Das weisse Plakat an der Stellwand ist vollgeschrieben mit blauem Filzstift. Links, wo die positiven Auswirkungen einer Fusion von Schinznach-Bad mit Brugg bezüglich Schule aufgeschrieben werden können, hat es noch viel Platz. Auf der rechten Seite nicht mehr. Diese ist bis zum Ende der Mitwirkungs-Veranstaltung vom Donnerstagabend voll mit kritischen Anmerkungen. «Die Oberstufenschüler sollen mit dem Velo in die Schule fahren können», heisst es da. Oder: «Die Oberstufenschüler sollen über den Mittag nach Hause kommen können.» Und weiter: «Der Veloweg nach Brugg ist gefährlich und ungeeignet.» Oder auch: «Die Kreisschule Oberstufe Schenkenbergertal wird gefährdet.»


An der Informationsveranstaltung zuvor gab die Projektleitung bekannt, dass sich «im Rahmen der Abklärungen ergeben hat, dass es aus Sicht der Projektleitung und der entsprechenden Arbeitsgruppe sinnvoll ist, dass nach dem allfälligen Zusammenschluss der beiden Gemeinden sämtliche Oberstufenschüler des (dannzumaligen) Ortsteils Schinznach-Bad nach Brugg zur Schule gehen». Der Gemeinderat Schinznach-Bad unterstütze diese Lösung. Allenfalls sei eine Übergangslösung für einen bestimmten Zeitraum denkbar. Diese könnte folgendermassen aussehen: «Die bereits in der Kreisschule Schenkenbergertal eingeschulten Oberstufenschüler sollten ihre Schulpflicht noch am bestehenden Oberstufenstandort beenden können.»

Magazin bleibt erhalten

Ähnlich sieht es bei der Feuerwehr aus. Seitens des Kantons heisst es: «Eine Gemeinde, eine Feuerwehr.» Konkret bedeutet das: Schinznach-Bad muss aus dem Verband der Feuerwehr Schenkenbergertal austreten und zu Brugg wechseln. Gemäss der Projektleitung soll das Magazin in Schinznach-Bad erhalten bleiben, damit die Einsatzzeit garantiert werden kann. Die Fusion würde auch bewirken, dass sich Schinznach-Bad finanziell nicht am Neubau des Feuerwehrmagazins Schenkenbergertal beteiligen würde.

Feuerwehr und Schule, zwei emotionale Themen, die kontrovers diskutiert werden. Nach dem Informationsteil am Donnerstagabend geht es nämlich in der Aula weiter mit dem Mitwirkungsverfahren. Nur gerade 35 bis 40 Personen nehmen daran teil. Trotzdem präsentiert sich jede Arbeitsgruppe an einem Posten, erzählt von ihren Ergebnissen, bietet den Bürgern die Gelegenheit, ihre Ideen, Anregungen und Sorgen zu deponieren. Auch ein Briefkasten aus Karton – verziert mit den Wappen von Brugg und Schinznach-Bad – steht bereit. Hier können Zettel mit Anregungen anonym hinterlassen werden.

Eine Frau schreibt gerade auf die grünen Zettel. Etwa 20 an der Zahl hat sie bereit gelegt. Sie hat viel zu schreiben. Es geht um Fremdbestimmung, den Unterschied zwischen Stadt und Land, um Anonymität in der Stadt.

Wer garantiert die Einhaltung des Vertrags?

«Das alles behagt mir nicht. Ich fürchte, dass der Zusammenhalt im Dorf bei einer Fusion mit Brugg verloren geht», sagt die Frau. «Ich finde es überhaupt nicht gut, wenn die Kinder den ganzen Tag wegbleiben und nicht mehr die Gelegenheit haben, über Mittag nach Hause zu kommen.» Und überhaupt: Wer garantiere, dass dann später der Schwimmbad-Vertrag wirklich nicht aufgelöst wird? «Und haben Sie sich schon einmal die Grenze von Brugg und Schinznach-Bad angeschaut?», fragt sie und fährt fort: «Uns verbindet praktisch nichts. Wir schauen von hier aus Richtung Schinznach und nicht nach Brugg.»

Andere äussern sich pragmatischer. Argumentieren mit der Besetzung von Ämtern, weisen auf den tieferen Steuerfuss hin bei einer allfälligen Fusion. In einem Thema sind sich alle einig: Sie sind enttäuscht, dass nur wenige Menschen – und kaum junge – die Möglichkeit der Mitwirkung wahrgenommen haben.

Cards: Fusion Brugg/Schinznach-Bad