Schinznach
Trotz Finanzdebakel: Regionale Sponsoren wenden sich noch nicht von Oper ab

«Schenkenberg»-Intendant Peter Bernhard kann vorerst weiterhin auf Unterstützung zählen. Für die Produktion 2016 hat er aber bereits Änderungen eingeleitet. Sparpotenzial sieht er bei der Logistik, der Administration und beim Bühnenbild.

Claudia Meier und Barbara Schlunegger
Merken
Drucken
Teilen
Peter Bernhard und Mary Elizabeth Williams bei der Inszenierung von «Il Trovatore» im Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf.

Peter Bernhard und Mary Elizabeth Williams bei der Inszenierung von «Il Trovatore» im Gartencenter Zulauf in Schinznach-Dorf.

Ingo Höhm

So war das nicht geplant: Der Intendant der Oper Schenkenberg, Peter Bernhard, wollte die Presse erst kommende Woche über die finanziellen Probleme und das nächste Projekt informieren. Doch das Finanzdebakel sickerte bereits durch (die az berichtete). «Ich verstehe, dass gewisse Gläubiger verärgert sind», räumt Bernhard ein.

Beim Aushandeln der Verzichtserklärung sei aber auch der Wunsch geäussert worden, dass die Oper Schenkenberg im Jahr 2016 wieder in der Region Brugg auftreten soll. Den genauen Spielort – in der Vergangenheit war mehrmals vom Brugger Schachen die Rede – sowie den Titel des Stücks kann Bernhard aber noch nicht verraten, solange er keine schriftliche Zusage hat.

Das monumentale, bis zu 15 Meter hohe «Trovatore»-Bühnenbild beeindruckte das Publikum.
10 Bilder
Die Oper Schenkenberg ist auf der Suche nach einem neuen Standort.
Die Inszenierung von Verdis «Il Trovatore».
Peter Bernhard als «Trovatore» Manrico, neben ihm Mary Elizabeth Williams als Leonora.
Oper-Schenkenberg-Intendant Peter Bernhard.

Das monumentale, bis zu 15 Meter hohe «Trovatore»-Bühnenbild beeindruckte das Publikum.

Ingo Höhn

Neues Budget unter 3 Mio. Franken

Bernhard musste sich in den letzten Tagen viel Kritik gefallen lassen und hat bereits Änderungen in die Wege geleitet. Neu wird ihn ein kaufmännischer Direktor in der Administration entlasten. Bernhard bleibt aber Intendant und künstlerischer Leiter. Er trägt weiterhin die Hauptverantwortung. Das Budget für das nächste Projekt soll – ähnlich wie bei «Carmen» im Jahr 2010 – wieder unter 3 Mio. Franken liegen. Sparpotenzial sieht Bernhard bei der Logistik, der besser strukturierten Administration und beim Bühnenbild.

Oper Schenkenberg behauptet, weniger Schulden zu haben

Der frühere «Schützen»-Wirt aus Aarau machte seinen Verlust publik.
Er behauptet, dass der Gesamtwert des «Schützen»-Caterings rund 100 000 Franken betragen habe und ihm davon nur 40 000 Franken vergütet würden. Das stimme so nicht, sagt der Verwalter der Oper Peter Bernhard. Er liefert nun die aus seiner Sicht richtigen Zahlen.
Bis Ende 2013 habe die Oper Schenkenberg dem «Schützen» nämlich Fr. 85 876.75 bezahlt. Am Donnerstag seien nochmals Fr. 36'539.08 überwiesen worden. Die vom Restaurant Schützen unterzeichnete Verzichtserklärung belaufe sich auf einen Drittel der Gesamtkosten von Fr. 183'623.75 - genau genommen auf Fr. 61'207.92.
Das «Schützen»-Sponsoring betrage 25'000 Franken (nicht 20'000), so Bernhard weiter. (cm)

Auf der Einnahmenseite strebt der Intendant einen höheren Auslastungsgrad an – bei «Il Trovatore» betrug er
61 Prozent und bei «Carmen» 94 Prozent. Da die Platzzahl für die zweite Produktion erhöht wurde, sei die Besucherzahl unter dem Strich – trotz tieferem Auslastungsgrad – vergleichbar gewesen, betont Bernhard.

Die Eintrittspreise sollen nicht günstiger werden. Im Gegenteil: Vielleicht würden sie noch ein bisschen steigen. Denn: «Künstlerisch wollen wir sicher nicht sparen», so Bernhard weiter und ergänzt: «Über 70 Prozent der Besucher buchten in der ersten Kategorie.»

Obwohl das Finanzdebakel der Oper Schenkenberg in der Öffentlichkeit hohe Wellen geschlagen hat, sieht es so aus, als würden die bisherigen Sponsoren aus der Region der Oper vorläufig nicht den Rücken zuwenden.

Die Marketing-Verantwortliche der IBB Energie AG in Brugg, Margot Keist, will die finanzielle Unterstützung der Oper Schenkenberg in Zukunft nicht kategorisch ablehnen. Man würde eine Anfrage und das Finanzierungskonzept aber sicherlich prüfen. «Natürlich ist es schlimm, welche Auswirkungen die Fehleinschätzung der Einnahmen hat. Ich will das nicht herunterspielen», sagt sie. Dennoch dürfe man den kulturellen Wert, den die Oper für die Region darstellt, nicht unterschätzen.

Wenig Interesse an «Il Trovatore»

Ähnlich klingt es bei Claude Werder, dem Geschäftsführer von Werder Feinwerktechnik in Veltheim: «Für die Lieferanten ist es natürlich bitter. Unser Geschäft ist aber nicht betroffen und deshalb werden wir auch die nächste Oper finanziell unterstützen.» Werder war 2013 sowie 2010 ein Geldgeber der Oper. Weiter sponserte sein Unternehmen die T-Shirts der ehrenamtlichen Helfer.

Die Firma erwarb für die «Il Trovatore»-Inszenierung 60 Eintrittskarten für ihre Kunden. «Am Schluss musste ich sie unter den Verwandten verteilen, weil die Kunden wenig Interesse zeigten», sagt Werder.

Der Geschäftsführer hat seine Zusage für ein Sponsoring der nächsten Oper schon gegeben. Tickets für seine Kunden werde er aber nicht mehr kaufen. «Die Oper Schenkenberg ist eine gute Sache, aus der Region, hinter der ich stehen kann», fügt Werder an.

Auch die Bad Schinznach AG hat nicht vor, in Zukunft die finanzielle Unterstützung zu kappen. «Es ist noch nichts definitiv geplant, aber wir werden voraussichtlich am Sponsoring festhalten», meint Marketingleiter Ulrich Leistner. Er könne jedoch nicht für den Verwaltungsrat sprechen.

Dominantes Auftreten stört

Viel Erfahrung mit grösseren Kulturveranstaltungen hat Rico Spring. Bereits seit 10 Jahren ist er mit dem Aargauischen Freilicht-Spektakel in der Region Brugg präsent. Angesprochen auf das Debakel der Oper Schenkenberg zeigt sich Spring, der gerade im Ausland den Probeplan für die bevorstehende Spielsaison erstellt, überrascht: «Das ist happig. Ich finde es eine Frechheit, dass der Kanton solche Projekte unterstützt.»

Am meisten stört ihn, dass die Oper Schenkenberg als junger Veranstalter in der Region ziemlich dominant auftritt. So wollte Spring ursprünglich im Jahr 2016 im Brugger Schachen den «Schacher Sepp» aufführen.

Spring hat seinen Plan nun geändert. Der «Schacher Sepp» wird bereits im kommenden Jahr in Windisch aufgeführt. Auch wenn er danach auf einen Zwei-Jahres-Rhythmus umstellen wird, so gebe es spätestens im Jahr 2019 eine Kollision mit der alle drei Jahre stattfindenden Oper Schenkenberg, räumt er ein.