Wer aus dem Ausland in die Schweiz kommt, ist am Anfang vor allem eines: überfordert. Austauschstudenten soll nun der Alltag an der Hochschule für Technik an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) in Brugg-Windisch erleichtert werden. Studierende aus dem Intercultural Awareness Modul von Dozentin Ann Marie Jakob haben sich des Themas angenommen. Profitieren sollen auch alle Erstsemestler, die sich an der FHNW zurechtfinden müssen.

In Kleingruppen haben die Studierenden Ideen entwickelt, wie den Kommilitonen aus dem Ausland geholfen werden kann. So wurde eine Welcome-Party für Kanadier organisiert, eine Exkursion in der Region durchgeführt, Interviews zu den Bedürfnissen der ausländischen Studierenden gemacht sowie ein Buddy-System – also ein Götti-Gotti-System – eingeführt.

Studentin Aline von Jüchen (21) ist ein Teil dieses Buddy-Systems. «Es ist bereichernd, sich mit den Studierenden aus dem Ausland auszutauschen.» Oftmals würden sich die Austauschstudenten über den vollen Stundenplan wundern. Auch die Kanadierin, die von Aline von Jüchen betreut wird, bekundete am Anfang Mühe damit.

«Der Umgang mit dem Geld und das Einkaufen waren ebenfalls schwierig für sie», sagt die Innerschweizerin, die in Windisch in einer Studenten-WG wohnt. «Als sie das erste Mal einkaufen war, kam sie total erschlagen zurück.» Nebst dem Buddy-System gibts noch zwei weitere Konzepte. Patrik Lustenberger (31) und Aline von Jüchen stellen diese genauer vor.

Ein Survival Guide und eine App

Von Jüchen erstellte mit ihrer Gruppe einen gedruckten Survival Guide aus Sicht der Studierenden. Dieser besteht aus zwei Teilen: Einerseits gibt es Tipps und Tricks zum Leben in der Schweiz im Allgemeinen, andererseits konkrete Ausführungen zu den Abläufen an der Fachhochschule. «Es geht darum, den Studierenden zu zeigen, wie man ein Bankkonto eröffnet, wo sie günstig einkaufen können, wie sie eine SIM-Karte erwerben oder wie sie den öffentlichen Verkehr benutzen können», erklärt Aline von Jüchen, die im zweiten Semester Energie- und Umwelttechnik studiert.

Dazu kommen Ideen für Ausflüge in der Schweiz oder für den Ausgang. «Die Region hier bietet ja bezüglich Ausgang nicht allzu viel, darum weisen wir auf andere Städte wie Baden, Aarau oder auch Zürich hin», sagt Aline von Jüchen. Zudem wird auf das Freizeit- und Sportangebot der FHNW aufmerksam gemacht, beschrieben, wo sich welche Räume befinden. Es ist ein Guide von Studierenden für Studierende. Denn Aline von Jüchen weiss: «Die offiziellen Unterlagen der FHNW werden von vielen gar nicht angeschaut.»

Auch digital soll den Austauschstudierenden geholfen werden. Die Gruppe von Patrik Lustenberger erstellte ein Konzept für eine App, die alle wichtigen Infos zur FHNW beinhalten soll. Die Ausgangslage beschreibt Lustenberger so: «Der ganze Campus ist mit Wi-Fi ausgestattet und praktisch jede Person hier dürfte ein Handy haben. Eine App ist also bestens geeignet, um die Studierenden zu informieren.»

Mehrsprachigkeit ist wichtig

Die Idee: Die wichtigsten Infos von sämtlichen Plattformen der Website der FHNW sollen auf der App verfügbar sein. Dazu kommt ein Kalender, wo Freizeitaktivitäten aufgeführt werden, sowie ein Lageplan, wo sich was auf dem Campus befindet. «Wir alle hatten am Anfang auch Schwierigkeiten, uns zurechtzufinden. Unsere Erfahrungen sollen in die App einfliessen», sagt Patrik Lustenberger, der iCompetence studiert und im Sommer seinen Abschluss macht.

Ganz wichtig: Die App soll in mehreren Sprachen verfügbar sein. Denn das Intranet sowie die interne Kommunikation der FHNW sind ausschliesslich auf Deutsch. Die offizielle Website der FHNW gibt es zwar auf Englisch, sei aber nicht so bekannt, meinen die Studierenden. Ausserhalb der Informatik gebe es zudem nur wenige Module auf Englisch.

Das Konzept für die App steht also. In einem weiteren Schritt sollen andere Studierende im besten Fall die App entwickeln. Sämtliche Projektideen werden zudem vom International Office der Hochschule für Technik FHNW begleitet. Dieses kümmert sich um die Anliegen der Austauschstudenten. Englisch-Dozentin Ann Marie Jakob, stellvertretende Leiterin des International Office, ist begeistert vom Einsatz der hiesigen Studierenden für die ausländischen Kommilitonen. «Das Engagement ist beeindruckend.»