Die Aktivitäten des Kath. Frauenvereins (KFV) Brugg stossen in der Regel auf grosses Echo. Die Betriebsbesichtigung bei Nordfisch – der kleinsten Lachsräucherei der Schweiz – am 23. Februar in Killwangen ist bereits ausgebucht. Das freut Organisatorin Hanni Geissmann, die seit der letzten Generalversammlung zusammen mit Sabine Gäumann als Co-Präsidentin ad interim amtet, besonders. Nichtmitglieder und Männer sind ebenfalls willkommen. Beliebt ist zudem der Spaghettiplausch, der dieses Jahr am 5. April über Mittag stattfindet. Der KFV zählt aktuell 240 Mitglieder verschiedener Konfessionen, ist aber ständig auf der Suche nach neuen und vor allem jüngeren Mitgliedern. «Ein Problem, das viele Vereine kennen», betont Gäumann.

Am Tisch an diesem Morgen sitzt auch Beatrice Rüssli. Sie hat das Präsidium nach acht Jahren abgegeben und ist wie die beiden langjährigen Mitglieder, Anita Schneider und Elisabeth Möckli, aus dem Vorstand ausgetreten. «Ich wollte ursprünglich zwei Amtsperioden – also sechs Jahre – als Präsidentin wirken. Nun wurde es ein bisschen mehr», sagt Rüssli und lächelt. Das Beziehungsnetz unter den Mitgliedern, die meisten über 55 Jahre alt, sei sehr stark und herzlich, betont sie. Zuerst sah es so aus, als ob die Dreier-Vakanz im Vorstand nicht nahtlos besetzt werden kann. Geissmann und Gäumann engagierten sich schon im Vorstand. Mit der Zusage von Susanne Gebard kann der Engpass mindestens etwas entschärft werden. «So können wir die Arbeit weiterhin gut aufteilen und müssen beim Angebot keine Abstriche machen», sind sich Gäumann und Geissmann einig.

Vor 50 Jahren getrennt

Nachwuchssorgen sind auf der anderen Seite der Bahngleise kein Thema. Co-Präsidentin Sandra Valetti von der Katholischen Frauengemeinschaft Windisch sagt: «Wir sind acht Vorstandsfrauen und haben keine Mühe, vakante Sitze wieder zu besetzen.» Die Gemeinschaft zählt rund 160 Mitglieder aus den Gemeinden Windisch, Hausen und Habsburg. Die breite Angebotspalette umfasst auch viele Anlässe für Kinder und Familien, worin Valetti einen Hauptgrund für den Vereinserfolg sieht. Bei der Kinderkleiderbörse etwa packen auch Männer und Kinder regelmässig mit an. «Unsere Töchter lernen schon früh, was die Frauengemeinschaft macht und was diese Arbeit bedeutet», fährt Valetti fort.

Im Gegensatz zur Frauengemeinschaft in Windisch, wo alle Vorstandsmitglieder zwischen 40 und 55 Jahre alt sind, hat der Frauenverein in Brugg den Generationenwechsel noch nicht geschafft. Interessanterweise gab es in der Region Brugg vor über 50 Jahren nur einen Katholischen Frauen- und Mütterverein. Mit der neu gegründeten Pfarrei Windisch wurde er 1966 aufgeteilt.

Die Frage nach einer möglichen Fusion der beiden Vereine wurde bisher nicht diskutiert. Dafür scheint es momentan auch keine Notwendigkeit zu geben, zu unterschiedlich sind die Schwerpunkte und Interessen. Die Organisationen stellen aufgrund ihrer Ausgangslage zwei Puzzle-Teile dar, die nicht wirklich zusammenpassen. «Das heisst aber nicht, dass ein Zusammenschluss mit Brugg in ein paar Jahren nicht doch noch ein Thema werden könnte», sagt Sandra Valetti.

Frauen werden im Verein gestärkt

Im Oktober dieses Jahres lancieren die Katholiken den neuen Pastoralraum Region Brugg-Windisch. Projektleiter Simon Meier sagte vor wenigen Wochen gegenüber der az, dass man künftig noch mehr auf Freiwilligenarbeit setzen wolle. Was bedeutet das für den KFV Brugg? Der Verein decke mit dem Schenkenbergertal und dem Norden (von Riniken bis Mönthal) bereits den halben Pastoralraum ab, sagt Co-Präsidentin Hanni Geissmann. Die engere kirchliche Zusammenarbeit im Pastoralraum komme einer Fusion gleich. Das sei für den Frauenverein aber nicht zwingend.

Vielmehr wollen die Bruggerinnen an den bewährten Traditionen festhalten. Ihnen bedeutet es viel, zusammen im überschaubaren Rahmen etwas auf die Beine zu stellen, von dem auch andere etwas haben: sei es ein gesellschaftlicher Anlass, eine Verkaufs- oder Spendenaktion sowie ein Ausflug. «Das führt zu vielen persönlichen und herzlichen Begegnungen und wird immer wichtiger», fährt Geissmann fort. Sabine Gäumann ergänzt: «Mir sind zudem das Karitative, die Freundschaften, die entstehen, und die Verbindung zum Glauben sehr wichtig.» Grundsätzlich spiele es aber keine grosse Rolle, wo man sich engagiere, sondern dass man sich engagiere.

Beatrice Rüssli sieht noch eine weitere Dimension: «Wir stärken die Frauen, geben ihnen in der Pfarrei und im Verein Beheimatung.» Mit anderen Worten: Der Verein macht, was er kann und als wichtig erachtet. Er sagt aber auch Nein, wenn es beispielsweise darum geht, zum wiederholten Male einen Apéro zu organisieren. «Durch die Vorstandsarbeit bekommen die Frauen dafür einen guten Rucksack», betont Rüssli. Sie ist nach dem Austritt aus dem Vorstand weiterhin beim Aargauischen Katholischen Frauenbund als Regionalvertreterin Süden sowie im Pfarreirat des Kirchenzentrums St. Nikolaus in Brugg aktiv.