Mönthal

Ultraläufer einen Tag nach dem Weltrekord: «Mein ganzer Körper schmerzt»

Zieleinlauf mit dem Team in Lausanne: «Es machte sich sofort Erschöpfung, aber auch Entspannung breit», sagt Simon Schmid.

Zieleinlauf mit dem Team in Lausanne: «Es machte sich sofort Erschöpfung, aber auch Entspannung breit», sagt Simon Schmid.

Ultraläufer Simon Schmid hat am Sonntag nach 59 Stunden und 30 Minuten Lausanne erreicht. Zuvor spuhlte er 370 Kilometer zu Fuss ab. Nun hat er sich einen Tag Ruhe gegönnt. Etwas Zeit für ihn, die ersten Eindrücke und Erlebnisse zu sortieren.

Es ist Montag. Tag 1 nach dem Weltrekord des Ultraläufers Simon Schmid. Er ist in seinem Zuhause in Mönthal. Das Telefon nimmt er mit gewohnt fröhlicher Stimme ab. Nichts deutet auf die Strapazen hin, die er hinter sich hat. Sogar zum Witzeln ist er aufgelegt: «Falls ich nichts mehr sage, dann bin ich am Telefon eingeschlafen.»

Erschöpft und gleichzeitig entspannt

Während seines Laufs durch die Schweiz hat Simon Schmid zwei Nächte lang kein Auge zugetan. Lediglich in der ersten Nacht gönnte er sich und seinem Körper eine Stunde Ruhezeit. 370 Kilometer hat Simon Schmid zurückgelegt – zu Fuss. 59 Stunden und 30 Minuten hat er für die Strecke von Romanshorn nach Lausanne gebraucht, ursprünglich hat er mit 72 Stunden geplant. Am Sonntagnachmittag ist er dann um 15.30 Uhr in Lausanne angekommen. Begleitet von seinem 14-köpfigen Team brachte er die letzten 500 Meter hinter sich.

Der Ultraläufer Simon Schmid läuft in Brugg ein. Dort gönnt er sich eine Abkühlung und wird mit erfrischenden Getränken versorgt.

Ultraläufer Simon Schmid gönnt sich in Brugg eine Abkühlung und wird mit erfrischenden Getränken versorgt.

«Es machte sich sofort Erschöpfung, aber auch Entspannung breit», sagt Simon Schmid. Das heisst aber noch lange nicht, dass der Ultraläufer danach selig schlummern konnte. Im Gegenteil: Nur gerade fünf Stunden konnte er in der Nacht auf Montag schlafen und das nicht einmal am Stück.

«Mein ganzer Körper schmerzt», sagt er. «Vor allem die Fusssohlen.» Auch braucht es seine Zeit, bis sich der Kreislauf nach der enormen Leistung wieder erholt hat. «Das ist jetzt aber nichts Aussergewöhnliches», erklärt Simon Schmid. «Das bin ich mir auch von anderen Läufen gewöhnt. Ich kann aufrecht gehen. Mir geht es also entsprechend gut.»

Auch nach 130 Kilometern kann Simon Schmid noch Lachen.

Auch nach 130 Kilometern kann Simon Schmid noch Lachen.

Ablenken und nicht anstrengen

Trotzdem quälen ihn die Schmerzen. Sein Rezept dagegen: Sich davon ablenken und nichts Anstrengendes unternehmen. Zwischendurch lagert er die Füsse hoch, lange hält er das aber nicht aus. Darum hat er sich dafür entschieden, bereits heute Dienstag wieder arbeiten zu gehen. Der 45-jährige Pflegefachmann gönnt sich nächste Woche zwei freie Tage. «Es braucht seine Zeit, bis ich all das Erlebte im Kopf verarbeitet habe. Die Aufarbeitung kommt erst noch», sagt er.

Regierungsrat am Strassenrand

Trotzdem sind einige Momente präsent in Simon Schmids Kopf. Er erzählt vom Freitagmorgen, als er um 3 Uhr aufstand und das Hotelzimmer verliess. Draussen war es noch dunkel, alles schlief. Nur der Begleitbus und sein Team standen bereit. Das Loslaufen sei dann sehr emotional gewesen.

Er erinnert sich auch an die Begegnung mit zwei Läuferinnen im Wald bei Bischofszell (TG). «Die zwei Frauen liefen vor mir. Und kurz, bevor ich sie überholte, blickte eine zurück und sagte dann zu mir: ‹Du bist doch der, der an den Genfersee läuft!› Das sind so besondere Momente, die ich auf meinem Lauf immer wieder erleben durfte.» Er wurde am Strassenrand erkannt. Fremde Menschen standen mit Plakaten da und feuerten ihn an.

«Das hat mich überwältigt.» In Königsfelden traf er am Strassenrand gar auf den Aargauer Regierungsrat Alex Hürzeler. «Er hat mir gratuliert, das war etwas Einzigartiges.» Ein spezieller Moment war, als er über eine Hügelkuppe lief und in der Ferne den Genfersee glitzern sah. «Meine Begleiter und ich stiessen Freudenschreie aus.»

Nichts Grossartiges mehr dieses Jahr

Bleibt also noch die Frage, welche Ziele sich Simon Schmid nach diesem Weltrekord setzt. «Ich kenne das Gefühl, dass man immer etwas noch Grösseres erreichen will», gibt er zu. «Aber ich will mich ja nicht kaputt machen.»

Immer noch mehr und noch besser; in dieses Muster will der Mönthaler nicht verfallen. «Darum kann man von mir in diesem Jahr nichts Grossartiges mehr erwarten», sagt er. Aber den Waffenlauf in Frauenfeld, den lässt er sich nicht entgehen.

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