Leerwohnungsstatistik
Trotz der vielen leeren Wohnungen wird in Brugg fleissig gebaut

Laut Statistik Aargau hat sich die Zahl der leerstehenden Wohnungen seit 2010 mehr als verdoppelt.

Timea Hunkeler
Merken
Drucken
Teilen

Claudia Meier (cm)

395 – das ist laut Statistik Aargau die Anzahl Leerwohnungen am Stichtag 1. Juni 2016 im Bezirk Brugg. Verglichen mit dem 1. Juni 2010, als es noch 151 Leerwohnungen waren, bedeutet dies ein Anstieg auf mehr als das Doppelte. Spitzenreiter des Leerwohnungsbestands 2016 im Bezirk Brugg ist der gleichnamige Hauptort (93). Dicht gefolgt von den Gemeinden Birr (84) und Lupfig (41). Im Jahr 2010 hingegen, hatten die Gemeinden in der Spitzenposition noch deutlich weniger Leerwohnungen zu verzeichnen. Führend waren Birr (38) gefolgt von Brugg (34) und Thalheim mit 13.

«Die Wohnbautätigkeit in Brugg war in den letzten Jahren sehr hoch», erklärt André Willi von der Stadtkanzlei Brugg. Trotz erfreulich hoher Bautätigkeit steht dieser ein eher geringer Anstieg um 59 Wohnungen Leerwohnungen gegenüber. Ausserdem seien zwischen 2010 und 2016 in Brugg rund 500 neue Wohnungen gebaut worden. Im gleichen Zeitraum zogen 1000 neue Einwohner in die Stadt Brugg. Handlungsbedarf aufgrund der Anzahl leer stehender Wohnungen in Brugg gibt es laut Willi jedoch nicht. «Die Statistik kann sich mit Blick auf den ordentlichen Zügeltermin am 30. Juni rasch verändern. Wir gehen davon aus, dass sich der ausgewiesene Leerwohnungsbestand per 1. Juli 2016 bereits reduziert hat.», erklärt er weiter.

Mit der Grösse wächst Bestand

Aus der Statistik wird ersichtlich, dass es einige Gemeinden gibt, die zwischen 2010 und 2016 deutlich an Leerwohnungsbestand zunahmen. Zu diesen zählt zum Beispiel auch Lupfig. Die Gemeinde verzeichnet mit aktuell 41 leer stehenden Wohnungen einen vergleichsmässig hohen Anstieg. «Im Bereich Mehrfamilienhäuser herrscht reger Betrieb», sagt Gemeindeammann Richard Plüss. Nicht ersichtlich sei, ob es sich bei den Zahlen um neue oder alte Leerwohnungen handelt. «In Lupfig wird zurzeit sehr viel gebaut», erklärt Plüss. Mit dem Wachstum des Dorfs steige selbstverständlich auch der Bestand an Leerwohnungen. Ausserdem zeigten sich Unterschiede, wenn es um die Lage, den Komfort und die Investoren der Objekte geht. «Ich selber bin der Meinung, dass die Wohnungen mehr oder weniger gut bezogen werden», sagt der Gemeindeammann.

Doch es gibt auch Gemeinden, in denen der Leerwohnungsbestand in den sechs Jahren konstant blieb. Ein Beispiel dafür liefert die Gemeinde Elfingen. In den Jahren 2010 und 2016 gab es in Elfingen jeweils nur eine Leerwohnung. «Die Zahlen der Statistik sind schwer zu analysieren, denn Elfingen hat allgemein sehr wenige Mietwohnungen», erklärt Gemeindeammann Giovanni Carau. Die meisten Einwohner in Elfingen besitzen ein Eigenheim. Zudem zeichnet sich in den letzten Jahren kein rasantes Wachstum des Orts ab. Dies sei auch der Grund, weshalb es wenige Zu- und Wegzüge gebe. Wenn in Elfingen neu gebaut wird, handelt es sich fast ausschliesslich um Einfamilienhäuser. Die Gemeinde liegt geografisch sehr gut. Nach Zürich oder Basel sind es mit dem Auto nur 30 Minuten. Zudem ist die Gemeinde gut an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Auch habe Elfingen im Vergleich zu den umliegenden Gemeinden mit 114 Prozent einen eher tiefen Steuerfuss. «Dies sind mit Sicherheit Vorzüge, die unsere Einwohner suchen und schätzen. Das trägt dazu bei, dass es in unserem Dorf keine grossen Zu- oder Wegzüge gibt», sagt Carau.

«Statistische Schwankung»

Thalheim ist eine der wenigen Gemeinden, die 2016 weniger Leerwohnungen haben als im Jahr 2010. Waren es vor sechs Jahren noch 13 leer stehende Wohnungen, so waren es im Juni nur noch 4. «Dass unser Dorf ein attraktiver Wohnort ist, muss wohl nicht genauer ausgeführt werden», sagt Gemeindeammann Roland Frauchiger. «Wir betrachten diese Zahlen jedoch als übliche statistische Schwankung, welche verschiedene Gründe haben kann: noch nicht bezogene Neubauten, Wegzüge oder auch die Zählweise», stellt Frauchiger weiter fest. Längere Leerbestände seien tatsächlich noch nicht aufgefallen. Ausserdem gebe es in Thalheim im Vergleich zu den Mehrfamilienhäusern einen eher hohen Anteil an Wohneigentum. «Damit ist die Fluktuation nicht sehr hoch und die Bewohner bleiben lange in Thalheim», erklärt Frauchiger. Er kritisiert jedoch, dass eine seriöse statistische Betrachtung nur möglich ist, wenn man die Bestände über einen längeren Zeitraum beobachtet. Trotz Leerwohnungen wird im Bezirk Brugg also fleissig weiter gebaut.