Mitte Januar haben über 90 Windischer Lehrpersonen mit Briefen Schulpflegerin Zeynep Karavus (CVP) zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Aus Sicht der Lehrpersonen ist vor allem Karavus für die akute Missstimmung und den Vertrauensmangel an der Schule verantwortlich. Von der AZ darauf angesprochen, hielt sie fest, dass sie als Schulpflegerin weitermachen werde. Nun hat sich der ehemalige Windischer Schulpflegepräsident Philipp Küng mit einem Leserbrief an die AZ gewandt. Er sass für zwei Amtsperioden, von 2010 bis 2017, in der Schulpflege. Zuerst als Mitglied, später als Präsident. Mit grosser Sorge habe er die Zeitungsberichte über die Schule Windisch gelesen, schreibt er. «Die Einzelheiten, die zur aktuellen Krise geführt haben, kenne ich nicht. Aber die in der Zeitung aufgeführten Gründe haben bei mir zu einem ‹Déjà-vu› geführt.»

Gemäss Küng hatten bereits in den Jahren 2015 und 2016 diverse Krisengespräche innerhalb der Schulpflege und teilweise auch mit dem Schulleitungsteam stattgefunden. Themen waren bereits damals die Aufteilung der Kompetenzen und Aufgaben zwischen Schulpflege und Schulleitung.

Wiederholt eingemischt

Küng schreibt im Leserbrief: «Zeynep Karavus mischte sich als Schulpflegerin wiederholt und in unangemessener Weise in operative Belange ein und verhielt sich gegenüber dem Schulleiter (damals Martin De Boni) und anderen Personen respektlos. Nach all den erfolglosen Gesprächen und einem weiteren, absolut unhaltbaren Vorfall im Frühjahr 2016 hatte ich Zeynep Karavus zum Rücktritt aufgefordert.»

Das sei eine belastende Situation für alle gewesen, sagt Küng auf Nachfrage der AZ. «Es war nicht angenehm, sie um den Rücktritt zu bitten. Das tut man nicht leichtfertig.» Karavus habe ihm damals dann umgehend mitgeteilt, dass sie nicht zurücktreten werde, und verlangte eine Besprechung mit Susanne Keller, Vorstandsmitglied der CVP, und Rosi Magon, heute Vizepräsidentin, damals aber für das Ressort Bildung zuständige Gemeinderätin. Küng weiter: «An dieser Besprechung wurden meine Argumente mit dem Hinweis unter den Tisch gewischt, dass sich das Problem von selbst löse, da Martin De Boni ja die Schule verlasse.»

Rücktritt ermöglichte Neustart

Aus der Sicht von Zeynep Karavus seien immer die anderen das Problem gewesen, schreibt Küng. «Und wer weiss, vielleicht ist es ja auch diesmal so, dass das Problem die anderen sind: Philipp Grolimund, Judith Zürcher, Mirjam Oertli, 90 Lehrpersonen, die sich für eine gute Schulführung einsetzen und natürlich auch meine Wenigkeit.» Philipp Küng ist überzeugt, dass Zeynep Karavus mit ihrem Rücktritt der Schulführung einen glaubwürdigen Neustart ermöglichen würde.

Details, wie sich Zeynep Karavus genau verhalten hat und wie die «unangemessene Weise» ausgesehen hat, kann Philipp Küng aus Datenschutzgründen nicht ausführen. Was an den Sitzungen passiert ist, bleibt geheim. Es bleibt die Frage, wie es möglich ist, dass ein einziges Mitglied eines Fünfergremiums für so viel Unruhe sorgen kann. Auf Nachfrage der AZ sagt Küng: «Das kann in einem Team vorkommen. Das hat nichts mit dem Gremium Schulpflege an sich zu tun.»

Im Frühjahr 2016 wurde die Rücktrittsaufforderung unter Verschluss gehalten. Sie drang nicht an die Öffentlichkeit. «Ich wollte keine Unruhe auslösen», erklärt Philipp Küng. «Dem künftigen Schulleiter Philipp Grolimund wollte ich einen unbelasteten Start ermöglichen.» Küng selber kandidierte 2017 nicht mehr für eine weitere Amtsperiode. Das habe nichts mit den Problemen in der Schulpflege zu tun gehabt, betont er.

Mit seinen Zeilen im Leserbrief will Küng das Beste für die Schule Windisch. Ein unbelasteter Neustart sei nur nach einem Rücktritt von Zeynep Karavus möglich. Ansonsten sei es umso schwieriger, gute, neue Leute für die Schulleitung und die Schulpflege zu finden, ist er überzeugt.