Birrfeld
Unmut im traditionsreichen Aero-Club: Im Vorstand droht eine Zürcher Dominanz

Drei Ehrenmitglieder des Aero-Clubs Aargau kritisieren die geplante Statutenrevision – sie wollen, dass der Flugplatz Birrfeld weiterhin in der Mehrheit von Aargauern geführt wird.

Claudia Meier
Merken
Drucken
Teilen
Der Aero-Club Aargau kümmert sich seit Jahrzehnten um die Sicherstellung des Flugplatzbetriebs auf dem Birrfeld.

Der Aero-Club Aargau kümmert sich seit Jahrzehnten um die Sicherstellung des Flugplatzbetriebs auf dem Birrfeld.

Michael Hunziker/Archiv AZ

Als Besitzer des Regionalflugplatzes Birrfeld in Lupfig engagiert sich der Aero-Club Aargau (AeCA) seit Jahrzehnten für die Sicherstellung des Flugplatzbetriebs. Morgen Freitagabend findet die 84. Generalversammlung des AeCA im Gasthof Ochsen in Lupfig statt. Knapp 1400 Mitglieder zählt der Verein. Über die Hälfte davon sind freie Mitglieder. Das heisst: Sie machen nicht zusätzlich bei einer dem AeCA angehörenden Fluggruppe mit.

Unter Traktandum 12 werden die Mitglieder an der GV über eine Statutenrevision abstimmen. Einige neue Bestimmungen sorgen allerdings bei drei langjährigen Ehrenmitgliedern für Unmut. Sie haben beim Vorstand vor über einer Woche verschiedene Änderungsanträge eingereicht, weil sie wollen, dass der Flugplatz Birrfeld weiterhin von Aargauern und nicht etwa von Zürchern geführt wird.

Vier Aargauer und drei Zürcher

Das Trio setzt sich zusammen aus Werner Neuhaus senior aus Windisch, Peter Frey aus Birr und Max Salm aus Umiken. Neuhaus senior ist Ehrenpräsident und führte den Verein während über 30 Jahren. An vorderster Front engagierte er sich beim Auf- und Ausbau des Flugplatzes Birrfeld.

Salm gilt als langjähriger Generalist in Sachen Verwaltung, Rechnungswesen und EDV. Er war auch Verwaltungsratspräsident der Fliegerschule Birrfeld (FSB). Mit seinen 82 Jahren ist der ehemalige Schleppchef Frey der jüngste im Trio. Er war zudem Vizepräsident der FSB und stellvertretender Flugplatzchef.

Aktuell gehören dem siebenköpfigen AeCA-Vorstand vier Aargauer und drei Zürcher an. Präsident ist Werner Neuhaus junior aus Rupperswil. Alle Vorstandsmitglieder stellen sich für eine Wiederwahl zur Verfügung.

Aktuell steht in den Statuten: «Die Mehrzahl der Vorstandsmitglieder inklusive Präsident muss den Wohnsitz im Kanton Aargau haben.» Geht es nach dem Vorstand, soll dieser Absatz am Freitagabend wie folgt geändert werden: «Die Mehrheit der Vorstandsmitglieder sollte den Wohnsitz im Kanton Aargau haben. Neue Kandidaturen müssen vom Vorstand mindestens einer dem AeCA angehörenden Fluggruppe unterstützt werden.» Das passt den drei Ehrenmitgliedern nicht.

Lokale Gegebenheiten sind wichtig

Sie halten an der aktuellen Textversion fest. «Mit der vorgeschlagenen Änderung, wonach Kandidaten für den Vorstand die Unterstützung einer Fluggruppe benötigen, werden die fast 800 Mitglieder, die keiner Fluggruppe angehören, diskriminiert, was nach moderner Rechtsauffassung unzulässig ist», lautet ihre Begründung.

Den drei älteren Männern ist klar, dass die Aviatik eine globale Angelegenheit ist. «Mit einem Flugzeug überfliegt man alle Grenzen und bewegt sich nach internationalen Regeln. Da ist Kantönligeist fehl am Platz», räumen sie ein. Aber: «Im Gegensatz zu den Flugzeugen sind die Flugplätze fest am Boden verankert.»

Das Birrfeld sei mit Unterstützung des Kantons Aargau und der lokalen Bevölkerung gebaut worden, hält das Trio fest. «Ein gutes Einvernehmen mit den lokalen Behörden und der Bevölkerung ist deshalb äusserst lebenswichtig.» Der Repräsentant eines Flugplatzes, also der Präsident, sollte ein Einheimischer aus dem Kanton Aargau sein, sagen Neuhaus senior, Salm und Frey.

Die Konzession für das Birrfeld sei zwar kürzlich um 30 Jahre verlängert worden, aber das für den Flugbetrieb viel wichtigere Betriebsreglement kann jederzeit auf Antrag der Anliegergemeinden geändert werden.

Zudem habe das kürzlich publizierte Urteil des Bundesverwaltungsgerichts (Lesen Sie hier) zugunsten des Flugplatzes Birrfeld gezeigt, dass den lokalen Gegebenheiten eines Flugplatzes mehr Gewicht zukommt als globalen Richtlinien.

5 Hektaren gehören dem Kanton

Das Trio fordert beim Vereinszweck ausserdem, dass die Eigentumsverhältnisse des Flugplatzes in den Statuten der Wahrheit entsprechend angegeben werden. Schliesslich habe sich der Kanton Aargau mit 1 Million Franken am Ausbau beteiligt.

Aus Sicht der Antragsteller sollte es deshalb heissen: «Der Verein ist Teileigentümer (31 ha AeCA, 5 ha Kanton Aargau), Nutzungsberechtigter sowie Betreiber des Aargauischen Regionalflugplatzes Birrfeld.

Der Verein kann Gesellschaften gründen und sich an solchen beteiligen, sofern dies dem Betrieb des Flugplatzes nachhaltige Vorteile bringt.» Mit dem Zusatz im letzten Satz wollen die Ehrenmitglieder spekulative, riskante Beteiligungen durch den Verein verhindern.

Was das Trio hingegen auf keinen Fall will, ist irgendjemandem die Freude an der Aviatik zu nehmen. Mit seinen scharfen Beobachtungen und seinen Änderungsanträgen möchte es jedoch verhindern, dass Ausserkantonale bald mehr Einfluss auf den Flugplatzbetrieb haben als die Aargauer.

Auch wenn dies immer wieder gewünscht werde, so dürfte der Flugplatz Birrfeld keine Entlastungsfunktion für andere Flugplätze (insbesondere für Kloten oder Dübendorf) übernehmen, sind sich die drei einig.