Führung in Brugg.

«Erschreckend», murmelt eine Frau und blickt auf die mit Zahlen versehenen bunten Zettel, die an einer Mauer kleben. Auf den Zetteln steht beispielsweise, dass jedes sechste Kind in der Schweiz armutsgefährdet ist. Da prangt auch die Zahl 6%. Sie bedeutet, dass 6% der ständigen Wohnbevölkerung in der Schweiz in Armut leben. Eindrücklich zeigen Betânia Figueiredo, Standortleiterin des Kirchlichen Regionalen Sozialdiensts (KRSD), und Iris Bäriswyl, Sozialarbeiterin der katholischen Kirche Brugg, an diesem Abend auf, was es mit Armut in der Schweiz auf sich hat.

Mit einem besonderen Rundgang in sieben Aargauer Städten und Dörfern will das Hilfswerk Caritas Aargau zusammen mit den Kirchlichen Regionalen Sozialdiensten die Auseinandersetzung mit dem Thema Armut fördern. Die Führung am Dienstagabend war die erste in Brugg, die zweite folgt am 31. August.

Eine Gruppe von rund 30 Personen hat sich für die erste Führung angemeldet. Darunter sind die Brugger Frau Vizeammann Andrea Metzler oder auch Stadtammann-Kandidatin Barbara Horlacher. Zur Einführung ins Thema erfahren die Teilnehmenden im Stadtpark zuerst, was Armut in der Schweiz überhaupt bedeutet. Denn es gibt einen klaren Unterschied zur Armut in Schwellen- oder Drittweltländern. «Hier haben armutsbetroffene Menschen ein Dach über dem Kopf und zu essen. Die Armut ist versteckter», erklärt Figueiredo. «In der Schweiz sprechen wir von einer relativen Armut.»

Bereits am Anfang der Führung mischt sich zum ersten Mal Schauspielerin Jasmine Johann ein und überrascht die Anwesenden. Sie spielt gekonnt eine Sozialhilfebezügerin und erzählt aus ihrem Alltag und von der Stigmatisierung. Dabei zieht sie provokativ an einer Zigarette und rauscht dann davon.

Zeit zum Fragenstellen

Auf dem Neumarktplatz erfahren die Anwesenden von einem Schauspieler, was es heisst, als über 50-Jähriger noch einen Job zu finden nach einer langen gesundheitlichen Leidensgeschichte. Schauspieler Markus Fricker ergänzt damit – teilweise mit viel Humor – die Ausführungen von Iris Bäriswyl und Betânia Figueiredo. Nach diesem Muster verläuft die ganze Stadtführung. Die Teilnehmenden erhalten Fakten und Daten zum Thema Armut, die Schauspieler vertiefen es mit Dialogen.

Zwischen den sechs Stationen – sie sind in der Stadt Brugg verteilt – haben die Teilnehmenden immer wieder die Möglichkeit, Fragen zu stellen oder über das Erfahrene zu diskutieren. Ein Teilnehmer getraut sich sogar, vor der Gruppe sein persönliches Schicksal zu erzählen. Er schildert, dass es zehn Jahre dauerte, bis er endlich einen Entscheid der Invalidenversicherung hatte.

Die Caritas-Führung gibt einen guten Einblick in das Thema Armut in der Schweiz. Was allerdings fehlt, ist der konkrete, lokale Bezug. So erfahren die Teilnehmenden beispielsweise nicht, wie viele Menschen denn in Brugg von Armut betroffen sind.

Caritas-Stadtführung am 31. August um 17.30 Uhr beim Brunnen im Eisipark Brugg.

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