Roland Jakob und Christoph Hörmann sitzen auf einem kleinen Stuhl im beinahe leer gekauften Fachgeschäft Arcta Bergsport an der Hauptstrasse 19 in Brugg und strahlen. Sie waren es, die sich für den Weiterbetrieb des Boulderraums einsetzten.

Zur Erinnerung: Die Schliessung des Arcta-Ladens hätte eigentlich das Aus für den Boulderraum hinter dem Verkaufslokal bedeutet. Kaum wurde diese Hiobsbotschaft bekannt, setzten die beiden leidenschaftlichen Boulderer und Mitglieder des Schweizerischen Alpen-Clubs (SAC) Sektion Brugg alle Hebel in Bewegung.

Sie eruierten die Nachfrage, führten Gespräche, erstellten einen Businessplan und nahmen mit dem SAC-Vorstand Kontakt auf – mit dem Resultat, dass sie den Boulderraum mindestens bis Ende Oktober ohne Unterbruch weiterführen können. Bis dann sollte für den Vermieter klar sein, wie es mit dem Ladenlokal weitergeht.

Jugendorganisation mitverantwortlich

«Das Ziel ist schon, dass wir keine rote Zahlen schreiben», sagt Christoph Hörmann. «Wir sind sehr zuversichtlich. Und wir haben diese Woche bereits 20 Abos für die nächsten sieben Monate verkauft», ergänzt Roland Jakob.

Die beiden Arcta-Geschäftsführer Tom Rüeger und Andrea Greiner bleiben in dieser Zeit formell Mieter des Boulderraums und ermöglichen somit die Weiterführung dieses Klettertreffpunkts.

Untermieter ist die SAC-Sektion Brugg, die auch die Defizitgarantie trägt. Betrieben wird der Raum für seilfreies Klettern von der zehnköpfigen Boulderraum-Kommission. Wer ein Abo hat, bekommt einen Schlüssel für den Hintereingang.

SAC-Präsident Heinz Frei sieht in diesem Engagement auch eine Art Nachwuchsförderung: «Wir sind die wichtigsten Ansprechpartner in der Region, wenn es um Bergsport geht. Über den Boulderraum bieten wir den Jungen eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung und können vielleicht auch neue Mitglieder gewinnen.» Die Jugendorganisation des SAC ist jeweils am Dienstagabend von 18 bis 21 Uhr für den Betrieb verantwortlich.

Auf der Suche nach Synergien

Dann können auch Abos gekauft werden. Die monatlichen Kosten für ein Boulderraum-Abo betragen
20 Franken respektive 10 Franken für Jugendliche unter 16 Jahren. Mit der Fachhochschule wurde eine Vereinbarung getroffen, damit die Studierenden weiterhin werktags bouldern können. In Windisch betreibt der SAC bereits seit längerem eine Kletterwand.

Erfahrungsgemäss ist im Sommerhalbjahr weniger los im Boulderraum als im Winterhalbjahr. Hörmann und Jakob sehen in der bevorstehenden schwierigeren Jahreszeit aber einen Vorteil für ihren Pilotversuch. «Wenn wir sehen, dass wir keinen Verlust machen, können wir beruhigt nach einer Anschlusslösung suchen.»

Die Zukunft hängt also einerseits von der Nachfrage und andererseits von den nächsten Mietern des Ladenlokals ab. «Je nach dem ergeben sich Synergien», sagt Jakob. «Möglicherweise ist es für den neuen Mieter sogar eine Entlastung, wenn er weiss, dass die hinteren Räume bereits vermietet sind.»

An Nähe zur Fachhochschule festhalten

Vorerst wird sich der SAC auch um Schaufenstergestaltung des leeren Ladenlokals kümmern, so lautet eine der Mietbedingungen. Vom Quartierverein Altstadt haben die Boulderer positive Signale bekommen. Präsident Konrad Zehnder ist froh, dass sich die Szene weiterhin in der Altstadt treffen kann. Am Standort Brugg-Windisch will der SAC nicht zuletzt wegen der Nähe zur Fachhochschule festhalten.

Der Club ist aber mittelfristig offen für eine andere Lokalität, sollte er die Altstadt dereinst verlassen müssen. «Wer weiss, vielleicht ergibt sich sogar eine Gelegenheit, Kletterwand und Boulderraum an einem neuen Ort zusammenzuführen», meint der SAC-Präsident Heinz Frei.

Weitere Infos über den Boulderraum unter www.sac-brugg.ch