Wegen ihrer ruhigen und ruckfreien, sauberen und leisen Fahrt sind die Brennstoffzellenpostautos beliebt bei Fahrgästen, Personal und Anwohnern. Aber: Voraussichtlich bis Ende Monat werden die fünf Fahrzeuge von den Strassen in der Region Brugg verschwinden. Der Versuchsbetrieb wird eingestellt.

Gestern Mittwoch haben Vertreter von Postauto, Behörden und Partnern Bilanz gezogen im Busdepot im Brugger Wildischachen. Dieses Projekt sei von Anfang an auf fünf Jahre ausgelegt gewesen, erklärte Patrick Zingg, Leiter Postauto-Region Nordwestschweiz. Es sei darum gegangen abzuklären, ob der Einsatz von mit Wasserstoff angetriebenen Fahrzeugen im öffentlichen Verkehr möglich sei. Sein – positives – Fazit: Zusammen mit den starken Partnern habe aufgezeigt werden können, dass es im regionalen Personenverkehr und im täglichen Linienbetrieb Alternativen zu den Dieselbussen gebe.

Postauto-Geschäftsleiter Reto Huber steuert ein Brennstoffzellenpostauto durch Brugg

Postauto-Geschäftsleiter Reto Huber steuert ein Brennstoffzellenpostauto durch Brugg

Dazu Stimmen von ; Patrick Zingg, Leiter Postauto-Region Nordwestschweiz, und Daniel Moser, Stadtammann Brugg.  

Die Serienproduktion fehlt

Dass dieses Projekt trotz erfreulicher Bilanz und erreichter Ziele ausläuft, hängt laut Zingg vor allem mit der heutigen Technik und der noch fehlenden Wirtschaftlichkeit zusammen. Die Brennstoffzellenpostautos seien deutlich teurer als konventionelle Fahrzeuge – nicht nur bei der Beschaffung. Die Betriebskosten seien etwa dreimal so hoch wie bei einem neuen Dieselfahrzeug, führte Zingg aus.

Durch eine Verlängerung des Versuchsbetriebs könnten keine neuen Erkenntnisse gewonnen werden und überdies sei längerfristig die Ersatzteilbeschaffung nicht gewährleistet, weil die Fahrzeuge Prototypen seien, ergänzte der Leiter der Postauto-Region Nordwestschweiz. Eine Serienproduktion, wie ursprünglich erhofft, gebe es noch nicht. Hoffnung besteht laut Zingg aber, dass Bewegung in den Markt kommt, was sich positiv auf die Preise auswirken wird. Die Entwicklung werde jedenfalls aufmerksam verfolgt. Denn für Postauto gelte es, die CO2-Effizienz zu steigern und – auf lange Sicht – von fossilen Treibstoffen wegzukommen.

Der Brugger Stadtammann Daniel Moser sprach – «trotz Zwischenstopp» – von einer Erfolgsstory und erinnerte an die damalige Eröffnungsfahrt Ende 2011. Zu spüren gewesen sei ein Aufbruch zu Neuem, was wichtig sei für eine vorwärts orientierte Region. Die Technologie werde sich weiterentwickeln und ohne das mutige und komplexe Projekt in Brugg würde es wahrscheinlich nicht so schnell gehen.

Der Betrieb in Brugg sei positiv wahrgenommen worden und habe etwas angestossen, sagte auch Stefan Oberholzer vom Bundesamt für Energie. Er lobte die Beteiligten für das Engagement und dankte für die praktischen Erfahrungen, die gesammelt werden konnten. Das Thema, zeigte er sich überzeugt, sei nicht erledigt. Insbesondere bei schweren Fahrzeugen könne Wasserstoff durchaus eine Rolle spielen in Zukunft.

Alternativen bleiben ein Thema

Dieser Aussage schloss sich Werner Leuthard an, der Leiter der Abteilung Energie im kantonalen Departement Bau, Verkehr und Umwelt. Er machte darauf aufmerksam, dass der Kanton viel investiert in den öffentlichen Verkehr und sich einsetzt für eine energieeffiziente Mobilität. Neue Antriebssysteme würden unterstützt.

Dass alternative Antriebe ein zentrales Anliegen bleiben bei Postauto, legte Silvio Gely dar. Als Leiter Produktion und Mitglied der Geschäftsleitung wies er darauf hin, dass in der Schweiz mittlerweile 36 Hybrid-Postautos im Einsatz sind und Tests mit reinen Elektrobussen – die mit Batterien ausgestattet sind – stattfinden. Ziel müsse es sein, das alternative Antriebe bei den Kosten auf das Niveau von anderen Antriebsformen kommen.

Mit den fünf Brennstoffzellenpostautos war Postauto Teil des europäischen Projekts CHIC (Clean Hydrogen in European Cities), an dem sich mehrere europäische Städte beteiligten. Die Gesamtprojektkosten in Brugg beliefen sich auf 18 Mio. Franken. Ein Fahrzeug schlug mit 1,8 Mio. Euro zu Buche, inklusive 600 000 Euro für den Wartungsvertrag. Nebenbei: Was mit den bald ausrangierten Fahrzeugen passiert, steht noch nicht definitiv fest. Die Verhandlungen laufen.