Brugg
«Umiken hat durch die Fusion gewonnen»

Eine Fahrt durch Umiken mit alt Gemeindeammann Werner Fässler – ein Jahr nach der Fusion mit Brugg. Im Gespräch mit der az ist er überzeugt, dass die Fusion gut für die Region war.

Katja Landolt
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Aargauer Zeitung

«Ich zeige Ihnen das, was Brugg bereichert», sagt Werner Fässler und dreht den Autoschlüssel. Wir fahren raus aus der Brugger Altstadt, über die Casinobrücke, hoch zum Stäbliplatz, der Brugger Enklave, umschlossen vom - heute ehemaligen - Umiker Hoheitsgebiet. Es ist stockdunkel, die Tage werden kürzer. Unter uns glitzert Brugg, das grosse Brugg mit den Stadtteilen Altenburg, Lauffohr und Umiken.

Ein knappes Jahr ist es her seit der Fusion mit Brugg. Am 1. Januar 2010 schlossen sich die Nachbarn nach 14 Jahren Vorbereitung zusammen. Nach 10 Jahren Kür- und 4 Jahren Pflichtanteil, wie Fässler sagt. «Eine Gemeindefusion kann man nicht erzwingen, denn sie beruht auf sportlichen Grundsätzen. Die ersten 10 Jahre sind Kür, die letzten 4 Jahre Pflicht - und immer mit Fairplay.»

Umikon ist eine Perle

Es sei eine gelungene Fusion, sagt Fässler. Jede andere Antwort würde auch erstaunen. «Umiken hat nichts verloren, wir haben gewonnen», ergänzt er. «Schauen Sie sich um», sagt Fässler und zeigt auf den kiesigen Boden, die gestutzten Äste. Alles sauber. «Das ist die Leistung des Brugger Bauamtes; speditive, saubere Arbeit. Das beispielsweise haben wir gewonnen.» Und was haben die Brugger gewonnen? «Umiken ist eine Perle; aufgeschlossen, kontaktfreudig, eine kulturelle Bereicherung für Brugg.» Fässler windet auch den Bruggern ein Kränzchen: «Wir wurden mit offenen Armen aufgenommen, die Brugger behandeln Umiken als vollwertigen Partner.»

Wir fahren weiter auf der Tour d'Umiken, vorbei an den in Sandstein gehauenen Kellern im Sandbock, zum «Vogelschutzhüüsli», dem «Stifte-Buswarthüüsli» bei der Haltestelle Umiken Kirche, durchs Rossbergquartier, vorbei an den Schrebergärten zur Kläranlage und wieder zurück. Zu jedem Kreisel, jeder Überbauung, scheinbar selbst zu jedem Trottoirrandstein weiss Fässler etwas zu erzählen. Er kennt Umiken besser als seinen Hosensack. Und das, obwohl er kein gebürtiger Umiker ist.

Im Blindflug nach Umiken

1972 zog Fässler zusammen mit seiner Ehefrau Romy von Aarau hierher. Im Blindflug quasi, hatte er doch Umiken vorher nicht gekannt. Aber Fässler war gekommen, um zu bleiben. Er wohnte hier nicht nur, er engagierte sich auch: 16 Jahre lang war er Gemeinderat, acht Jahre lang Gemeindeammann. «Das war nicht nur ein Job, da war Herzblut dabei.» Was gefällt ihm denn an der Region? «Die Vielfältigkeit», sagt Fässler, «und der Typ Mensch».

Der Bezirk Brugg sei der komprimierte Kanton Aargau, mit Flusslandschaften und Jurahöhen. «Es lebt, das Ganze.» Heute ist Fässler kein Behördenmitglied mehr und auch das eigenständige Umiken ist Geschichte. Kommt da - bei aller Freude über die gelungene Fusion - nicht vielleicht doch ein bisschen Wehmut auf? Fässler lacht. «Der Gemeindeversammlung trauere ich ganz bestimmt nicht nach, das ist Geschichte.«

Bereits vor 90 Jahren wollte Brugg expandieren

Wir tapsen vorsichtig über den Pausenplatz beim «Schuelhüüsli». Es ist glatt, die Kinder haben am Nachmittag eine Eisbahn gebaut. Das «Schuelhüüsli» erinnert an einen kleinen, dicken Igel: herzig und wuchtig zugleich. Trotz der kleinen Dimensionen hat es etwas Standhaftes an sich, das «Schnupftruckli».

Das kommt nicht von ungefähr, ist es doch ein Ergebnis früherer Fusionsgelüste. Bereits in den 1910er-Jahren hatten die Brugger ihr Gemeindegebiet ausdehnen wollen. Als 1923 das Schulhaus gebaut wurde, wählten die trotzigen Umiker extra den etwas abgelegenen Standort im Oberdorf, am Rand des Dorfes Richtung Villnachern. «So wollte man seine Eigenständigkeit unterstreichen», sagt Fässler, lacht, und meint dann: «Was lange währt, wird endlich gut.»

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