Region Brugg

Trotz Corona: In diesen Aargauer Lokalen kommen Gäste in Feststimmung – drei Beispiele

In der Lounge auf der Aussenterrasse kann ein Glühwein oder ein Apéro genossen werden.

In der Lounge auf der Aussenterrasse kann ein Glühwein oder ein Apéro genossen werden.

Coronakrise hin oder her, viele Restaurants in der Region Brugg zeigen sich innovativ und warten in den Wintermonaten mit besonderen Angeboten auf. Die AZ hat drei Gastgeber herausgepickt.

Sogar Brännti-Mandle-Glacé fehlt nicht: Der «Güggeli Sternen» in Bözberg verwöhnt die Gäste mit einem Wiehnachtsmärt-Menu

Die Weihnachtsmärkte sind abgesagt hüben und drüben. Wunderbar in Feststimmung kommen lässt sich trotzdem – im «Güggeli Sternen» in Bözberg. Das Wirtepaar Thomas und Esther Schäublin hat eine gemütliche Glühwein- und Apéro-Lounge eingerichtet auf ihrer Gartenterrasse – inklusive kuscheligen Decken – und bietet ein Wiehnachtsmärt-Menu an. Güggeli-Lebkuchenspiessli fehlen in diesem genauso wenig wie hausgemachtes Magenbrot oder Brännti-Mandle-Glacé. Es handle sich um eine Kreation seiner Töchter, sagt Thomas Schäublin gut gelaunt. Um die Dekoration im Aussenbereich habe sich mit viel Freude und Leidenschaft traditionsgemäss seine Frau gekümmert. Da dieses Jahr etwas mehr Zeit zur Verfügung stand, sei alles sogar etwas umfangreicher ausgefallen.

Ziel sei es, den Gästen ausserhalb ihrer eigenen vier Wände in einem unkomplizierten Rahmen ein paar gemütliche Stunden bei einem feinen Essen zu ermöglichen, sagt der Wirt. Schäublins arbeiten mit regionalen Produzenten zusammen. Für den hausgemachten Glühwein wird neben der eigenen Kräutermischung Schinznacher Wein verwendet. Der Gewürztraminer stammt vom Weingut Hartmann in Remigen, der Chrütertee aus Maja’s Chrüterstübli in Mandach. Ihre Produkte können übrigens ebenfalls erworben werden am eigens eingerichteten Märt-Tisch mit den kulinarischen Geschenkideen.

Die Coronakrise habe einiges ausgelöst, blickt Schäublin auf die letzten Monate zurück. Im Lockdown hat das Wirtepaar ins Restaurant investiert und renoviert. «Einiges ist neu und einzigartig», freut sich der Wirt und erwähnt als Beispiele die WC-Anlagen – ein Stallerlebnis mit Vogelgezwitscher – oder das elektronische Bonussystem und den Webshop.

Während der Umsatz im Catering-Bereich um fast 100 Prozent einbrach, zog der Betrieb im Restaurant dann wieder an, mehr und mehr Gäste konnten begrüsst werden. «Es läuft sehr gut», stellt der Wirt fest. Schäublins beschlossen, ihr Lokal am Mittwoch, Donnerstag und Freitag, nicht mehr erst ab 17 Uhr, zu öffnen, sondern neu auch über den Mittag, von 11 bis 14 Uhr preiswerte, Menus anzubieten, vorerst ver suchsweise bis im Frühling. «Wenn es funktioniert, lassen wir es dabei.» Rundherum werde reduziert und abgebaut. «Wir machen das Gegenteil», sagt der Wirt.

Dank Wolldecke ist es schön kuschelig: Der «Leue» in Scherz hat seine Terrasse eingekleidet und weihnachtlich geschmückt

Bewirtet werden die Gäste – unter anderem – mit Fondue.

Bewirtet werden die Gäste – unter anderem – mit Fondue.

Einladend auch in der kalten Jahreszeit: Eingekleidet und weihnachtlich dekoriert ist
die Terrasse des «Leue» in Scherz. Bequem machen
können es sich die Gäste auf den Stühlen mit Schaffellen und Wolldecken unter den Wärmestrahlern. Bewirtet werden sie mit Fondue, aber selbstverständlich auch mit
allen weiteren Angeboten aus der Speisekarte. Bis im kommenden Frühjahr stehen
die rund 25 Plätze zur Verfügung.

Die Idee sei es, auch diejenigen Personen begrüssen zu können, die sich derzeit – coronabedingt – nicht in Innenräumen aufhalten möchten, sagt Wirtin Tamara Richner. Sie hat das traditionsreiche Lokal im Zentrum, nur einen Steinwurf entfernt vom Dorfbrunnen, vor rund einem Jahr übernommen und führt es zusammen mit Küchenchef Daniel Zurkinden. Die beiden setzen auf gutbürgerliche Küche.

Das Restaurant unter den Linden in Scherz hat eine bewegte Geschichte mit verschiedenen Pächtern hinter sich, das altehrwürdige Gebäude von 1913 wurde mehrfach umgebaut und ergänzt. Im grossen Saal fanden während Jahrzehnte die Gemeindeversammlungen, das Schulturnen, das Brötliexamen sowie Vereinsanlässe statt. Auch das erste Telefon des Dorfs wurde im «Leue» installiert.

Zwei Personen teilen sich ein Caquelon: Der «Sonnenberg» in Brugg bietet Fondue im dekorierten Aussenzelt an

Bequem finden 16 bis 20 Personen Platz im Aussenzelt.

Bequem finden 16 bis 20 Personen Platz im Aussenzelt.

Holzschnitzel, rot-weiss karierten Tischtücher, warmes Licht und ein Weihnachtsbaum als Dekoration: Ein heimeliges Ambiente herrscht im Aussenzelt von Wirt Rami Gashi vom
Restaurant Sonnenberg in Brugg. Käsefondue wird der aufmerksame Gastgeber darin servieren bis Ende Januar des kommenden Jahres – mit der Möglichkeit auf eine Verlängerung und sofern es die Coronaauflagen zulassen.

Die Abstandsregeln könnten problemlos eingehalten werden, sagt der Wirt. «Wir haben bei uns glücklicherweise grosszügige Verhältnisse.» An den vier Tischen finden 16 bis 20 Personen bequem Platz, jeweils zwei teilen sich ein Caquelon mit insgesamt 400 Gramm Käse. Zwei Sorten stehen zur Auswahl, eine mit, eine ohne Kräuter.

Aufgestellt hat Gashi sein Fonduezelt im Bereich seiner Gartenbeiz erstmals im letzten Winter. Die Gäste – unter ihnen viele Gruppen – waren begeistert, genossen die Feststimmung und hofften auf eine Wiederholung. Auch der Wirt erkannte das Potenzial. Noch diesen Februar bestellte er ein neues, robusteres Zelt. «Wenn schon, dann machen wir etwas Richtiges», sagt er mit einem Lachen. Corona war damals noch kein Thema.

Die Krise hat ihn dann aber voll erwischt. Erst im Sommer 2019 hatte Gashi den «Sonnenberg» mit seinen rund 110 Plätzen an der Zurzacherstrasse übernommen und nach rund zweimonatigem Umbau wieder eröffnet. Mit viel Herzblut und Liebe zum Detail hat der Wirt zusammen mit seiner Frau Gane einen beliebten Treffpunkt geschaffen, für Familien und Vereine genauso wie
für Handwerker. Die gutbürgerliche Küche kam an, das Geschäft florierte.

Nach dem Lockdown war die Krise allerdings nicht ausgestanden für den Wirt, denn die Gäste waren verunsichert. Die Sommermonate Juli und August seien eine Katastrophe gewesen, hält Gashi fest. Erst danach lief es den Rahmenbedingungen entsprechend wieder gut.

Aber aufgeben kam für den zweifachen Familienvater nie in Frage. «Ich bin ein Kämpfer, ich werde weitermachen, auch wenn es Zeit, Energie und Geld kostet», stellt der 44-Jährige klar. «Trotz einiger Hürden blicke ich positiv in die Zukunft.» Dankbar ist er für die Unterstützung aus seinem Umfeld. «Viele hängen wie ich sehr an diesem Restaurant und wollen nicht, dass die Türen schliessen.» Auch er selber fühle sich wohl hier, habe eine schöne Beziehung aufbauen können zu seinen Gästen. «Ihnen will ich nicht den Rücken kehren.»

Autor

Michael Hunziker

Michael Hunziker

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