Windisch/Lenzburg

Tüfteln ist seine Leidenschaft: Rotsch Weber kreiert aussergewöhnlichen Schmuck und Automaten

Der Künstler Roger «Rotsch» Weber stellt an der Authentica Messe in Brugg seine «Rotsch-o-maten» und seine Schmuckkreationen aus. Der Künstler arbeitet in seiner Werkstatt im Wisa-Gloria Areal in Lenzburg.

Der Drache hebt seine Flügel, schwingt sich in die Lüfte. Als Schattenspiel sieht er schon fast etwas bedrohlich aus, von nahem ist der kleine Drache aus Eisendraht aber ganz niedlich und zahm.

Er ist nämlich einer von vielen faszinierenden Automaten, die Künstler Roger «Rotsch» Weber herstellt. Zu sehen sind sein Schmuck und seine Automaten an der Spezialitätenmesse Authentica in und rund um die Klosterkirche Königsfelden in Windisch.

Wir treffen Rotsch Weber, Jeanshemd und Schiebermütze, für das Gespräch in seiner Werkstatt im Wisa-Gloria Areal in Lenzburg. Die Frühlingssonne blinzelt in den Raum, der zugestellt ist mit Maschinen, Kisten und Werkzeugen. Rotsch Weber ist gerade dabei, seine Sachen für die Ausstellung zu packen.

Rotsch Weber und seine aussergewöhnlichen Automaten in seiner Werkstatt im Wisa-Gloria Areal in Lenzburg.

Rotsch Weber und seine aussergewöhnlichen Automaten in seiner Werkstatt im Wisa-Gloria Areal in Lenzburg.

Eine Vitrine gibt den Blick frei auf seine kleinen Kurbelautomaten. Da ist die Krabbe Klara, die ihre Scheren bewegt, ein Liebespaar, das sich küsst, wenn jemand an der Kurbel dreht oder ein Akupunkteur, der seinem Patienten die Nadeln in den Rücken rammt. Als «Rotsch-o-mat» bezeichnet er diese Automaten. In einer Ecke steht eine Ukulele. Rotsch Weber ist auch Musiker, absolvierte nach seiner Lehre als Goldschmied die Jazzschule und spielte Bass.

Mechanisches «Tamagotchi»

Mit einem Werk hat es Rotsch Weber kürzlich in das Buch «Narrative Jewelry» von Mark Fenn geschafft. Das «Tamarotschi» ist eine mechanische Abwandlung des in den 1990er-Jahren beliebten «Tamagotchi». Das «Tamarotschi» wird – wie sein digitales Pendant – gefüttert und gestreichelt.

Mit einem magnetischen Stab kann man Metallkugeln zum Maul führen und das Ding füttern. «Frisst es brav, kann man es mithilfe einer Kurbel auf der Rückseite des Anhängers über den Kopf streicheln», erklärt Rotsch Weber. Der Vorteil: «Danach kann man es tagelang liegenlassen ohne, dass es gleich verhungert», scherzt er.

Die Interessen des 54-Jährigen sind vielseitig und vielschichtig, was sich in seinem Schaffen niederschlägt. Einerseits gestaltet der gelernte Goldschmied Schmuck. Beispielsweise Ringe aus Edelmetall, versehen mit einem Bergkristall, oder auch grossgliedrige Halsketten, deren filigrane Struktur auf dem Edelmetall vom Abdruck von St. Galler Spitze stammt.

Neuerdings fertigt Rotsch Weber auch Ohrenanhänger aus Eierschalen. In einem langwierigen Verfahren hat er herausgetüftelt, wie er den Eierschalenschmuck so herstellen kann, dass er nicht kaputt geht.

Robo-drink-o-mat

Robo-drink-o-mat

Roboter mischen und brauen einen Trank, der, nachdem dieser den Darm einer mutierten Kellerassel durchlaufen hat, kurz degustiert und dann dosiert ausgeschenkt wird.

Hauptsache beweglich

Ausprobieren, herumtüfteln, das liegt Rotsch Weber. Er sprudelt vor Ideen. Nicht jede verwirklicht er. Manchmal dauert es auch fünf Jahre, bis aus einer Idee ein Kunstwerk wird. «Eine Idee muss mir wichtig genug sein, damit ich sie vollenden kann», sagt er.

Schon als Kind gestaltete Rotsch Weber Figuren. «So richtig Freude bereiteten sie mir aber erst, wenn sie etwas bewegen konnten», sagt er. Auch Comics zeichnete er. Bis heute lässt er sich davon inspirieren.

Grösste Inspirationsquelle sind aber die Natur und die Tiere. «Fische haben es mir besonders angetan», sagt Rotsch Weber. «Wenn ich im Zoo bin, schaue ich mir am liebsten die Aquarien an.» Reisen zu einem Tuareg-Silberschmied oder nach Sri Lanka haben seine Arbeit ebenfalls geprägt.

Weil das, was Rotsch Weber macht, nicht gerade als gewöhnlich bezeichnet werden kann, erhielt er rasch Aufträge. Heute fertigt er Automaten an für Museen oder Schaufenster, auch ein Bühnenbild hat er schon gestaltet.

Werkeria

Werkeria

Auftragsarbeit für die Werkeria in Chur.

Vor seinem Umzug in die heutige Werkstatt war Rotsch Weber als Goldschmied tätig. 1988 gründete er die Schmuckwerkstatt in Aarau mit Christine Buser. Später zog es ihn zu Mehr & Wert, ebenfalls in Aarau. Vor sieben Jahren stieg er aus. «Ich wollte mich wieder auf das Handwerk fokussieren», erklärt er.

An diesem Wochenende nimmt er nun zum dritten Mal an der Authentica teil. «Mir gefällt das durchmischte Publikum an der Spezialitätenmesse», sagt er. «Da entstehen interessante und lustige Gespräche. Zudem ist das Ambiente der Klosterkirche irrsinnig.» Wichtig sei ihm jeweils das Feedback der Menschen. «So sehe ich, ob ich mit meinem Schaffen weiterhin auf dem richtigen Weg bin.»

Authentica von heute Freitag bis Sonntag bei der Klosterkirche Königsfelden. Eintritt: 10 Franken.

Akupunktur

Akupunktur

Kurbelautomat - Musik: halbprivat / written by Nicky Rushton

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