Linn
Transport und das Ausbringen von Gülle: Neue Halle bei Linde weckt Ängste

Landwirt Stephan Wülser plant einen Bau am Dorfeingang – er nimmt Stellung zu Kritik und zu Gerüchten.

Michael Hunziker
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Hier soll die neue Halle stehen.

Hier soll die neue Halle stehen.

Screenshot Google Maps

«Garage für Nutzfahrzeuge», lautet – ziemlich unspektakulär – der Titel des Bauvorhabens von Landwirt Stephan Wülser. Im beschaulichen Linn sorgen diese Pläne für Gesprächsstoff. Denn als Mieterin der geplanten Einstellhalle ist die Firma Agromesser GmbH im Gespräch, ein Spezialist für den Transport und das Ausbringen von Gülle. Fünf Traktoren sollen Platz finden im Neubau am Dorfeingang, ganz in der Nähe der geschichtsträchtigen, geschützten Linde.
Linn in der Gemeinde Bözberg verfügt über ein Ortsbild von nationaler Bedeutung und ist Teil des Juraparks Aargau, eines regionalen Naturparks von nationaler Bedeutung. Der vorgesehene Zweckbau in Sichtweite der Linner Linde würde, so die Befürchtung im Dorf, viele umliegende Gebäude überragen. Unklarheiten bestehen offenbar auch darüber, welches Verkehrsaufkommen zu erwarten ist und ob die Dorfstrasse und der Feldweg den schweren Fahrzeugen gewachsen sind.

Ebenfalls sei die Situation nicht gelöst rund um die Zu- und Wegfahrt, die zum Teil über den Bereich der Postauto-Haltestelle führen. Diese Postauto-Haltestelle wird – wie auch die Dorfstrasse – von Schülern und Kindergärtlern frequentiert. Es bestehen Ängste, dass die Mädchen und Buben einem hohen Gefahrenrisiko ausgesetzt werden durch breite und schwere Traktoren und ihre Fracht. Zu bedenken sei nicht zuletzt, dass die Gemeinde Bözberg die Überarbeitung der Zonenplanung an die Hand nehmen will. Es sei daher fragwürdig, noch vor der Revision ein solches Projekt zu bewilligen.

Letzte freie Gewerbezone

Für die Gerüchte im Dorf, die wegen seines Bauvorhabens aufgekommen sind, hat Landwirt Stephan Wülser wenig Verständnis. «Wir haben nichts zu verheimlichen», sagt er bestimmt. «Jeder kann bei Fragen auf uns zukommen. Für ein persönliches Gespräch sind wir immer offen.» Und trotz Kritik am Neubau ist er überzeugt: «Wir haben eine gute Lösung gefunden. Angst braucht niemand zu haben.»

Wülser erklärt die Hintergründe: Heute hat die Firma Agromesser GmbH ihr Domizil beim Hof Vierlinden in der Gemeinde Bözberg. Die Krux: Das dortige Areal liegt in der Landwirtschaftszone. Landwirtschaftliche Fahrzeuge eines Lohnunternehmens wie der Agromesser GmbH aber seien in einer solchen – lautet ein Urteil des Bundesgerichts – wegen zu hoher Auslastung nicht zonenkonform. Anders ausgedrückt: Es muss ein neuer Standort in einer Gewerbezone gesucht werden. «Eher früher als später», sagt Wülser.

Der Landwirt kennt den Firmenbesitzer seit Jahren und ist – selbst als Lohnunternehmer – teilweise für diesen tätig. Und weil Wülsers Vater einst neben der Landwirtschaft auch ein kleineres Bauunternehmen betrieb, befindet sich just bei seinem Hof noch eine freie Fläche in der Gewerbezone. «Die einzige in der Gemeinde und an idealer Lage», sagt Stephan Wülser. Er bot der Firma Agromesser GmbH deshalb an, eine Einstellhalle zu bauen und zu vermieten. «Das ist ein Gewinn, auch für das Dorf», stellt der Landwirt fest, denn: «Die Arbeitsplätze bleiben erhalten, der Steuerzahler bleibt in der Gemeinde.»

Der Ortsbildschutz, sagt Wülser bei einem Augenschein, sei berücksichtigt durch die Bauvorschriften. Schon heute existiert um das Areal eine Hecke. «Diese bleibt bestehen.» Von der knapp 11 Meter hohen Einstellhalle seien künftig also lediglich der First und ein kleiner Teil des Dachs zu sehen.

Es darf nicht stinken

Die Verkehrszunahme, ergänzt der Landwirt, werde sich in einem überschaubaren Rahmen halten. «Wir fahren nicht kreuz und quer durch das Dorf.» In der Regel verlassen die Traktoren die Halle am Morgen und sind erst am Abend wieder zurück. Sicherheitsbedenken – die Strasse dient auch als Schulweg – müsse also niemand haben, weil die Fahrzeuge ausserhalb der Schulzeiten unterwegs seien, sagt Wülser. Ebenfalls sei durch die Belastung weder die Strasse noch das Wurzelwerk der Linner Linde gefährdet. «Wir kehren nach getaner Arbeit ohne Ladung zurück.»

Geruchsimmissionen müssten keine befürchtet werden. «Es handelt sich um Fahrzeuge und Fässer der neusten Generation, die regelmässig gewartet und an geeigneten Orten gewaschen werden.» Die Firma Agromesser GmbH sei tätig in den Kantonen Aargau und Baselland, Zürich oder Luzern, fahre regelmässig durch Städte. «Ihre Fahrzeuge dürfen nicht stinken. Das könnte sie sich überhaupt nicht leisten», betont Wülser.

«Ich arbeite gerne mit diese Firma zusammen», fasst er zusammen. «Das gefällt mir.» Dieses spezialisierte und innovative Unternehmen passe gut in den landwirtschaftlich geprägten Ortsteil Linn, ist er sich sicher und fügt an: «Auch wir haben Freude an Linn und der Linde. Aber seit der Fusion zur Gemeinde Bözberg ist es hier wie ausgestorben. Zu einem Ballenberg dürfen wir nicht verkommen.»

Wer einen Einblick in die Firma Agromesser GmbH erhalten will, dem bietet sich die Gelegenheit am Tag der offenen Tür am 1. und 2. Juli. Auf dem Programm stehen Vorführungen, Attraktionen sowie Festwirtschaft.