Remigen

Tschäggeli – das älteste Büsi der Schweiz

Max Hartmann (86) feiert Tschäggelis 26. Geburtstag. Auf dem linken Auge ist die Katzendame blind. «Wir sind beide nicht mehr die Jüngsten.»

Max Hartmann (86) feiert Tschäggelis 26. Geburtstag. Auf dem linken Auge ist die Katzendame blind. «Wir sind beide nicht mehr die Jüngsten.»

Max Hartmann (86) aus Remigen ist sich sicher: «Ich habe die älteste Katze der Schweiz.» Tschäggeli, wie sie liebevoll genannt wird, feiert in diesen Tagen den 26. Geburtstag.

Das Bändeli des Lindt-Schoggi-Hasen aus vergangenen Ostertagen um den Hals, das linke Auge getrübt, das Gehör nicht mehr das beste. Tschäggeli ist der grosse Star in Remigen.

Gleichzeitig mit dem Besuch läuft die Katzendame in die Wohnung des Besitzers. So, als würde sie dem Gast stolz zeigen wollen, wo sie lebt. In einem Brief schrieb Max Hartmann aus Remigen dem «Sonntag», dass seine Tschäggeli «die älteste ausgewiesene Katze der Schweiz» sei und in diesen Tagen ihren 26. Geburtstag feiere, was einem Menschenalter von 130 Jahren entspreche.

«Komm, Tschäggeli, komm», begrüsst Besitzer Max Hartmann seine Katzendame. «Sie ist ein sehr verschmustes Büsi», sagt er umgehend. Doch das 26-jährige Büsi reagiert nicht und versucht von dannen zu traben.

Als Hartmann sie packt und streicheln will, zuckt Tschäggeli zusammen. «Sie hört eben nicht mehr gut und wird deshalb oftmals erschreckt – wie ich auch», sagt der 86-Jährige, lacht und zupft sein Hörgerät zurecht.

Viel Wasser und viel Aufmerksamkeit

Tschäggeli ist auf dem linken Auge blind. Und das ist nicht etwa altersbedingt. Vor vier Jahren hatte sie eine Augenentzündung, die der Tierarzt mit einer Spritze behandeln wollte. «Da erwischte er einen Nerv», sagt Hartmann.

Tschäggeli wurde im Mai 1985 auf dem Hof der Weinbau-Familie Hartmann in Remigen geboren. «Seit meine Frau vor 12 Jahren gestorben ist, begleiten wir einander auf Schritt und Tritt», sagt der 86-Jährige.

Der Schlüssel für ein langes Katzenleben scheint Hartmann in der Ernährung und der Liebe zum Tier zu kennen. «Auch Tiere haben eine Seele. Sie brauchen viel Aufmerksamkeit», weiss er.

Und: Tschäggeli hat kein Fressnäpfchen. Hat sie Hunger, ist der Katzen-Papa zur Stelle. «Sie kommt zu mir und sagt mir, dass sie Hunger hat. Dann bekommt sie immer einen Löffel Nassfleisch», sagt Hartmann. Sie frisst zwei Beutel Futter zu je 100 Gramm pro Tag.

Und besonders wichtig: Tschäggeli trinkt täglich über einen halben Liter Wasser. «Das hält sie bestimmt fit», meint Hartmann. Seine Königin hat ausserdem das Privileg, im Gästezimmer zu übernachten. «Auf einem grossen Bett. Und Tschäggeli kann sich auf einem grossen Hof austoben. Sie lebt hier wie der Heiland in Frankreich», sagt er und lacht.

Tschäggeli dürfte trotz allem aber auch sehr gute Gene haben. Schon ihre Mutter wurde 24 Jahre alt. Ihr Bruder kam eines Tages im Alter von 3 Jahren nicht mehr nach Hause. «Er war noch viel schöner gezeichnet. Bestimmt wurde er gestohlen», glaubt Hartmann.

Dass Tschäggelis Tage gezählt sind, daran will der Besitzer gar nicht erst denken. «Wir sind beide nicht mehr die Jüngsten. Ich hoffe und glaube fest daran, dass Tschäggeli und ich gemeinsam von der Welt gehen. Denn wir sind einfach füreinander bestimmt – gäll, Tschäggeli?», sagt der 86-Jährige und streichelt über ihren Rücken. Tschäggeli erschrickt und gibt einen kleinen Pieps von sich.

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