«Wenn Ihr einen Motorradfahrer seht, ist es nicht 'nur' ein Motorradfahrer, sondern auch eine Mutter, ein Vater, eine Tochter oder ein Sohn...». So rief ein 18-jähriger Aargauer im Februar 2017 auf Facebook alle Autofahrer auf, im Strassenverkehr ein Auge auf die Töfffahrer zu haben. 

Zwei Monate später war der passionierte Motorradfahrer tot – angefahren von einem 73-jährigen Autofahrer, der den jungen Mann übersehen hatte. Passiert war der Unfall auf der Kreuzung Bruggerstrasse/Badstrasse in Schinznach-Bad, direkt oberhalb des Thermalbads.

Nur drei Monate später ereignete sich an selber Stelle wieder ein schwerer Unfall – erneut wurde ein Motorradfahrer von einem Auto erfasst, diesmal hatte eine ältere Autofahrerin einen 19-Jährigen übersehen.

Am Montag steht der 73-jährige Unfallfahrer nun vor dem Bezirksgericht Brugg, angeklagt wegen fahrlässiger Tötung. «Die Staatsanwaltschaft beantragt eine bedingte Geldstrafe von 210 Tagessätzen und eine Busse von 1000 Franken», sagt Sprecherin Fiona Strebel gegenüber TeleM1.

18-jähriger Töfffahrer wird übersehen – tot

28. April 2017: 18-jähriger Töfffahrer wird übersehen – tot

      

Kanton: Temporeduktion bringt eh nichts

Bereits nach den Unfällen forderten die Badbetreiber – ebenfalls zum wiederholten Mal – vom Kanton Massnahmen für eine bessere Verkehrssicherheit. Schon im Hinblick auf die Strassensanierung 2015/2016 hatte die Thermalbadleitung die Forderung nach einem Kreisel oder einer Temporeduktion im Kreuzungsbereich angebracht – und blitzte damit beim Kanton ab.

Ebenso letztes Jahr: Der Kanton kam mit der Kantonspolizei erneut zum Schluss, dass die Thermalbad-Kreuzung kein Unfallschwerpunkt sei. Die Unfälle seien auf menschliches Versagen zurückzuführen, die Infrastruktur somit in Ordnung.

Bemerkenswert: Der Kanton argumentierte zudem, dass eine Temporeduktion eh nichts bringen würde, da sich die Verkehrsteilnehmer kaum daran hielten.

«Immer wieder heisse Situationen»

Das löste beim Thermalbad Kopfschütteln aus. Am Tag vor dem Prozess äussert nun die Unternehmensleitung gegenüber TeleM1 erneut Kritik am Kanton. Marcus Rudolf, Direktor Bäder, ist immer noch überzeugt, dass eine Temporeduktion die Situation sicherer machen würde und gibt zu bedenken: «Wir hatten Glück, dass in den letzten Monaten nichts passiert ist. Aber wir haben immer wieder heisse Situationen miterlebt.»

Nach Junglenker-Tod: Bad Schinznach warnte schon lange

4. Mai 2017: Nach Junglenker-Tod: Thermalbad warnte schon lange