Brugg-Windisch

Um zu lernen, braucht es nicht unbedingt speziell konstruierte Lernspiele

Mark Weisshaupt, der Verantwortliche der Lernwerkstatt, spielt mit der Erziehungswissenschafterin Elke Hildebrandt am Spieltag. bab

Mark Weisshaupt, der Verantwortliche der Lernwerkstatt, spielt mit der Erziehungswissenschafterin Elke Hildebrandt am Spieltag. bab

Am Spieltag der Pädagogischen Hochschule konnte von Herzen gespielt werden. Die Erziehungswissenschaftlerin Elke Hildebrandt erzählt, was sie von ‹Monopoly› hält. Weiter sagt sie, weshalb in jedem Spiel ein Lernpotenzial steckt.

Farbige, quadratische Plättchen aus Plexiglas liegen auf dem Tisch. Die Besucherin steht mit fragendem Blick davor. Gestern Dienstag hat an der Pädagogischen Hochschule in Brugg-Windisch der Spieltag der Lernwerkstatt stattgefunden.

Klassische Gesellschaftsspiele lagen zum Spielen bereit. Im Vordergrund des Anlasses standen jedoch pädagogische Spiele und Lehrmittel-Spielmaterial, gedacht für Lehrpersonen von Kindergärtlern und Primarschülern.

Inputs von Fachkräften zu gewissen Spielen wechselten sich mit Spielphasen ab, in denen das vorgestellte Spiel ausprobiert werden konnte.

Lehrer sein: Zwischen Impuls geben und sich zurückhalten

Der Verantwortliche der «Lernwerkstatt Spiel», Mark Weisshaupt, kommt auf den Gast zu. Auf die bunten Quadrätchen deutend, sagt er: «Dieses Plättchen-Set, das ‹CreaEduTool› heisst, soll die Kinder zu eigenen Spielideen anregen – das Set bietet nur Ausgangsmaterial an.»

Für den Soziologen besteht die pädagogische Herausforderung darin, dass die Lehrperson den Kindern beim Spielen einerseits Impulse gibt, sich aber auch zurückhalten muss.

Mit diesem speziell eingerichteten Spielraum an der Fachhochschule wolle man die Studenten wieder zum Spielen bewegen, sagt Elke Hildebrandt, die Leiterin der Professur für Unterrichtsentwicklung in der Vorschul- und Primarstufe. «Wir möchten die Studenten mit dem aktiven Spielen konfrontieren, während der meiste übrige Unterrichtsstoff eher passiv konsumiert wird», so die Wissenschaftlerin.

In der Lernwerkstatt der Pädagogischen Hochschule lernen die Studenten, auch alte, traditionsreiche Spiele kritisch zu hinterfragen. Hildebrandt führt als Beispiel «Monopoly» an. Jenes Spiel, das etlichen Familien emotionsgeladene Nachmittage beschert. Die Meinung der Professorin fällt vernichtend aus: «Dieses Gesellschaftsspiel trimmt den Menschen von Anfang an auf kapitalistisches Denken.»

«Jedes Spiel birgt ein Lernpotenzial»

Sie führt den Gast in der Lernwerkstatt zu einem Tisch. Auf die Besucher wartet dort ein Spiel, in dem es darum geht, dass sich jeder Mitspieler nach einer Vorlage einen Turm aus Holzteilen bauen muss.

«Die Idee ist prinzipiell gut – der Faktor, dass alles unter Zeitdruck geschehen muss, macht das Spiel aber weniger wertvoll», findet sie. Generell könne aber in jedem Spiel etwas gelernt werden, es brauche nicht immer nur spezifische Lernspiele. «Jedes Spiel birgt ein Lernpotenzial in sich – man muss es nur entdecken», sagt Hildebrandt.

Die Erziehungswissenschaftlerin selber hatte mit ihren Kindern bereits Würfelspiele gemacht, als diese noch Kleinkinder waren. Heute würfle sie nur noch mit ihrem Mann, sagt sie schmunzelnd.

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