Brugg
Traurige Erfolgsgeschichte: Notfallgruppe für Kinder platzt aus allen Nähten

Die Notfallgruppe «Sternschnuppe» im Kinderheim Brugg platzt nach erstem Betriebsjahr aus allen Nähten. 33 Anfragen mussten abgelehnt werden. Allein letzten Freitagmorgen gab es vier Anfragen.

Claudia Meier
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Der Wohnbereich auf der Notfallgruppe Sternschnuppe im Kinderheim Brugg ist weihnachtlich geschmückt. claudia meier

Der Wohnbereich auf der Notfallgruppe Sternschnuppe im Kinderheim Brugg ist weihnachtlich geschmückt. claudia meier

Claudia Meier

Auf einem Wohnzimmerbalkon im Kinderheim Brugg steht ein geschmückter Weihnachtsbaum. Vom Esstisch her ist der grosse, mit Fensterfarbe gemalte Adventskranz ein schöner Blickfang. Buben und Mädchen huschen durch die Gänge und zeigen dem Besuch anschliessend in ihren Zimmern stolz, womit sie gerade spielen.

Acht Kinder im Alter zwischen eineinhalb und zehn Jahren werden die Festtage nicht bei ihren Familien oder Angehörigen verbringen. Sie wohnen temporär in den liebevoll eingerichteten Räumlichkeiten der Notfallgruppe Sternschnuppe.

Über Festtage voll besetzt

Erst seit Januar 2013 gibt es dieses spezielle Angebot für Kinder in akuten Notsituationen im Kinderheim. Schwierige Situationen nach der Geburt oder zugespitzte Rosenkriege können Gründe für eine Aufnahme sein.

Was ursprünglich für Kinder im Alter von einem Tag bis zu acht Jahren konzipiert war, wurde bereits im April für Kinder bis zu elf Jahren ausgebaut. «Der Betrieb ist sehr gut angelaufen», sagt Gesamtleiter Rolf von Moos. Es habe schnell viele Anmeldungen gegeben. Bisher konnten 25 Kinder aufgenommen werden.

17 sind wieder ausgetreten. Der Aufenthalt ist auf vier Monate beschränkt und kann um zwei Monate verlängert werden, was erstmals bei allen acht verbleibenden Kindern der Fall ist. Somit ist die Notfallgruppe über die Festtage voll besetzt.

Grosse Nachfrage

«Primär aus Platzgründen mussten wir bisher über 33 Anfragen ablehnen», bilanziert von Moos. Allein am vergangenen Freitagmorgen gab es vier Anfragen. Aufgrund der grossen Nachfrage und der Erhöhung der Alterslimite sollte gemäss Gesamtleiter die Platzzahl erhöht werden. Das ist im Budget aber noch nicht vorgesehen. Der Kanton möchte zuerst Erfahrungswerte sammeln.

Dank einer geerbten Wohnung an der Fröhlichstrasse konnte die Platznot tagsüber etwas entschärft werden. Die Wohnung ist multifunktional eingerichtet und wird derzeit als Kindergarten oder Schulraum genutzt. Anmeldungen für die Notfallgruppe sind an 365 Tagen rund um die Uhr möglich. In der Regel werden die Kinder vom Familiengericht eingewiesen. Von Moos präzisiert: «Sofern wir einen freien Platz haben, ist die Aufnahme innerhalb von 30 bis 60 Minuten möglich.»

Nachts gab es bisher relativ wenig Anfragen, und nicht jede Anfrage ist auch wirklich ein Notfall: Ein morgens um 4 Uhr auf der Strasse aufgestöbertes Kleinkind ist möglicherweise nur dem Babysitter entwichen und auf der Suche nach seinen Eltern.

Abklärungen bei interkantonalen Vorfällen könnten schnell sehr aufwendig werden, erklärt von Moos. «Vieles müsste einheitlicher laufen.» Die Zusammenarbeit mit den ebenfalls 2013 neu gestarteten Aargauer Familiengerichten müsse sich noch etwas einpendeln, so von Moos. Dass man aber auf gutem Weg sei, zeige beispielsweise, dass der Weihnachtspikettdienst sich bereits im Vorfeld gemeldet habe.

Ausserkantonale Plätze

Die ersten Erfahrungswerte zeigten aber, dass noch genauer definiert werden müsse, was überhaupt ein Notfall sei. Selbst- und Fremdgefährdung sind für von Moos klare Ausschlusskriterien und somit eher ein Fall für die Psychiatrie.

«Wir müssen aufpassen, dass wir eine Notfallgruppe bleiben», sagt der Gesamtleiter mit Blick auf die hohe Auslastung. Für Kinder in Notsituationen während der Festtage müssten ausserkantonale Plätze gesucht werden. «Auf die Länge kommt der Kanton Aargau nicht darum herum, die Platzzahl zu erhöhen», betont von Moos.

Die acht Kinder der Notfallgruppe Sternschnuppe werden mit den anderen jungen Bewohnern des Kinderheims Brugg gemeinsam Weihnachten feiern. Besuche werden durch die einweisenden Stellen geregelt.

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