Schinznach-Dorf
«Trovatore»-Kulisse wächst vor Gartencenter aus dem Boden

Mit der Bizet-Oper «Carmen» landete die Oper Schenkenberg 2010 einen Hit. Nun hofft sie auf den zweiten mit Giuseppe Verdis «Il Trovatore». Im Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf ist der erste, monumentale Kulissenteil aufgebaut worden.

Elisabeth Feller
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Das Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf wird zum Opernort: Hier wird gerade die Rückwand zum «Trovatore» an die Gewächshäuser angebaut.

Das Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf wird zum Opernort: Hier wird gerade die Rückwand zum «Trovatore» an die Gewächshäuser angebaut.

ZVG

«Will der Zulauf vergrössern?» Fragend blickt eine Kundin des Gartencenters ihren Mann an. Das Ehepaar steht neben seinem Auto auf dem Parkplatz und versteht die Welt nicht mehr.

Denn dort, wo sich ansonsten Glashallen befinden, steht eine Rückwand, die direkt an die Gewächshäuser des Gartencenters angebaut wurde. Sie ist imposante 15 Meter hoch und lässt damit erahnen, welche Grösse die künftige Arena für das sommerliche Open-Air-Spektakel aufweisen wird.

Mit ihren rostfarbenen Feuertreppen erinnert die monumentale Rückwand an die Hinterhöfe amerikanischer Metropolen.

Ist diese Wand Bestandteil eines neuen Chicago? Falls ja, weshalb muss diese Stadt ausgerechnet im Gartencenter Zulauf nachgebaut werden?

Weil es sich um den jüngsten Streich der Oper Schenkenberg handelt: Sie wird am genannten Ort im August Giuseppe Verdis Opernhit «Il Trovatore» spielen. Für den Bühnenbilder Karel Spanhak «ist dieser Bühnenbau das Grösste, was ich je entworfen habe.»

Nun, da der erste Kulissenteil aufgebaut worden ist, sind die Ausmasse sichtbar. Allein im März sind 200 Tonnen Stahl und Beton verbaut worden – bis zum Ende, wenn die gesamte Konstruktion steht, dürften es rund 800 Tonnen sein (siehe Box).

Der Bühnenbau zum «Trovatore»

Der international renommierte Bühnenbildner Karel Spanhak ist - nach «Carmen» - auch beim «Trovatore» mit von der Partie. Er ist für den Bühnenbau verantwortlich. Die Bauten wurden auch diesmal in Werkstätten in Minsk (Weissrussland) hergestellt. Der Theaterbau greift die Architektonik der Gewächshäuser spielerisch auf und schafft mit Glas und Stahl ein Ambiente, das an den amerikanischen Bauboom des frühen 20. Jahrhunderts erinnert. In dieser Zeit, die von Machtkämpfen zwischen rivalisierenden Gruppen und Mafiagangs geprägt war, situiert Regisseur Andreas Baesler seine «Trovatore»-Inszenierung. Aufführungsdaten:
13. bis 31. August 2013.
www.operschenkenberg.ch (EF.)

Nun wird aber erst einmal eine Baupause eingelegt, damit möglichst viele Interessierte sehen können, was im Gartencenter entsteht.

Weshalb nimmt dieses in Kauf, dass es Gewächshäuser und weitere grosse Flächen opfern muss, damit «Il Trovatore» über die Bühne gehen kann? Für Opernfan Johannes Zulauf ist das Mitmachen Ehrensache.

Als er von Peter Bernhard, Intendant der Oper Schenkenberg, angefragt wurde, ob er sich eine Freilichtoper auf dem Gelände des 30 Hektaren grossen Gartencenters vorstellen könne, sagte er «spontan ja».

Zulauf erschrak über die eigene Courage, «doch das reizvolle Projekt liess mich nicht mehr los.» Natürlich gibt es innerbetriebliche und logistische Probleme zu lösen – ab Juni erst recht, wenn weitere Bühnenbauten entstehen.

Dann fallen rund 180 reguläre Parkplätze weg, wobei für Ersatz an anderer Stelle gesorgt ist. Lächelnd sagt Zulauf: «Wir alle werden während Wochen eher an der Peripherie und auch im Freien arbeiten müssen.»

Die Versandhalle – vor der die Rückwand steht – wird geräumt. Denn dort, wo normalerweise Pflanzen für den Versand bereitgestellt werden, ziehen das Orchester und sein Dirigent Marc Tardue ein.

Nicht nur sie. «Wer als Zuschauer auf der Tribüne in die Halle blickt, wird eine Stadt entdecken: Chicago», sagt Spanhak. Der Bühnenbildner strahlt, als er auf die Glasfenster zu sprechen kommt.

Sie sind herausgenommen und durch einen matten Kunststoff ersetzt worden. Spanhak will damit an marode Fabrikhallen erinnern und so «eine unheimliche Situation schaffen».

Dass die neuen «Fenster» feuerfest sind, versteht sich, denn Feuer wird in dieser «Trovatore»-Inszenierung eine wichtige Rolle spielen – etwa, wenn Gangster und Mafiosi um Fässer stehen und sich die Hände am Feuer wärmen.

Dass dieses Element derart viel Gewicht bekommt, in der Schinznacher Aufführung, verwundert nicht: Schliesslich erinnert die Zigeunerin Azucena im «Trovatore» an den Tod ihrer Mutter mit jener Arie, die jeden Verdi-Fan erschauern lässt: «Stride la vampa» («Lodernde Flammen schlagen zum Himmel auf»).

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