Am Chalm in Schinznach waren jüngst die Motorsägen im Einsatz. Verantwortlich dafür waren Vertreter des Juraparks Aargau. Um die Hintergründe zu erklären, luden sie am Freitagabend zu einer Besichtigung am Chalm ein. Christine Neff, Geschäftsleiterin Jurapark Aargau, begrüsst die Runde aus gut 50 Interessierten an der Bushaltestelle Oberdorf und sagt: «Wir wollten mit den Rodungsarbeiten die alten Strukturen wieder freilegen und aufwerten.»

Hintergrund des Projekts sei eine 2015 in Zusammenarbeit mit dem Jurapark Aargau entstandene Bachelor-Arbeit eines Studenten. Dieser fand heraus, welche Funktion der oberhalb von Schinznach gelegene Weg einst hatte: Er war eine Verbindung für die lokale Landwirtschaft in die umliegenden Wälder und Reben und darüber hinaus Anbindung an grössere Räume, wie dem benachbarten Fricktal.

Es scheiterte am fehlenden Geld

Doch erst jetzt, vier Jahre danach, kann der Jurapark in Zusammenarbeit mit einer lokalen Begleitgruppe an die Umsetzung der Ziele gehen, welche die akademische Abschlussarbeit seinerzeit proklamiert hatte. Was bisher am fehlenden Geld scheiterte, kann der Jurapark jetzt umsetzen, nachdem, wie Neff auf der Tour berichtete, unter anderem das Bundesamt für Umwelt Geld für das Projekt bewilligt hat.

Was die Rodung von Bäumen und Unterholz am Chalm zutage gefördert hat, sind vor allem Trockenmauern aus Natursteinen, die jahrzehntelang unter dem Bewuchs verborgen waren. Felix Naef, Landschaftsarchitekt aus Brugg, der die Arbeiten am Chalm koordiniert, schätzt ihr Alter auf mehr als 150 Jahre. Naefs Forschungen zufolge hatte sich der nahe Wald über die Mauern gelegt, nachdem in den 1930er Jahren, durch das Aufkommen des Reblaus-Schädlings, der Weinanbau in Schinznach zusammengebrochen war. «Da kann man fast von einem Glücksfall sprechen, denn so waren die Mauern auch vor der Witterung geschützt», führte Naef aus.

Noch gut erhaltene und stabile Trockenmauern sind jetzt zum Vorschein gekommen. Die, Christine Neff betont es, aber doch hätten beschädigt werden können, wenn man sie jetzt nicht freigelegt hätte. «Wir haben die Rodungen zu deren Schutz ausgeführt.»

Wo die bestehenden Mauern nicht mehr bestehen oder von schlechter Qualität sind, entstehen im Zuge des Projekts neue, angelegt von Angehörigen des Zivildiensts. Dafür Steine dafür aus der Region zu benutzen, ist laut Neff aber nicht möglich, auch wenn es dort früher viele kleinere Steinbrüche gegeben habe. «Wir beziehen die Steine aus Magglingen und sind froh darüber.»

Neuer Lebensraum für Tiere

Mauern freizulegen und neue zu errichten, um damit Eidechsen und Schmetterlingen Lebensraum zu bieten, ist aber nur ein Teil des Projekts. Im weiteren Verlauf des vier Kilometer langen Rundwegs sollen auch die einstigen Hohlwege saniert werden, über die früher die Schweine und Kühe der Bauern liefen, um im Wald Futter zu suchen. «Diese Arbeiten sollen im Herbst 2019 beginnen», informiert Neff die Gruppe. Dafür steht ebenfalls schon Geld bereit, zugesagt von der Gemeinde Schinznach, Pro Natura Aargau und Fonds Landschaft Schweiz. Weil der Chalm-Weg als historischer Verkehrsweg von nationaler Bedeutung anerkannt ist, kommt auch das Bundesamt für Strassen Astra als Financier in Betracht.

Sollte zudem der Antrag auf Geld aus dem kantonalen Swisslos-Fonds erfolgreich sein, können sich Neff und Naef vorstellen, es dafür zu verwenden, das alte Handwerk der Köhlerei in Schinznach wieder erlebbar zu machen. Der Clou: Das Holz für den Meiler wäre schon vorhanden – jenes, das bei den Rodungsarbeiten angefallen ist.