Budget 2015
Trotz Schulden: Steuerfuss von 118 Prozent steigt in Windisch nicht

Knapp eine halbe Million Franken fehlt, um die Investitionen der Gemeinde Windisch im kommenden Jahr aus eigenen Mitteln zu zahlen. Der Gemeinderat lässt sich deshalb auch bei der Schulraumplanung Zeit und hofft auf den Anstieg des Steuervolumens.

Claudia Meier
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Gemeindeammann Heidi Ammon informiert über das Windischer Budget 2015.

Gemeindeammann Heidi Ammon informiert über das Windischer Budget 2015.

Die Gemeinde Windisch boomt – jedenfalls in Sachen Neuzuzüger: Seit wenigen Monaten ist die Bevölkerungszahl auf über 7000 Einwohner geklettert, bis Ende 2015 sollen es 7300 sein. Nicht ganz so rosig sehen die finanziellen Perspektiven aus. Dies machen am Montag Gemeindeammann Heidi Ammon und der Leiter der Abteilung Finanzen, Marco Wächter, an einer Medienorientierung deutlich. Im Budget 2015 der Gemeinde Windisch klafft ein Loch von knapp einer halben Million Franken.

«Trotz sehr restriktiver Budgetierung» können in der Gemeinde bloss Nettoinvestitionen in der Höhe von 1,36 Mio. Franken aus eigenen Mitteln finanziert werden. Um die notwendigsten Investitionen zu tätigen, müsste eine Selbstfinanzierung von 2,5 Mio. Franken angestrebt werden. «Soviel dürfen wir im nächsten Jahr aber nicht ausgeben, sonst würden die Schulden wieder steigen», sagt Heidi Ammon. «Diese sind mit 3200 Franken pro Kopf bereits hoch», ergänzt Finanzleiter Marco Wächter.

Steuerfuss bleibt unverändert

Auch eine Erhöhung des Steuerfusses von aktuell 118 Prozent ist kein Thema. «Der Gemeinderat hat sich zum Ziel gesetzt, den Steuerfuss in der laufenden Legislatur nicht zu erhöhen», sagt Gemeindeammann Ammon. Ob sich das so realisieren lasse, sei nicht zuletzt auch von der Entwicklung des Steuervolumens abhängig. Für die Neuzuzüger sei der Steuerfuss übrigens nicht zentral, so Ammon weiter. Viel wichtiger für die Wahl des Wohnsitzes seien die Lage, die gute Verkehrsanbindung und die Infrastruktur. Unter diesem Aspekt habe sich die Gemeinde Windisch in den letzten Jahren in die richtige Richtung entwickelt, betont Ammon.

Bei den Investitionen 2015 liegt der Fokus auf den Ausbau- und Unterhaltsarbeiten der Gemeindestrassen. Noch nicht vom Einwohnerrat genehmigt, aber dennoch budgetiert, sind unter anderem ein Projektierungskredit für die Schulraumplanung sowie Ausgaben für die Sanierung des Freibads Heumatten.

Schulen beanspruchen viel Geld

Heidi Ammon rechnet mittelfristig wieder mit höheren Ausgaben: «Eine gute Aufteilung zwischen Hoch- und Tiefbauten ist nicht ganz einfach.» Bei den Schulanlagen Reutenen und Dohlenzelg bestehe beispielsweise grosser Handlungsbedarf. Wichtig sei dem Gemeinderat aber, zuerst eine genaue Bestandesaufnahme zu machen und vorsichtig zu planen. Bis dann zeige sich auch, wie sich die Steuereinnahmen entwickelten.

Sozialdetektiv hat sich bewährt

«Bei uns ist jeder Neuzuzüger willkommen», sagt Heidi Ammon. Steigen mit den vielen Neuzuzügern nicht auch die Kosten für die Sozialhilfe? Marco Wächter sagt dazu: «Wir rechnen 2015 mit leicht tieferen Zahlen als im laufenden Jahr.» Entscheidend für die Gemeinde sei, ob im Rahmen der laufenden Revision die Kantonsbeiträge für die Sozialhilfe gestrichen würden oder nicht, sind sich Ammon und Wächter einig. Die Interessengemeinschaft (IG) «für einen fairen Finanz- und Lastenausgleich», in der Heidi Ammon den Vorsitz hat, werde die Revision genau unter die Lupe nehmen und mit Zahlenbeispielen eruieren, was die Änderungen für die Gemeindekasse ganz konkret bedeuteten.

«Die Sozialhilfe ist eine wichtige Institution», so Ammon, die sich gegen die weitverbreitete Meinung wehrt, wonach nur Ausländer und keine Schweizer diese Unterstützung beanspruchten. Seit 2006 habe die Gemeinde Windisch die Kontrollen verschärft und gezielt Sozialdetektive eingesetzt, wenn Verdacht auf Missbrauch bestand. Das war 2013 dreimal der Fall und dreimal führte der Einsatz zum Erfolg. «Missbrauch kann überall vorkommen – nicht nur bei der Sozialhilfe, sondern auch bei den Steuern», räumt sie ein. Das Thema Steuermissbrauch und -optimierung werde in der Öffentlichkeit aber noch zu wenig wahrgenommen.

Werden Grundstücke verkauft?

Die Gemeinde könne nur einen kleinen Teil der Ausgaben selber steuern. Schiebt der Kanton weiterhin Kosten auf die Gemeinden ab, werde der Handlungsspielraum enger. Um künftig alle notwendigen Investitionen zu realisieren, müsse auch die Veräusserung von Finanzvermögen – wie Grundstücke oder Liegenschaften – thematisiert werden, so Ammon.

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