Ganze 18 Mal schlug Khalid (Name geändert) zu. Um seine Drogensucht zu finanzieren, brach er in Auenstein in ein Firmengebäude ein, stahl in Lebensmittelläden in der Region Lenzburg und Aarau Handtaschen aus Einkaufswagen, Portemonnaies aus offenen Autos oder Elektronikgeräte aus Fachgeschäften. Mit der Kontaktlosfunktion der erbeuteten Bankkarten erwarb er Zigaretten, die gestohlenen Spielkonsolen verkaufte er weiter. Mit einer Bankkarte wollte er 1000 Franken abheben, doch er gab den falschen Pin ein.

Zudem brach er drei Mal in das Kellerabteil eines Ehepaars ein und klaute Bier und Wein. Bei seinem Einbruch ins Gebäude der Auensteiner Firma nahm er einen Autoschlüssel an sich, setzte sich nach seinem Einbruch ins Fahrzeug und fuhr davon, unter Einfluss von Alkohol, Kokain, Morphin und Methadon. Im Untersuchungsgefängnis zündete er schliesslich eine Wolldecke an. Wegen dieser umfangreicher Delikte musste sich der 38-Jährige diese Woche vor dem Bezirksgericht Brugg verantworten.

Die Staatsanwaltschaft forderte in ihrer Anklageschrift eine Freiheitsstrafe von 3½ Jahren, aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme zur Suchtbehandlung. Seit Februar befindet sich Khalid im vorzeitigen Strafvollzug in der Strafanstalt Lenzburg. Vor Gericht sass er mit Fussfesseln, bewacht von zwei Polizisten.

Mit müdem Gesichtsausdruck hörte er den Ausführungen des Sachverständigen zu, der ein Gutachten über ihn verfasst hatte. Dieser war der Meinung, dass eine längere stationäre Massnahme zur Suchtbehandlung des Beschuldigten am erfolgsversprechendsten sei. Bei einer ambulanten Therapie sei die Gefahr für einen Abbruch gross, da er auf sich allein gestellt sei. Ein Strafvollzug mit einer ambulanten Therapie sei hingegen auch nicht die beste Variante, da Gefängnisse nicht drogenfrei seien. Geeignet für den Beschuldigten sei eine Einrichtung, die eine enge Begleitung mit wenig Freilaufmöglichkeiten, dafür therapeutische Massnahmen nach Mass anböte.

Seit März nimmt Khalid keine Drogen mehr. Er anerkennt alle ihm vorgeworfenen Delikte. Die grösste Chance, drogenfrei leben zu können, sieht er in einer stationären Massnahme. Er nimmt dafür auch in Kauf, für längere Zeit getrennt von seiner Frau und seinen zwei kleinen Kindern zu sein. Gerade für diese will er den Drogenentzug endgültig schaffen. Wichtig sei ihm zudem, dass er seine Vergangenheit aufarbeiten könne. In dieser sieht er nämlich den Grund für seine Drogensucht.

Zahlreiche Heimaufenthalte

Als Khalid acht war, liessen sich seine Eltern, eine Schweizerin und ein Marokkaner, scheiden. Sein Vater heiratete erneut und Halbgeschwister kamen dazu, Khalid war aussen vor. Von dieser Zeit an war er in verschiedenen Heimen im Aargau, in Luzern und Zürich untergebracht. Er schloss die Realschule ab, fing zwei Lehren an, brach beide ab. Die Rekrutenschule hingegen zog er durch, dort gefiel es ihm. «Da hatte ich einen geregelten Tagesablauf», so Khalid. Erstmals mit Drogen in Kontakt kam er mit 12. Er begann mit Kiffen und steigerte sich in den Konsum von Ecstasy, Kokain und anderen Drogen. Um seine Sucht zu finanzieren, sei er straffällig geworden, sagte er.

Sein Verteidiger hob Khalids grosse Motivation hervor, eine stationäre Massnahme zu absolvieren, um die Drogensucht zu besiegen. Sogar der Staatsanwalt sagte, Khalid sei äusserst kooperativ gewesen. Das Verhalten nach der Tat sei allerdings strafneutral und dürfe somit nicht in die Beurteilung der Straftaten einfliessen. Doch auch er sei im vorliegenden Fall optimistisch.

Das Gesamtgericht um Gerichtspräsidentin Gabriele Kerkhoven verurteilte Khalid zu einer Freiheitsstrafe von 30 Monaten, aufgeschoben zugunsten einer stationären Massnahme. Sollte die Therapie misslingen, müsse er retour ins Gefängnis, schärfte ihm die Gerichtspräsidentin ein.