Brugg-Windisch
Trotz 800 neuen Lernenden wirkt ihre Schule noch immer wie eine Baustelle

Brigitte Boss hat die Berufsfachschule Gesundheit und Soziales aufgebaut – nun geht sie in Pension. Sie sagt, was sich ändern muss, damit die Schule in Brugg bleibt.

Claudia Meier
Drucken
Hat die BFGS auf ein solides Fundament gestellt: Schulleiterin Brigitte Boss am Hauptsitz in Königsfelden.Emanuel Per Freudiger

Hat die BFGS auf ein solides Fundament gestellt: Schulleiterin Brigitte Boss am Hauptsitz in Königsfelden.Emanuel Per Freudiger

Die kantonale Berufsfachschule Gesundheit und Soziales Brugg (BFGS) ist seit ihrer Gründung 2006 in Brugg angesiedelt und hat sich schrittweise zum grössten Kompetenzzentrum für Gesundheit- und Sozialberufe der Deutschschweiz entwickelt. Brigitte Boss ist gelernte Kinderkrankenschwester. Sie leitete während fünf Jahren eine Kinderkrippe und war später in der Intensivpflege und Anästhesie tätig.

Die BFGS Brugg Drei Standorte – eine Schule

Die kantonale Berufsfachschule Gesundheit und Soziales (BFGS) hat in Brugg-Windisch folgende drei Standorte: Der Hauptstandort befindet sich voraussichtlich noch bis im Sommer 2016 auf dem Areal der Klinik Königsfelden; die Schulhäuser des ehemaligen Kindergärtnerinnenseminars an der Baslerstrasse 43 und 45 in Brugg sollen später den Hauptstandort beherbergen; der dritte Standort bildet das Schulhaus Steiger an der Badstrasse 48 in Brugg. Ausgebildet werden Fachfrauen und -männer in den Bereichen Gesundheit und Betreuung sowie Assistentinnen und Assistenten Gesundheit und Soziales. (az)

Die gebürtige Baslerin hat die Neustrukturierung der Berufe Gesundheit und Soziales seit der Einführung des neuen Berufsbildungsgesetzes im Jahr 2002 im Kanton Aargau eng begleitet. Als Schulleiterin BFGS geht sie Ende September in Pension. Im November tritt Felix Scheidegger ihre Nachfolge an. Im Oktober wird die BFGS von Stellvertreter Helmut Hunziker geleitet. Das Gespräch mit Brigitte Boss findet am runden Tisch in ihrem Büro am Hauptsitz auf dem Areal der Psychiatrischen Dienste Aargau in Königsfelden statt.

Wenn Sie die Zeit der BFGS hier in Brugg in einem Satz zusammenfassen müssten, wie würde dieser lauten?

Brigitte Boss: Wachstum und Entwicklung waren prägend während der letzten zwölf Jahre.

Was spricht aus Ihrer Sicht für den Standort Brugg?

Wir sind sehr gerne in Brugg-Windisch und fühlen uns hier zu Hause. Es gibt beste öV-Verbindungen für unsere Lernenden aus dem ganzen Kanton. Auch der Verband «Organisation der Arbeitswelt Gesundheit und Soziales Aargau» hat seinen Sitz in Brugg. Wir arbeiten eng mit ihm zusammen.

Die BFGS ist von 800 Schülern im Jahr 2006 auf 1800 gewachsen – eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Sind die Pflegeberufe plötzlich so beliebt?

Seit man direkt nach der obligatorischen Schule in die Ausbildung einsteigen kann – und nicht mehr bis zum
18. Altersjahr warten muss – hat die Nachfrage erfreulicherweise stark zugenommen.

Die BFGS ist auf drei Standorte verteilt. Was bedeutet das für den Alltag?

Die Stundenplangestaltung ist komplex. Wir achten darauf, dass die Schüler das Schulhaus den ganzen Tag nicht wechseln müssen. Bei den Lehrpersonen lässt sich das aber nicht immer vermeiden. Die Turnhallen sind ein leidiges Thema.

Warum?

Seit letztem Sommer können wir die Turnhalle an der Baslerstrasse nutzen. Das reicht aber nicht aus. Wir beanspruchen zusätzliche Hallen in der Mülimatt und im Rekrutierungszentrum Windisch. Der Bus-Transfer dorthin lohnt sich nur für Doppelstunden – also im ersten und zweiten Lehrjahr.

Seit Jahren wünschen Sie sich einen einzigen Standort. Ist das überhaupt realistisch?

Angesichts der steigenden Schülerzahlen ist es kaum möglich, alle an einem Standort unterzubringen. Wir wären aber schon froh, wenn wir statt drei nur noch zwei Standorte hätten. Das Kompetenzzentrum in der Region Brugg muss erhalten bleiben.

In Sachen Berufsschulen ist eine Debatte um die Kantonalisierung im Gang. Regional verankerte Schulen haben Angst vor dem engen Korsett des Kantons. Zu Recht?

In Sachen Räumlichkeiten und Infrastruktur haben nicht kantonalisierte Berufsschulen eher Vorteile. Sie sind flexibler und können vielleicht schneller etwas bauen.

Und die kantonale BFGS ist von der Politik abhängig?

Ja, bei uns braucht alles etwas länger. Die Personaladministration läuft über den Kanton und richtet sich nach den gesetzlichen Vorgaben. Das ist für uns ein grosser Vorteil. Ich bin Schulleiterin geworden, um eine Schule oder eine Non-Profit-Organisation zu leiten. Dies hat nichts mit einem Unternehmen zu tun, das finanziellen Profit abwirft. Ansonsten wäre ich hier am falschen Ort.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit den anderen Playern auf dem Platz Brugg?

Verena Rohrer, Leiterin der regionalen Standortförderung Brugg Regio, organisiert zwei bis drei Mal pro Jahr ein Campus-plus-Treffen mit allen relevanten Institutionen in Sachen Bildung. Dabei geht es darum, den Bildungsstandort Brugg zu stärken und Synergien zu nutzen.

Besteht hier nicht die Gefahr, dass die enorme Dimension der BFGS gar nicht richtig erkannt wird?

Doch, das ist ein Problem. Unsere Schule hat kein Gesicht. Kein Haus ist gross angeschrieben. Und dennoch bringen unsere 1800 Lernenden und gut 80 Lehrpersonen vielen Betrieben auf dem Platz Brugg-Windisch zusätzliche Einnahmen.

Was könnte optimiert werden?

Bei den Turnhallen in der Mülimatt möchten wir gleichberechtigte Partner werden. An allen drei Standorten wünschen wir uns genügend sanitäre Anlagen und in Königsfelden und im Steiger genügend Raum, damit die Schüler die Pause im Winter nicht auf dem Gangboden sitzend verbringen müssen.

Aktuell läuft beim Kanton für Berufsfachschulen und Mittelschulen das Projekt «Standort und Raum». Werden Sie bei der Suche nach geeigneten Räumlichkeiten einmal mehr vertröstet?

Ja, jetzt heisst es tatsächlich wieder abwarten. Wir bauen auf die Unterstützung der Bevölkerung und der Politik. Die Einweihung des neuen Kompetenzzentrums Gesundheit und Soziales ist für mich leider nicht mehr zu realisieren.

Sie hinterlassen Ihrem Nachfolger also eine Baustelle?

Äusserlich mag es wie eine Baustelle wirken. Meine ganze Energie und mein ganzes Herzblut galt der Führung, Organisation und der Entwicklung der BFGS. Das Resultat ist eine Organisation, in der ein respektvoller und wertschätzender Umgang miteinander gelebt wird. Ich bin stolz darauf, ein solides, belastbares Fundament übergeben zu können. Nebenher lief und läuft die Raumplanung für die BFGS immer noch weiter.

Knapp 800 neue Lernende fangen ihre Ausbildung in diesen Tagen an der BFGS an. Werden Sie an der Baslerstrasse eine neue Mensa vorfinden?

Die alte Mensa muss noch fertig umgebaut werden. Nach den Herbstferien ist sie betriebsbereit. Sie wird vom Zürcher Frauenverein geführt werden.

Wie stark wird die Schule noch wachsen?

Mit insgesamt 2200 Schülern dürfte die Kapazität ausgeschöpft sein. Ab 2015 wird mit dem neuen Rahmenlehrplan die Berufsmaturität Gesundheit und Soziales eingeführt. Wir sind stolz darauf, dass sie bei uns angesiedelt wird.

Ist mit diesen Prognosen der Frachtkräftemangel in der Pflege im Kanton mittelfristig behoben?

Mit der Einführung der Ausbildungsverpflichtung im Aargau wurde die Situation zwar entschärft. Die Lehrpläne können sicher noch optimiert werden. Dennoch werden wir weiterhin alle Energien in die Ausbildung investieren müssen.

Aktuelle Nachrichten