Brugg
Tourismustaxe in Brugg: Nutzen oder zusätzliche Belastung für Hoteliers?

Die Leiterin der regionalen Standortförderung erachtet die Einführung einer Tourismusabgabe für Hotelgäste als sinnvoll um mehr Geld für Marketingzwecke zu generieren. Die Abgabe würde zwischen 1 und 3 Franken pro Gast und Nacht betragen.

Michael Hunziker
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Mit den Geldern, die mit einer Tourismusabgabe generiert werden, können unter anderem Werbemassnahmen ergriffen werden.

Mit den Geldern, die mit einer Tourismusabgabe generiert werden, können unter anderem Werbemassnahmen ergriffen werden.

Keystone

Die Einführung einer Tourismusabgabe oder einer Tourismustaxe müsse ein klares Ziel sein in der Region Brugg. Davon ist Verena Rohrer, die Leiterin der regionalen Standortförderung, überzeugt.

«Es kann ein klarer Nutzen erzielt werden.» Konkret würden Mittel für Marketingmassnahmen generiert – mit der Absicht, die Zahl der Übernachtungen weiter zu steigern.

Hotelier Alfred Lang hält nichts von Tourismusabgabe

Wie ist die Meinung zu einer Tourismusabgabe in der Region Brugg? Von den von der Aargauer Zeitung angefragten Hotels hat Hotelier Alfred Lang vom «Terminus» in Brugg Stellung genommen. Für ihn ist der Fall klar: Er hält nichts von einer Tourismusabgabe. Lang spricht von einer zusätzlichen Belastung für die Geschäftshotels, die keinen Sinn mache. Im «Terminus» würden unter der Woche praktisch nur Geschäftsleute beherbergt, keine Touristen. «Wir konzentrieren uns auch ganz auf unsere treue Geschäftskundschaft und bauen das Hotel dessen Wünschen entsprechend aus», sagt Lang. «Unser Haus am Bahnhof Brugg befindet sich dafür an bester Lage. Meinem Ururgrossvater Samuel Lang und seinem Sohn Emil Lang sei Dank!» Von den aktuell 50 Hotelzimmern hätte nur gerade 7 Zimmer zwei und mehr Betten; alles andere wären Einzelzimmer. Die Liegenschaft am Bahnhof hätte auch Potenzial für eine Erweiterung, Stichwort verdichtetes Bauen, fährt Lang fort. Anstatt neue Hotels zu planen, wäre nach seinem Dafürhalten ein «Terminus Brugg» mit 100 Hotelzimmern «sicher wirtschaftlicher und umweltfreundlicher». (mhu)

Ein Vorteil sei, dass die Hoteliers nicht zusätzlich belastet würden, der Betrag pro Übernachtung für den Gast kaum ins Gewicht falle.

Ein erstes Mal auf den Tisch brachte Verena Rohrer das Thema am Kultur- und Tourismus-Apéro Anfang dieses Jahres. Sie betont, dass noch nichts spruchreif sei. Für sie gelte es abzuwarten, wie die regionale Standortförderung ab 2016 weitergeführt werde. «Vorher etwas anzupacken, macht wenig Sinn.»

Werde der Entscheid gefällt, eine Tourismusabgabe definitiv einzuführen, müsse in einem ersten Schritt ein Treffen mit den Anbietern aus der Region durchgeführt und eine saubere Grundlage geschaffen werde.

Will heissen: Weil es keine gesetzliche Basis gebe, müsse die Verankerung der Abgabe klar geklärt werden. «Es gibt verschiedene Varianten und es wird nicht überall gleich gehandhabt – auch nicht im Aargau». Für Verena Rohrer steht fest: «Wir werden uns in anderen Regionen informieren und das weitere Vorgehen in Absprache mit den beteiligten Partnern festlegen.»

Auch Kleinvieh macht Mist

«Tourismusabgaben oder Tourismustaxen bewähren sich», sagt Dominik Wyss, Präsident des Regionalverbands Aargau des Branchenverbands HotellerieSuisse. Die Gelder kämen einer Region zugute, die Gäste kämen in den Genuss von Aktionen, beispielsweise von Vergünstigungen bei Busfahrten oder Besuchen von Museen. «Die Einführung einer Tourismusabgabe kann ich empfehlen», hält Wyss fest.

Tourismusabgaben gebe es im Kanton in den Regionen Aarau, Lenzburg-Seetal, Rheinfelden sowie Zurzach, fährt Wyss fort. Die Rede sei von einem Betrag zwischen 1 Franken und 3 Franken pro Person und Nacht. Eine bescheidene Abgabe, ist sich Wyss sicher, die für den Gast problemlos verkraftbar sei und deshalb erfahrungsgemäss kein Diskussionsthema sei. Für eine Region aber komme Jahr für Jahr doch eine erhebliche Summe zusammen, ganz unter dem Motto «auch Kleinvieh macht Mist». In der Region Aarau seien es beispielsweise um die 80 000 Franken. Verlangt würden die Tourismusabgaben übrigens nicht in allen Hotels, weiss Wyss, denn die Hoteliers seien freiwillig mit von der Partie.

Die Einführung einer Tourismusabgabe sei zwar wegen der Buchhaltung mit einem Mehraufwand verbunden, aber: «Wir können die Hoteliers in der Regel ohne Mühe für ein solches Vorhaben gewinnen, weil wir ihnen die Vorteile aufzeigen können», führt Wyss weiter aus. Schliesslich müssten die Hoteliers und die Tourismusregionen das Zepter selber in die Hand nehmen und für ein florierendes Geschäft sorgen – und aus diesem Grund vielleicht auch einmal neue Wege beschreiten. «Mit den Geldern kann gemeinsam etwas Sinnvolles auf die Beine gestellt werden.»