Starker internationaler Wettbewerb sowie anhaltend hoher Preisdruck wegen Überkapazitäten: Der Energiemarkt verändert sich. Die Brugg Cables als Anbieter von Kabelsystemen reagiert, nimmt Kostenoptimierungen vor und passt die Organisation an.

Als Folge, so hält das Unternehmen in einer Medienmitteilung fest, werden 120 der weltweit 520 Stellen abgebaut. Betroffen sei der Hauptsitz in Brugg, wo von den aktuell 370 Stellen nach der Reduktion noch 250 Stellen bleiben. Die Kabelfertigung werde auf Kernprodukte ausgerichtet.

Die restlichen Stellen verteilen sich auf China, Deutschland, Indien, Italien, Polen sowie die Vereinigten Arabischen Emiraten, führt das Unternehmen auf Nachfrage aus.

Zwei Jahre Zeit

Der Stellenabbau erfolge schrittweise. Er soll bis Mitte 2020 abgeschlossen sein und soweit möglich über natürliche Abgänge und Frühpensionierungen aufgefangen werden, heisst es in der Medienmitteilung weiter. Ein Sozialplan werde umgesetzt, als Teil davon werde ein Jobcenter eingerichtet.

In diesem werden betroffene Mitarbeitende noch während ihrer Anstellung auf die künftige Stellensuche vorbereitet. Weiter werde geprüft, ob Mitarbeitende innerhalb der Gruppe Brugg weiterbeschäftigt werden könnten.

«Wir bedauern sehr, dass die gegenwärtige Marktsituation einen Personalabbau notwendig macht», wird CEO Samuel Ansorge in der Medienmitteilung zitiert. Und: «Für eine erfolgreiche Zukunft werden jetzt die Weichen gestellt.» Konkret lanciert Brugg Cables ein Programm unter dem Namen «ChangeToFit». Ziel der neuen Strategie sei es, neue Geschäftsfelder aufzubauen und bestehende Geschäftsfelder zu stärken.

Anders gesagt: Brugg Cables wandelt sich vom reinen Kabelproduzenten zum Systemanbieter. Das bestehende Dienstleistungsangebot mit Engineering- und Projektmanagement-Leistungen sowie den Bereichen Montage- und Reparatur-Einsätzen wird weiter ausgebaut. «Eine grosse Bedeutung kommt weiterhin dem Markt Schweiz zu, wo wir die Energieversorger mit zuverlässigen Kabeln, Zubehör und Dienstleistungen beliefern», betont Ansorge.

Die Gruppe Brugg ist international tätig und konzentriert sich auf die Geschäftsfelder Kabelsysteme, Seiltechnik, Rohrsysteme und Prozessleittechnik.

Gewerkschaften sind besorgt

Beschäftigt werden rund 2000 Mitarbeitende, davon 520 innerhalb der Brugg Cables. Diese hat sich zum grössten Unternehmen innerhalb der Gruppe Brugg und zu einem führenden Kabelhersteller der Schweiz entwickelt. Vom Stellenabbau betroffen sind laut einer Sprecherin von Brugg Cables Arbeitnehmer aus allen Bereichen – auch Kaderangestellte. Die Gewerkschaften äussern sich besorgt über den Stellenabbau.

«120 Arbeitsplätze ist eine erschreckend hohe Zahl», sagt Hansjörg Schmid vom Verband Angestellte Schweiz. Und einmal mehr werde in der Schweiz abgebaut. «Das ist einfach stossend», so Schmid. In der Schweiz sei es wegen des liberalen Arbeitsrechts leichter als im Ausland, Stellen abzubauen. Natürlich habe die liberale Gesetzgebung auch Vorteile, «aber wenn ein Unternehmen in verschiedenen Ländern tätig ist, dann ist die Gefahr gross, dass Stellen in der Schweiz eingespart werden». Gerade der Aargau sei als Industriekanton in den letzten Jahren häufig von einem Stellenabbau betroffen gewesen.

Die Gewerkschaft Unia wurde von Brugg Cables informiert und klärt nun nach eigenen Angaben die Eckpunkte des Stellenabbaus ab. Danach werde man über das weitere Vorgehen entscheiden, so Sprecher Thomas Leuzinger.

Ob die Unia die Interessen der Arbeitnehmenden vertreten wird, ist noch unklar. «Dies hängt davon ab, ob die Mitarbeitenden etwas gegen den Stellenabbau unternehmen möchten und die Unia als Interessenvertretung beiziehen wollen», schreibt Leuzinger. «Aus Sicht der Unia ist es am wichtigsten, dass allenfalls möglichst viele Stellen erhalten bleiben und für die Mitarbeitenden eine gute Nachfolgelösung gefunden wird». Bisher werden die Angestellten der Brugg Cables von einer internen Mitarbeiterkommission vertreten.