Oberflachs
Trockensteinmauern für die Rebbauern und die Schlingnattern

Die 400 Jahre alten Trockensteinmauern und Rebterrassen um den Hof und das Schloss Kasteln im Schenkenbergertal sind baufällig geworden: Nun sollen sie saniert werden. Pro Quadratmeter müssen etwa 1200 Franken Geldmittel aufgewendet werden.

Rebecca Knoth
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Oberhalb der Mauern werden Reben in mehreren Stockwerken gepflanzt
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Zwei Mauerbauer bearbeiten Blöcke für das Gesicht Dahinter ist ist die Hintermauer sichtbar
Neue und 500-jährige Mauer grenzen hier aneinander
Die Trockenmauern stehen um Schloss und Hof Kasteln und erlauben Terrassenbau für den Rebbau
Die Hintermauer wird satt aus Bruchsteinen geschichtet Später wird sie durch das Gesicht verdeckt
Diese neue Mauer wurde mir Hilfe von einem Schnurgerüst ausgerichtet
Trockensteinmauern für die Rebbauern und die Schlingnattern
Das Schloss Kasteln thront über einer langen Trockensteinmauer
Christoph Flory Vorstand von Pro Natura zeigt Fäustel und Setzer
Christoph Flory von Pro Natura zeigt den Mauerpfeffer in den Fugen der alten Mauer

Oberhalb der Mauern werden Reben in mehreren Stockwerken gepflanzt

Rebecca Knoth

Im Mauerwerk haben sich Farne und Echsen eingenistet, Weinbauern bepflanzen die Hangstufen und Touristen interessieren sich für die Landschaft nationaler Bedeutung.

Damit diese Werte nicht verloren gehen, setzt sich der Jurapark Aargau seit 2010 für die Sanierung der Mauern ein. 220 Quadratmeter sind bereits erneuert worden.

Mit Schutzbrille und Handschuhen ausgestattet, kauert ein Arbeiter vor einem Kalksteinblock. Mit Fäustel und Setzer bearbeitet er den Stein, bis er passgenau über die Fugen der unteren Mauerreihe gehievt wird.

«Der Stein muss dicht und rein sein, damit er frostsicher ist», erklärt Christoph Flory, Vorstand von Pro Natura. Die alte Mauer wird mit einem Kleinbagger abgebaut.

Dabei wird sichtbar, dass hinter dem sogenannten Gesicht, also der Mauerfassade, eine Hintermauerung errichtet wurde. Dafür wurden kleinere Bruchsteine satt übereinander gestapelt, wodurch Wasser abgeleitet wird.

Gerade mal einen Quadratmeter Mauer pro Tag schafft ein Kleinteam, bestehend aus einem Vorarbeiter und ein bis zwei Zivildienstleistern. Täglich wird so eine Tonne Stein in das Mauerwerk eingearbeitet.

«Eine ohne Mörtel gebaute Trockenmauer ist vergleichbar mit natürlichen Lebensräumen wir Felswänden», sagt Christoph Flory.

Darum finden sich hier licht- und Wärme liebende Lebewesen wie der Weisse Mauerpfeffer, ein Dickblattgewächs, oder die Würgeschlange Schlingnatter, welche die hier zahlreichen Eidechsen frisst.

«Uns wäre es unmöglich, für die Sanierung der Trockensteinmauern selbst aufzukommen», sagt Bruno Stadler, Mitbewirtschafter des Hof Kastelns. Pro Quadratmeter müssen etwa 1200 Franken Geldmittel aufgewendet werden.

Ende der 90er-Jahre hat Pro Natura mit Geld aus der «Schoggitaler»-Aktion mit der Instandstellung begonnen. Heute tragen die Gemeinde Oberflachs, der Hof Kasteln, Pro Natura und der Jurapark Aargau das Projekt gemeinsam.

«Ich bin froh, dass ich nicht gezwungen werde, die handgefertigten Mauern durch solche aus Beton zu ersetzen», sagt der Bauer.

«Wir erwarten, dass die Beiträge vom Bund an die Mauerausbesserung die Betriebe wettbewerbsfähiger machen», sagt Renée Weber vom Bundesamt für Landwirtschaft.

Mit dem Programm «Periodische Wiederinstandstellung Infrastrukturanlagen», sowie Kultur- und Landschaftsbeiträgen werden etwa 60 Prozent des 1-Millionen-Projekts mit öffentlichen Geldern finanziert.

Gut investiertes Geld

«Dies ist gut investiertes Geld», ist Mathias Müller, Leiter Landwirtschaft Aargau, überzeugt. Produktionskosten können so gesenkt werden. «Oberflachs ist ein typisches Rebbaudorf», stellt Gemeinderat Peter Zimmermann fest.

«Nach der Fusion mit Schinznach wird Oberflachs mit 50 Hektaren die grösste und mit nationalen Auszeichnungen die qualitativ beste Weingemeinde im Kanton Aargau sein.»

Neben fünf grösseren Betrieben hat die Rebbau-Gemeinde auch zahlreiche Hobbywinzer. Die Rebmauern wurden ursprünglich erstellt, um die Rebbewirtschaftung zu erleichtern und die Hänge zu sichern.

Heute wird der Boden meistens mit Maschinen bearbeitet. Dadurch sind Mauern lediglich noch in steilen Lagen, wie in Kasteln, sinnvoll.