Sie sei in den letzten Monaten oft gefragt worden, wie schlimm es denn um die Finanzen der Gemeinde Windisch stehe, sagte Gemeindeammann Heidi Ammon. Zusammen mit Marco Wächter, Leiter Abteilung Finanzen, präsentierte sie am Donnerstag die Rechnung 2013 der Einwohnergemeinde: «Wir sind sehr glücklich, dass es für die Gemeinde ein gutes Rechnungsjahr war.»

Will heissen: Die Rechnung schliesst mit einem Ertragsüberschuss von 190 838 Franken ab. Budgetiert war ein Minus von rund einer Million Franken. Grund für das gute Resultat seien die teilweise grossen Abweichungen sowohl auf der Aufwand- wie auch auf der Ertragsseite, sagte Marco Wächter.

Weniger Sozialhilfe, mehr Steuern

Über eine halbe Million Franken weniger als budgetiert musste die Gemeinde Windisch für die Sozialhilfe ausgeben. «Dieser Posten ist immer schwierig zu budgetieren», sagte Gemeindeammann Ammon. Die Differenz sei auf den «Wegfall von teuren Platzierungen sowie Therapien» und auf Rückzahlungen zurückzuführen.

Auf der Ertragsseite entwickelten sich die Einkommens- und Vermögenssteuern um über 300 000 Franken besser als budgetiert. Diese stehe in einem direkten Zusammenhang mit dem erfolgten Bevölkerungswachstum, so Ammon. «Bezogen auf den gesamten Steuerertrag von über 16 Mio. Franken, sprechen wir von einer geringen Abweichung», relativierte Marco Wächter.

Schuldenberg wächst

Durch diese Abweichungen resultiert in der Rechnung 2013 eine Selbstfinanzierung von 1,7 anstatt 0,6 Mio. Franken. Damit ist Windisch aber noch weit vom angestrebten Selbstfinanzierungsbetrag in der Höhe von 2,5 Mio. Franken entfernt. Dieser Betrag müsste die Einwohnergemeinde nämlich jedes Jahr auf der hohen Kante haben, um die notwendigsten Investitionen knapp aus eigenen Mitteln zu finanzieren und keine weiteren Schulden zu generieren, betonte Heidi Ammon.

Im vergangenen Jahr wurden Nettoinvestitionen in der Höhe von rund 5 Mio. Franken getätigt (siehe Grafik oben rechts). Dabei machte die Sanierung des Bezirksschulhauses mit
3,1 Mio. Franken den grössten Anteil aus. Weiter floss Geld in die Sanierung der Gemeinde- und Kantonsstrassen und in die Friedhofsgestaltung. Der Schuldenberg ist aufgrund der ungenügenden Selbstfinanzierung um 3,3 Mio. Franken gestiegen und beträgt neu 16,8 Mio. Franken beziehungsweise 2441 Franken pro Einwohner.

Weit unter dem Kantonsmittel

Gut 600 Franken unter dem Kantonsmittel liegt die Steuerkraft pro Einwohner (siehe Grafik oben links). Da der Steuerertrag die grösste Einnahmequelle für die Finanzierung der Gemeindeausgaben bildet, ist er eine wichtige Kennzahl in Bezug auf die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde.

«Wir wären nur schon froh, wenn wir in Windisch gleich stark wachsen würden wie im Kantonsmittel. Das bedeutet dann allerdings nicht automatisch, dass auch die Steuerkraft im gleichen Mass zunimmt», sagte Gemeindeammann Heidi Ammon.

Trotz des kleinen finanziellen Handlungsspielraums und des relativ hohen Steuerfusses von 118 Prozent könne die Gemeinde der Bevölkerung aber einiges bieten. Ammon erwähnte die Jugendarbeit, das Altersleitbild und den Treffpunkt Integration.

«Wir haben weitere Investitionen geplant. Am Steuerfuss dürfte sich daher in nächster Zeit nichts ändern. Ein grosses Thema wird die Schulraumplanung sein. Hier wollen wir eine grosse Auslegeordnung machen», so Ammon weiter.

Finanzausgleich gehört dazu

Aufgrund des Rechnungsabschlusses 2013 kann im Jahr 2015 ein Finanzausgleich in der Höhe von rund 1,4 Mio. Franken erwartet werden. Die Auszahlung erfolgt jeweils zwei Jahre nach dem dafür zugrunde liegenden Basisjahr. Marco Wächter betonte: «Der Finanzausgleich ist Teil unseres Systems. Die Gemeinde ist auch in Zukunft darauf angewiesen.»

Dieser Meinung war auch Gemeindeammann Ammon: «Wir gehen davon aus, dass wir sicher noch fünf Jahre brauchen, um den angestrebten Selbstfinanzierungsgrad zu erreichen. Im Umgang mit den Finanzen ist also weiterhin Vorsicht geboten.»

Auch wenn das Bevölkerungswachstum in Windisch zuversichtlich stimmt, so wies Ammon auf die zahlreichen Gesetzesrevisionen auf kantonaler sowie eidgenössischer Ebene hin wie neuer Finanz- und Lastenausgleich oder Steuergesetzrevision, die selbst der besten Finanzplanung wieder einen Strich durch die Rechnung machen könnten.