Birr
Um Aufbauhilfe zu leisten: Haiti ist zu ihrer zweiten Heimat geworden

Der frühere Pfarrer Gerhard Schippert und seine Frau Cornelia leisten auf der Insel in der Karibik beachtliche Aufbauarbeit.

Michael Hunziker
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«Wir können von Menschen berichten, die verstanden haben und es ausleben, für andere da zu sein, für sie etwas zu tun.»

«Wir können von Menschen berichten, die verstanden haben und es ausleben, für andere da zu sein, für sie etwas zu tun.»

zvg

Als Pfarrer hat Gerhard Schippert von 1976 bis 1988 in der Kirchgemeinde Birr gewirkt, seit mehr als zwanzig Jahren engagiert er sich mit seiner Frau Cornelia in Haiti.

Diesen Sonntag wird Schippert wieder einmal in Birr zu Gast sein und den Gottesdienst halten in der reformierten Kirche. Mit dem anschliessenden Programm im Pfrundhaus soll es, sagt der Pfarrer, ein froher, aufgestellter Anlass werden, «der aufzeigt, dass im ganz, ganz schwierigen Umfeld des haitianischen Staats Lichtblicke gross aufleuchten: Menschen beginnen, sich für andere einzusetzen.» Es sei eine ausserordentliche Ehre, fügt er an, unterstützt zu sein von einer Handvoll Einheimischen, «die unsere Ziele – den Menschen nahe und hilfreich zu sein – ganz übernehmen».

Er schwärmt vom Schulhaus

In Pont-Sondé – rund 100 Kilometer von der Hauptstadt Port-au-Prince entfernt – bauten die beiden Ostschweizer Nähschulen auf, um haitianische Frauen auszubilden. Geleistet wurde eine beachtliche Entwicklungsarbeit, entstanden ist der Verein Lemuel Swiss. Webatelier, Refugium im Kinderhaus, 40-köpfiger Kinderchor oder Gästehäuser, lauten ein paar Stichworte. «Wir sind auf Kurs», lautet Schipperts Fazit.

In den Nähschulen können haitianische Frauen ausgebildet werden.

In den Nähschulen können haitianische Frauen ausgebildet werden.

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Diesen Herbst wird, fährt er fort, eine Lernwerkstatt aus der Taufe gehoben für den Unterricht mit «hoffnungslosen» Kindern, die sonst keine Schule besuchen können. «Sie haben das schönste Schulhaus weit und breit, hervorragende Lehrpersonen, die mit ihnen lernen wollen», schwärmt Schippert. Es bestehe kein staatliches Lehrprogramm, keine Matur, ergänzt er.

«Gleichzeitig sind wir jetzt schon integriert in ein landesweites Programm der Heilsarmee, die Jugendstützpunkte kreieren will mit Unihockey.» Ende Jahr stehe die regional gedachte Einführung von Unihockey für haitianische Jugendliche an. «Wir haben einen grossartigen Sportplatz bauen können mit einem Seminargebäude», stellt Schippert fest. Denn: «Wir wollen etwas tun für die herumlungernden Jugendlichen.»

Mit dem Sportplatz wurde ein Angebot für die Jugendlichen geschaffen.

Mit dem Sportplatz wurde ein Angebot für die Jugendlichen geschaffen.

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Etwas tun zu wollen bezüglich Entwicklung in Haiti, habe mit dem Willen zu tun, «es hier aushalten zu wollen», sagt Schippert. «Wissen wir auch nicht», antwortet er auf die Frage, woher er und seine Frau die Energie nehmen. «Es gibt nichts Besseres, als Menschen eine Steigerung ihres Selbstwertgefühls zu vermitteln, ihnen zu zeigen, was sie auch noch tun könnten und wie wichtig es ist, Vertrauen zu generieren.» Es gebe Rückschläge, räumt er ein, aber die gehörten zum Leben. «Wir können von Menschen berichten, die verstanden haben und es ausleben, für andere da zu sein, für sie etwas zu tun. Das ist bestimmt eine unserer Lebensquellen.»

Nicht in den Sand gesetzt

Er freut sich darauf, «hier in der Schweiz Bericht ablegen zu können vom erlebten Positiven». Seit dem ersten Tag in Haiti seien Freundschaften entstanden, die bis heute geblieben sind. «Es gibt Menschen, die uns ihr vorgezogenes Erbe anvertrauen: Das ist kein in den Sand gesetztes Gut, sondern bedeutet Leben für Menschen, die keine Hoffnung haben. So viel Vertrauen uns gegenüber macht uns stolz.»

Bis 26. August weilen Cornelia und Gerhard Schippert in der Schweiz. Dann werden sie zusammen mit dem Präsidenten-Paar des Vereins Lemuel Swiss erneut aufbrechen in Richtung des karibischen Inselstaats. Sie sind gespannt, «was aus höherer Warte im nächsten Abschnitt auf uns wartet».

Gottesdienst in der reformierten Kirche Birr am Sonntag, 1. Juli, 10.10 Uhr mit anschliessendem Programm im Pfrundhaus.