Windisch
Umiker Geiger veranstaltet seine Konzerte nun in Eigenregie

Warten, bis er entdeckt wird? Nein. Der Umiker Geiger Sebastian Bohren nimmt seine Geschicke selbst in die Hand – mit einem Sommerkonzert in Eigenregie.

Elisabeth Feller
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Der 24-jährige, aus Umiken stammende Geiger Sebastian Bohren im klassischen Solisten-Anzug.

Der 24-jährige, aus Umiken stammende Geiger Sebastian Bohren im klassischen Solisten-Anzug.

HO

Vor einigen Jahren stand er ganz früh am Bahnhof Baden, um von der Journalistin zum Interview abgeholt zu werden. Er werde den Geigenkasten in Händen halten, weil er dann bestimmt erkannt werde, hatte Sebastian Bohren am Telefon gesagt. Der damals 19-Jährige pendelte täglich von Umiken nach Zürich, um dort das Kunst- und Sport-Gymnasium Rämibühl zu besuchen. Als Bub, bekannte Bohren, sei er dem Hardrock verfallen, als Jugendlicher der Klassik.

Daran hat sich nichts geändert. Ebenso wenig geändert hat sich auch Bohrens Neugierde und Vorurteilslosigkeit, die ihn immer wieder Überraschendes tun lässt: Konzerte in Eigenregie veranstalten, denn: «Bekomme ich keine Konzerte, verschaffe ich sie mir eben selbst.» Bohren, mittlerweile 24 Jahre alt und sichtlich gereift, wirkt ganz entspannt. Er hat kürzlich das Solistendiplom in Luzern gemacht; er hat erfahren, welchen Stürmen ein freiberuflicher Musiker trotzen muss.

Sommerkonzert in Windisch

Der Geiger Sebastian Bohren und der Organist Jonas Hablützel spielen am 29. Juli, 17 Uhr im Rahmen eines Sommerkonzertes in der katholischen Kirche Windisch Werke von Heinrich Ignaz Franz Biber, Johann Sebastian Bach, Jan Pieterszoon Sweelinck, Olivier Messiaen und Eugène Ysaye. Freier Eintritt – Kollekte. (AZ)

Doch das ficht ihn nicht an – Hauptsache, er kann spielen. Wie stets sprudelt es nur so, wenn Bohren von Komponisten und Aufführungen erzählt. Die Mischung aus Selbstbewusstsein, realistischer Selbsteinschätzung und Entflammbarkeit ist ungebrochen. Was ist mit seinem einstigen, fröhlich-charmanten Bekenntnis zur Extravaganz? «Mittlerweile bin ich sehr seriös und ein todernster Musik.» Bohren zwinkert mit den Augen, zum Nennwert nehmen, darf man das Gesagte wohl nicht.

Heute hat er Gelassenhei

Bohren war stets ein ernst zu nehmender, seinem spielerischen Impetus aber gerne nachgebender Musik. Heute plant er seine musikalische Zukunft, ohne dass er sie minutiös plant. Das ist kein Widerspruch. Bohren plant sehr wohl, aber nicht so, dass er 2012 schon weiss, was er 2020 spielen wird.

Immerhin: Im Herbst dieses Jahres geht er mit der Bayerischen Philharmonie auf Tournee und wird in München, Wien und Zürich Mozarts Sinfonia concertante spielen. Anders gesagt: Heute verfügt der junge Mann über eine Gelassenheit, die mit «weissen Stellen» in der Konzertagenda umgehen kann. Bohren weiss, dass er nicht in ein Loch fällt, weil sich stets Möglichkeiten ergeben.

Darauf warten, dass er entdeckt wird? «Nein», sagt er und winkt dezidiert ab. Repertoireerweiterung, Kontaktpflege zu Musikern, Einspringer-Flexibilität und Vertrauen in Selbstmanagerqualitäten – das werde heute von einem jungen Musiker gefordert, sagt er. Stellt Bohren nun Werke wie jene in der Katholischen Kirche Windisch vor, kann er realisieren, was ansonsten kaum ein Konzertveranstalter wagt: Ein beziehungsreiches, kühnes Programm. Wer wagte schon Bibers Sonate Nr. 1 in die Nachbarschaft von Messiaens «Quatuor pour la fin du temps» und Ysayes hochvirtuose Sonate für Violon seul zu rücken? Sebastian Bohren lächelt verschmitzt: Dieses Konzert mit dem gleich gesinnten Organisten-Kollegen Jonas Hablützel kann er kaum erwarten.

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