«Wer die Natur verlässt, verlässt sich selber»: Dieser Spruch hängt an einem Holzschild am Tor zur Scheune eines 150-jährigen Bauernhauses. Es ist eine Erinnerung an den früheren Besitzer, den Naturheiler Hans Müri, und passt perfekt auf die aktuellen Besitzer: Maddy Hoppenbrouwers (63) und Alec Gagneux (60). 2009 haben sie das Haus an der Unterdorfstrasse in Schinznach-Bad übernommen und es grösstenteils so belassen, wie sie es angetroffen haben. Umzugehen, mit dem, was vorhanden ist, prägt ihr Leben.

Für beide war von Beginn weg klar, dass ihr Wohnraum auch anderen zugänglich gemacht werden soll. Sei es mit Kursen zu ihrer Lebensphilosophie, für Führungen oder für Gäste. Seit einem Jahr bieten die gebürtige Holländerin Maddy Hoppenbrouwers und Alec Gagneux auf der Onlineplattform Airbnb Übernachtungsgelegenheiten in ihrem Zuhause an. Für die erste Person kostet die Übernachtung 40 Franken, für jede weitere noch 30.

«Das Leben, das wir hier führen, ist sehr klar beschrieben»

Airbnb Schinznach-Bad – «Das Leben, das wir hier führen, ist sehr klar beschrieben»

Gagneux öffnet die Tür, begrüsst die Gäste, führt sie durch den Gang mit knarrendem Holzboden, vorbei an einem Gestell mit Vorräten in Einmachgläsern, via Küche in die Stube. Hoppenbrouwers übernimmt, während Gagneux hinter sich die Küchentür schliesst und eine Maschine startet. «Wir essen kein Zmorge», sagt Maddy Hoppenbrouwers. «Darum bereitet er jetzt für uns Smoothies zu.» Die beiden ernähren sich vegan.

Die Zimmer waren ursprünglich eine Praxis

Vom Wohnzimmer, wo sie ihre Gäste zuerst jeweils gerne mit einem Getränk versorgt, begleitet sie den Besuch über eine schmale Holztreppe nach oben in die beiden Airbnb-Zimmer. Obwohl die Treppe mit Teppichen belegt ist, knarrt sie bei jedem Schritt.

Im Treppenhaus erinnern Fotos an die Familie von Maddy Hoppenbrouwers. Sie hat drei Kinder, zwei davon sind in Australien geboren, wo sie fünf Jahre lang lebte. Die älteste Tochter lebt mittlerweile wieder dort. Während eines Besuchs in Australien bei der Tochter lernte sie auch Airbnb kennen – und war überzeugt vom Konzept. Zu Hause entschied sie sich, ebenfalls Gastgeberin zu werden.

Die beiden Zimmer im oberen Stock sind liebevoll eingerichtet. Auf einem Nachttisch steht ein Strauss mit Blumen aus dem Garten. Vor dem Fenster ranken sich Hopfenpflanzen. In den Räumen riecht es nach Kräutern und ätherischen Ölen. Das eine Zimmer war ursprünglich die Praxis von Hans Müri. Jetzt bewahrt Hoppenbrouwers dort ihre Öle und Heilkräuter auf. Sie arbeitete lange als Pflegefachfrau, betreute unter anderem in der Psychiatrie Menschen mit Suchtproblemen.

Wer hier Ferien machen will, darf sich nicht auf Luxus einstellen. Drei erwachsene Personen können hier übernachten, ein Kinderbett wäre auch vorhanden. Die Zimmer sind einfach gehalten, blitzsauber und heimelig. Die Einrichtung ist einfach; ein Bett, ein alter Holzschrank, ein Tisch. Auf Letzterem liegt ein kleines Faltblatt mit Tipps für Freizeitaktivitäten und Restaurants in der Umgebung sowie Angeboten der Gastgeber. So können die Gäste die E-Bikes und Velos der Gastgeber ausleihen, ein Nachtessen oder am Morgen einen Smoothie buchen – alles gegen eine Kollekte. Das eine Zimmer, das weiss gestrichen wurde, um es heller zu machen, hat einen Holzofen.

Ab November sperrt Hoppenbrouwers die Buchungsfunktion auf Airbnb. «Wir können kein geheiztes Bad anbieten, das wäre eine Zumutung für die Gäste.» Selbst für sie war es zu Beginn eine Herausforderung, entspricht aber ihrer Lebensphilosophie: der Permakultur. Auch darum nennen Gagneux und Hoppenbrouwers ihre Unterkunft auf Airbnb «‹Permawerk› – ein kleines Permakultur Ökozentrum». Das mag für Aussenstehende verwirrend klingen. Permakultur steht für eine möglichst nachhaltige Lebensweise. Elektronische Gegenstände kaufen sie beispielsweise nicht neu, zudem versuchen sie, sich möglichst mit den Produkten aus dem eigenen Garten zu versorgen oder mit den Nachbarn zu teilen. Gagneux, ausgebildeter Maschinenbauingenieur FHS, ist zudem seit 30 Jahren tätig in der Entwicklungszusammenarbeit.

Offene und interessierte Gäste kommen vorbei

Wer hier ein Zimmer bucht, weiss aufgrund der Website, worauf er sich einlässt. «Unsere Gäste sind offen, etwas Neues kennen zu lernen», sagt Hoppenbrouwers. Viele hätten sich auch schon mit dem Thema befasst oder sind neugierig. Zum Bauernhaus gehört ein grosser Garten. Hier wachsen Gemüse, Früchte und Kräuter. In den Bäumen zwitschern Vögel und obwohl die Bahnlinie nur wenige Meter daneben verläuft, wähnt man sich mitten in der Natur.

Hier fühlen sich auch die Gäste wohl. Auf der Website von Airbnb sind sie als «Superhosts» ausgezeichnet. Das Geheimnis des Erfolgs: Die beiden sind meistens zu Hause, kümmern sich persönlich und mit Hingabe um ihre Gäste, überraschen diese gerne auch mal mit kleinen Aufmerksamkeiten. Wasser, Kaffee und Tee stehen immer bereit. Die Gastgeber sprechen Englisch, Niederländisch, Italienisch, Französisch und ein paar Brocken Spanisch. Zudem reagieren sie schnell auf Buchungsanfragen, kommunizieren offen, klar und verständlich.

Es geht ihnen nicht darum, mit der Unterkunft viel zu verdienen. Sie schätzen aber den Zustupf zum Lebensunterhalt, obwohl sie sehr sparsam leben.