Oberflachs

Toni Bächli hat fünfzehn Jahre lang das Wohl der Kinder ins Zentrum gestellt

© ZVG

Fünfzehn Jahre lang hat Toni Bächli die Geschicke des Schulheims Schloss Kasteln als Gesamtleiter geprägt. Nun geht er in Pension. Aus der Erziehungsanstalt machte er einen modernen Schulbetrieb für Kinder mit besonderen pädagogischen Bedürfnissen.

«Kasteln ist wie eine Fabrik. Hier werden Kinder geflickt.» Toni Bächli schmunzelt. Mit diesen Worten hat kürzlich ein Siebenjähriger seine Vorstellungen über das Leben im Schulheim beschrieben.

«Kinder», so sagt Bächli, «bringen Dinge in einer einfachen und direkten Sprache auf den Punkt.» Bächli liebt die Menschen und hat die Begleitung von beeinträchtigten Kindern und Jugendlichen zu seiner Lebensaufgabe gemacht.

Mit der Schlussfeier am Freitag, 5. Juli, geht für den Gesamtleiter des Schulheims Schloss Kasteln nicht nur ein Schuljahr, sondern ein ganzer Lebensabschnitt zu Ende.

Zum Schloss der guten Geister geformt

Seine berufliche Laufbahn begann Bächli als Mittelstufenlehrer in Brugg. Später wechselte er als Schulleiter und Heilpädagoge nach Oftringen. Dabei galt sein Augenmerk zunehmend Kindern, die mit schwierigen Lebensbedingungen zu kämpfen hatten.

Mit klaren Vorstellungen begann Bächli vor fünfzehn Jahren im Schulheim Schloss Kasteln, seine Vision einer Kultur, die das Wohl der Kinder ins Zentrum stellt, zu realisieren.

Fortan waren seine Managementfähigkeiten gefragt. Und trotzdem, so bekennt er, habe er sich sein Pädagogenherz stets bewahrt. Er verpasste der Institution neue, gezielt auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnittene Strukturen.

Hierarchiestufen verschwanden. Heimleitung, Lehrer, Therapeuten und selbst der zur Institution gehörende Bauernhof schmolzen ineinander und wurden zu kooperativ funktionierenden Leistungsgemeinschaften.

Verletzte Kinderseelen «geheilt»

«Kinder, die nach Kasteln kommen, haben meist schon eine lange Leidenszeit hinter sich. Oftmals fallen sie nicht mehr durch aggressives Verhalten auf. Vielmehr sind sie traurig, verweigern sich und habe jegliches Vertrauen in sich und die Erwachsenen verloren», weiss Bächli.

Früher, so erinnert er sich, habe man die Kinder tatsächlich diszipliniert und «repariert». Mit einem neuen pädagogischen Konzept setzte Kasteln jedoch konsequent auf Zuwendung geben und Vertrauen schaffen.

Nur so könnten Kinder gesunden. «Unsere vielseitigen Therapiemöglichkeiten sind für die jungen Menschen oft lebensnotwendige Inseln, wo sie mit ihren Ängsten, Sorgen und Nöten ernst genommen werden», erzählt er und ergänzt, dass die Tierämtli auf dem Bauernhof heute eine wichtige therapiebegleitende Massnahme bilden.

Das Schulheim ist für die Zukunft gerüstet

Von der Schlossterrasse blickt der abtretende Gesamtleiter zufrieden auf sein Werk zurück. Die langjährige «Baustelle» Kasteln erstrahlt in neuem Glanz. Schloss und Nebengebäude wurden vor vier Jahren mit 15 Millionen Franken saniert.

Die Infrastruktur entspricht den heutigen Anforderungen an einen zeitgemässen Schulbetrieb. Führungsstruktur und pädagogische Ausrichtung werden vom Kanton Aargau mitgetragen. Seit 2004 arbeitet das Schulheim mit einem Leistungsauftrag des Departements für Bildung, Kultur und Sport (BKS), Abteilung Sonderschulen und Heime.

«Die Ansprüche werden in Zukunft weiter steigen, die zur Verfügung stehenden Mittel nicht.» Mit dem ihm eigenen Weitblick hat Bächli als letzten grossen Wurf Kasteln mit weiteren Institutionen in die gemeinsame Stiftung «etuna» eingebracht und so für die künftigen Aufgaben fit gemacht.

Jetzt geht Toni Bächli in Pension, Kasteln jedoch wird noch für viele bedürftige Kinder zum Schloss der guten Geister werden.

Meistgesehen

Artboard 1